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Zuletzt aktualisiert: 04.05.2012 um 20:30 UhrKommentare

Ein Trip zur Teller-Witzi-Mitzi

Das Festival KOMM.ST 1.2 in Anger bringt ab 5. Mai neue Kunst an alte Orte. Ein Höhepunkt: zehn Künstler arbeiten zehn Tage lang vor Ort.

Sieben Werke, sieben Orte: W. W. Anger ist in Anger zu sehen

Foto © KOMM.ST Sieben Werke, sieben Orte: W. W. Anger ist in Anger zu sehen

Sie nennt sich selber so - kein Witz. Maria Friesenbichler, Betreiberin eines Gasthauses in einer Kurve an der B72 zwischen Anger und Birkfeld, geht dort ihrem Sammeltrieb für Kunstteller nach. Mehr als 400 hat sie schon. Und weil sie gerne Witze erzählt, ist sie halt die "Teller-Witzi-Mitzi". In der Gegend nennt man den Gastronomiebetrieb auch "Grant Hotel".

Was diese Notiz auf den Kulturseiten verloren hat? Die Spelunke ist neben dem Gemeindesaal, dem Stainpeißhaus oder der Marktbücherei einer von zehn Orten, die im Rahmen des Projekts "Ten Days, Ten Artists" beim Kulturfestival KOMM.ST. in Anger besetzt und bespielt werden. Die "Teller-Witzi-Mitzi" bekommt ab 10. Mai Besuch vom Vibraphonisten und Komponisten Berndt Luef, der seine Kompositionen zu dunklen Kapiteln der oststeirischen Geschichte neu arrangieren will. Übergeordnetes Thema für alle: "Zeit - Illusion zwischen Augenblick und Vergangenheit". Spannend könnte auch die experimentelle Performance der Japanerin Sachiko Ishikawa und des Franzosen Thierry Castel werden - sie widmen sich der Ausdruckstanzform Butoh. Zur Erinnerung: mitten in der Kleinregion Anger-Puch.

Neue Kunst an alte Orte zu befördern ist für den Festivalleiter Georg Gratzer und seinen Bruder Roland kein Gegensatz, sondern Programm - und Aufforderung zum Zusehen: sowohl für das Gemeinde- als auch das Kulturpublikum. Eintreten erwünscht.

Eröffnet wird das Festival am Samstag mit der Kunstschau "Wir kommunizieren nicht (nur) mit uns selbst" von W. W. Anger, einem zwar in Anger geborenen, aber vor Ort nahezu unbekannten Künstler. Sieben seiner raumbeherrschenden Installationen haben das Kuratorenduo Werner Fenz und Evelyn Kraus platziert - im Schaufenster, in der Kirche, im Gemeindeamt. Mitten im öffentlichen Raum hinterfragt er das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit.

Roland Gratzer hat sich im Theaterstück "Anger 1934" der Geschichte des Naziputsches dort von 1934 gewidmet. Spielorte ab 13. Mai sind die Gasthäuser der Region. Prognose: Die Zeit ist reif fürs Land. Dringend.

KOMM.ST 1.2 von 5. bis 19. Mai in Anger und Umgebung. www.komm.st

JULIA SCHAFFERHOFER

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