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Zuletzt aktualisiert: 18.06.2012 um 15:48 UhrKommentare

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Das Stadtmuseum baut um und richtet sich neu ein: Direktor Otto Hochreiter über Pläne, stumme Zeugen und den Nachholbedarf von Graz.

Otto Hochreiter, Direktor des Stadtmuseums über die Neuausrichtung

Foto © Jürgen FuchsOtto Hochreiter, Direktor des Stadtmuseums über die Neuausrichtung

Mitte Mai wurde im Stadtmuseum noch fashion-fabelhaft gefeiert beim Designfestival assembly. Seit damals klebt in der Sackstraße 18 ein Zettel an der Tür: "Bis zum 12. Oktober geschlossen."

Dahinter wird der Umbau vorbereitet, der auch inhaltliche Neuausrichtung ist. Am 13. Oktober wird eine Dauerausstellung aufsperren: "Wir wollen Grazer Geschichte aus einer europäischen und historisch kritischen Perspektive zeigen", sagt Direktor Otto Hochreiter. Und fügt hinzu: "Graz war nie eine Insel." Sondern sei immer im Austausch mit anderen gewesen. "Es stehen sehr viele gute Zeugen in der Stadt herum", betont Hochreiter. Diese wolle man neu - und politisch - lesen. Als "politische Physiognomie".

Auf 400 Quadratmetern soll die Dauerausstellung über das späte Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, die die Stadt mit 500.000 Euro sponsert, arrangiert werden und dort für geplante sieben Jahre bleiben. Des Direktors Versprechen: "Grazer werden die Stadt nach dem Besuch der Schau anders sehen."

"Graz hat Nachholbedarf"

Ein Beispiel: das Mausoleum Kaiser Ferdinands II. "Was nicht viele wissen: Jener Ferdinand, der den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 anzettelte, lernte seine Unnachgiebigkeit als 18-Jähriger in Graz", sagt der Stadtmuseumsdirektor. Um 1600 vertrieb er alle Protestanten aus der Stadt. "1575 waren noch 80 Prozent der Bevölkerung protestantisch", betont Hochreiter.

Oder: Die längste Straße der inneren Stadt - die Conrad-von- Hötzendorf-Straße - ist einem Mann gewidmet, der eine Schlüsselrolle in der Julikrise innehatte, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. Jedoch: "Mit Graz hatte er aber gar nichts zu tun." Und: "Es gibt viele öffentliche Gebäude, deren Geschichte nie reflektiert worden ist."

Noch ein Beispiel, wie sehr Graz von den Revolutions- und Koalitionskriegen betroffen war: 1797 nächtigte Napoleon in der Herrengasse. 1805 waren französische Truppen 51 Tage in Graz, 1809 wurde der Schloßberg beschossen. Es sollte gelingen, "die sozialgeschichtlichen Aspekte der Besatzungszeit 1805, den Konsumrausch und die Inflation vor dem Staatsbankrott 1811 mitsamt veränderten Familienstrukturen und Frauenrollen darzustellen", so Hochreiter.

Seine Bilanz zu Details wie diesen: "All das sind wichtige Fragen zur Geschichte der Stadt. Im Umgang mit den dunklen Seiten hat Graz Nachholbedarf." In einer "sinnlich nachvollziehbaren" Schau mit Buchregalen wolle man Nachhilfeunterricht geben. Ausgestellt wird auch das Dokument von Hitler, das Graz als "Stadt der Volkserhebung" bestätigt.

Die Dauerausstellung ist nur ein Teil der 1,2 Millionen teuren Renovierung. Die soll, wie berichtet, auch das Foyer und den Eingang betreffen. Der neue Entwurf des Architektenteams Arquitectos liegt derzeit dem Bundesdenkmalamt zur Begutachtung vor. Bis zu sieben Eingangstüren, die das Museum näher an die Stadt und die Menschen darin heranrücken lassen, sind geplant. Und: Im Foyer will man kleinere, kostenlose Schauen zu sozialen, urbanen Fragen arrangieren. Einladend, hell, transparent.

Nachsatz: "Als Kontrastprogramm zum Museum im Palais nebenan", betont Hochreiter.

JULIA SCHAFFERHOFER

Stadtmuseum neu

Ab 13. Oktober: Eröffnung der Dauerausstellung sowie der Wanderausstellung: "Eyes on the City. Urbane Räume in der Gegenwartsfotografie." Zur Ausstellung erscheint im Oktober auch eine Publikation von Otto Hochreiter und Christina Töpfer, 24 Euro, Verlag Anton Pustet.

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