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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2012 um 21:19 UhrKommentare

Joan Baez: "Man kann ja nicht wirklich zufrieden sein"

Woodstock-Veteranin Joan Baez, am 9. Juli zu Gast in Finkenstein, über die wahren Erfolge einer Legende, den unaufhörlichen Kampf für eine bessere Welt und ihre Angst vor der "Tea-Party".

Folk-Diva mit glockenheller Stimme: Joan Baez singt in Wien und Kärnten

Foto © APAFolk-Diva mit glockenheller Stimme: Joan Baez singt in Wien und Kärnten

Als Martin Luther King 1963 nach Washington marschierte, um gegen die Rassentrennung zu protestieren, sang sie vor 300.000 Menschen "We Shall Overcome". Einige Jahre später ließ sie sich für ihre Überzeugung ins Gefängnis stecken und war fortan überall dort zu finden, wo es in der Welt brannte: in Hanoi, wo sie 1972 unfreiwillige Zeugin des "Christmas Bombing" der Amerikaner wurde, im Gazastreifen, wo sie die Intifada der Palästinenser unterstützte, oder in der Tschechoslowakei zur Zeit der "Samtenen Revolution".

Als Musikerin verhalf sie Bob Dylan, mit dem sie ebenso liiert war wie mit Apple-Gründer Steve Jobs, zu ersten größeren Auftritten, sang 1969 hochschwanger in Woodstock und gilt bis heute als Muse der "Flower Power"-Generation. Nicht zuletzt dank unvergessener Hits wie "The Night They Drove Old Dixie Down". Mittlerweile hat Joan Baez mehr als 40 Alben eingespielt und ist trotz ihrer 71 Jahre noch unermüdlich unterwegs, um ihre musikalischen Botschaften unters Volk zu bringen. Demnächst auch in Österreich, wo sie am 9. Juli in der Burgarena Finkenstein und tags darauf in der Wiener Stadthalle Station macht.

Sind Sie gemäß Ihrer Parole "We Shall Overcome" immer noch davon überzeugt, dass die Missstände in unserer Welt überwunden werden können?

JOAN BAEZ: Wenn man sich in der Welt umsieht, dann kann man ja nicht wirklich zufrieden sein. Aber auf die großen Niederlagen folgen hin und wieder ja auch kleinere Siege.

Aufgrund welcher Ihrer Siege werden Sie dereinst - "Knockin' on Heaven's Door" - beim heiligen Petrus um Einlass bitten: aufgrund Ihrer Erfolge als Sängerin oder jener als Bürgerrechtlerin?

BAEZ: Ich weiß, dass meine Arbeit dann am besten ist, wenn ich beides zur selben Zeit mache. Aber wenn Sie mich fragen, wie ich in Erinnerung bleiben möchte, dann als anständige Person. Als gute Mutter und gute Tochter.

Klingt nicht gerade politisch.

BAEZ: Die Leute glauben, dass ich immerzu an der Front sein muss. Aber im Moment bin ich viel mit meiner Familie zusammen. Zum Beispiel mit meiner 99-jährigen Mutter. Aber wenn mich der Ruf ereilt und ich das Gefühl habe, dass ich die richtige oder einzige Person bin, die den Job machen kann, dann werde ich losziehen. Aber im Moment schau ich mich nicht danach um.

Dennoch haben Sie erst jüngst für die Occupy-Bewegung in New York gesungen. Wen halten Sie eigentlich für die größere Bedrohung: die Zocker in der Wall Street oder die Falken zwischen Washington und Teheran?

BAEZ: Die größte Bedrohung ist zweifellos der Klimawandel. Auch das andere ist wichtig, aber Fakt ist: Wenn wir das Klima nicht in den Griff bekommen, dann werden sich die anderen Probleme von selbst erledigen.

Noch vor einigen Jahren hat man Ihnen verboten, vor Irak-Veteranen zu singen. Hat Amerika immer noch Angst vor Ihren Liedern oder hat sich das gebessert?

BAEZ: Bezüglich meiner eigenen Freiheit habe ich momentan keine Probleme. Wenn aber jemand von der Tea-Party-Bewegung Präsident werden würde, dann würde ich mich wirklich fürchten. So wie das manchmal der Fall war, als Bush noch im Amt war.

Haben Sie je an Exil gedacht?

BAEZ: Das war schon ein Gedanke, aber keine ehrliche Option, weil sich ein Exil - im Gegensatz zu mir - nicht jeder leisten könnte.

Wird Obama, dessen Präsidentschaft Sie stark unterstützt haben, erneut das Rennen machen?

BAEZ: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Aber es wäre hilfreich. Bisher haben ja die Rechten sehr erfolgreich seine Arbeit blockiert.

Empfinden Sie es nicht manchmal als Last, Ihr Dasein als lebende Legende fristen zu müssen?

BAEZ: Es ist schon eine Freude, wenn die Leute schätzen, was ich mache. Wenn man aber nur eine Legende ist, also nicht mehr als frisch angesehen wird, dann kann das auch sehr unangenehm sein.

Gibt es eigentlich hin und wieder Woodstock-Veteranentreffen mit Peter Seeger und Konsorten?

BAEZ (lacht): Pete habe ich zuletzt vor zwei Jahren auf der Party zu seinem 91. Geburtstag gesehen.

Und Bob Dylan, der am 7. Juli rein zufällig in Salzburg auftritt?

BAEZ: Wenn ich mich an diesem Tag freimachen kann, dann werde ich sein Konzert ziemlich sicher besuchen.

INTERVIEW: Erwin Hirtenfelder

Fakten

Im Rahmen ihrer Europa-Tournee gastiert Joan Baez am 9. Juli in Finkenstein und am 10. Juli in der Stadthalle Wien. Beginn: 20 Uhr.

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