Scharfsinnige Sprengsätze
Intensiver, präziser "Bartleby" von Herman Melville auf der Grazer Probebühne.

Foto © LUPI SPUMA Wüten, schreien, singen: Kabas und Klar
Der Anfang wird verschoben. Immer wieder. Er versucht die Gitarre zu stimmen. Sie tänzelt um ihn herum. Lorenz Kabas und Katharina Klar dehnen das theatrale Vorspiel bei "Bartleby oder Sicherheit ist ein Gefühl" auf der Probebühne im Schauspielhaus aus. Spätestens als Klar "Ich gehör nur mir" aus dem Musical Elisabeth singt, ist man beim Kernthema von Herman Melvilles Erzählung angelangt: Verweigerung. Oder die totale Entscheidungsfreiheit.
"Ich möchte lieber nicht": Ausgehend von diesem Satz spannt Theaterdenker Boris Nikitin einen intensiv improvisierten Abend. Ein Papierhaus oder eine Venus werden gesprengt, Kabas singt Protestlieder, Klar monologisiert sich zornig durch Unsicherheitsfaktoren ihrer Generation und kommentiert Political Correctness oder Wutbürgertum: "Warum darf ich nicht in einer Blase leben?"
Der scharfsinnige Abend bietet viele Lesarten. Körperhackler Kabas debütiert grandios, erstmals ohne das TiB-Ensemble. Und Präzisionsarbeiterin Klar bekommt hoffentlich bald eine große Hauptrolle. Trotz mancher Längen - verdienter Riesenapplaus für Klar und Kabas.








