Dialog von Pinsel und Pixel
Höchst sehenswertes Ausstellungsdoppel: Medienkunst aus vier Jahrzehnten und multimediale Wirklichkeitserkundungen des Chinesen Liu Xiaodong im Kunsthaus Graz.
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Von Vito Acconci bis Erwin Wurm, von 1968 bis 2012 - das namentliche und zeitliche Spektrum der Ausstellung "medien.kunst.sammeln", welche mit Werken von gut sechs Dutzend Künstlerinnen und Künstlern "Perspektiven einer Sammlung" zum eindrucksvollen Überblick bündelt. Einer Sammlung, deren Ausgangspunkt die aufsehenerregende Schau "Audiovisuelle Botschaften" markiert. Horst Gerhard Haberl arrangierte diese 1973 für die Neue Galerie im Grazer Künstlerhaus.
Acconci, Trisha Brown, Gianni Colombo, Bruce Nauman, Nam June Paik, Keith Sonnier, Gottfried Bechtold, Richard Kriesche und Peter Weibel waren damals unter den Pionieren der Neuen Medienkunst. Ihre Beiträge erweisen sich als durchwegs frisch, zumindest in konzeptioneller Hinsicht. Die technische Seite ist für die Sammler heute keine geringe Herausforderung, die diesbezügliche Halbwertszeit kann mit jener eines Ölgemäldes eindeutig nicht mithalten.
Strenge Konzepte (etwa von Giulio Paolini, Erwin Posarnig, reMI, Werner Schimpl, Michael Schuster) finden sich neben spielerischen Ansätzen (beispielsweise von Mike Kelley/Paul McCarthy, Claus Schöner, Norbert Trummer), bissiger und trockener Humor (Urs Lüthi, Paik, Erwin Wurm) neben Pathos (Muntean/Rosenblum).
Die anregende Präsentation (die von Zeit zu Zeit Veränderungen erfahren wird) hat dort akustische Probleme, wo Töne nicht via Kopfhörer geliefert werden, sondern einander über Lautsprecher in die Quere kommen.
Malen und mehr
Des "Neuen" Mediums Video bedient sich auch der Chinese Liu Xiaodong. geboren 1963. In der ersten Personale des Künstlers in einem europäischen Museum werden alle Filme gezeigt, die Liu im Rahmen seiner künstlerisch-dokumentarischen Recherchen bislang drehte.
Gezeigt werden in der von Günther Holler-Schuster ausgezeichnet betreuten Präsentation auch Beispiele von Tagebüchern, ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des international tätigen Künstlers, der zu den renommiertesten seiner Heimat zählt. Und natürlich Gemälde. Die Malerei ist gewissermaßen das "Kerngeschäft" des in Peking im Sinne eines sozialistischen Realismus Ausgebildeten.
Lius Blick, das zeigt die reichhaltige Schau, ist jedoch keiner, der sich in den Dienst von Propaganda stellt. Offenheit prägt die Bilder. Die Wirklichkeit, welche in ihnen gezeigt wird, hat viele Seiten, alle gleichwertiges Material für Erkundungen und (kritische) Hinterfragungen.
Zuletzt (wir berichteten) erprobte Liu seine vielschichtige Methode bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Eisenerz. Zwei großformatige Gemälde, Tagebuchaufzeichnungen, ein Film zeugen von intensiver Auseinandersetzung. Sichtbar werden nicht nur lokale Besonderheiten, sondern globale Zusammenhänge. In vielerlei Hinsicht ist Eisenerz Lius Heimatstadt, von der das umfassende Projekt "Hometown Boy" berichtet, sehr nahe.










