"Mann von La Mancha": Ein Musical ohne Patina
Der Grazer Oper gelang ein wunderbarer Abend auf den Kasematten: "Der Mann von La Mancha" lässt träumen, staunen und hoffen.
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Das Ambiente ruft nach dem "Mann von La Mancha": Die Grazer Oper besann sich nach einem Jahrzehnt wieder der Kasematten und hätte dafür kein idealeres Musical als Sommerproduktion aussuchen können.
Das Gemäuer ist kein Kerker der Inquisition, sondern ein Gefängnis unserer Tage - ist es doch leider nicht gestrig, dass ein Schriftsteller aus politischen Gründen eingesperrt wird. Mit seinen Mitgefangenen erweckt er seinen Roman "Don Quijote" zum Leben; sie werden in ihrer ungewissen Lage zu Mitwirkenden und erfahren dabei neue Perspektiven auf sich selbst. Das Spiel weckt, was hinter den Aggressionen verschüttet war: Gefühl und Mitgefühl.
Musical-Spezialist Josef Ernst Köpplinger und sein exzellenter Choreograf Boris Nebyla bringen das 1965 in New York uraufgeführte Stück ohne jegliche Patina auf die in die Mitte gestellte Bühne (noch eine Entscheidung des im April verstorbenen Ausstatters Rolf Langenfass). Die Inszenierung besticht durch liebevolle Details und wie aus dem Nichts gezauberte Ideen, etwa das Pferd Rosinante und Sancho Pansas Esel. Mit den wenigen Habseligkeiten des Dichters als Requisiten blüht zwei Stunden lang das Theater.
Erwin Windegger erweist sich mit seiner faszinierenden Bühnenpräsenz als Idealbesetzung für den "Ritter von der traurigen Gestalt". Stimmlich und darstellerisch lassen auch Daniel Prohaska (Diener) und Karin Filipcic (Aldonza/Dulcinea) keine Wünsche offen, sind zudem veritable Sympathieträger. Jeder im tatkräftigen Ensemble hat schöne Momente, stellvertretend seien Roger Murbach und Uschi Plautz erwähnt. Das Grazer Philharmonische Orchester unter Michael Brandstätter ist auf dem Punkt. Ein stimmiger Abend für Ohr, Auge und Fantasie.
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