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Zuletzt aktualisiert: 29.04.2012 um 20:30 UhrKommentare

Ein wahrlich großes Ensemble

Eine Farce mit herrlichen Momenten und sportlichem Klamauk: Georges Feydeaus "Floh im Ohr" am Grazer Schauspielhaus.

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Ein Stück des Franzosen Georges Feydeau (1862-1921) ist perfekt gestrickter Boulevard in einem engen Korsett - und dennoch kein Selbstläufer. Es zu inszenieren, erfordert hohe Kunstfertigkeit und eine sichere Hand fürs Timing. Allzu schnell können die Verstrickungen und Missverständnisse, die immer wieder neue hervorrufen, zum lauten, gar nervigen Tohuwabohu werden.

"Die passende Spielweise zu finden, ist die Herausforderung", erklärt Regisseurin Cornelia Crombholz im Programmheft. Am ehesten sei die Arbeit mit Arien zu vergleichen: "Natürlich können wir einen Rhythmus verschieben, aber wir müssen auch der Ordnung des Textes wie in der Oper der Musik folgen."

Crombholz startet untertourig - fast trocken kommt der erste Akt daher, was aber nicht bedeutet, dass der Witz nicht zündet. Eine gut situierte Unternehmergattin, Madame Chandebise (Birgit Stöger), glaubt, Untreue-Beweise gegen ihren Mann in der Hand zu haben - nicht nur durch die postalisch vom Etablissement "Zur zärtlichen Miezekatze" eingetroffenen Hosenträger ihres Gatten (Sebastian Reiß). Ist doch auch der stets so "reißende Gebirgsbach" in seiner Hose "ausgetrocknet". Zumindest daheim. Mit ihrer Freundin Lucienne (Sophie Hottinger) setzt sie einen Brief auf, der in Folge die gesamte Feydeau-Gesellschaft in besagtes Stundenhotel führt, wo sie zum Teil wie Marionetten zappelt. Und ein Doppelgänger die Verwirrung noch erhöht.

Tempo, Tempo!

Crombholz kokettiert nun mit Comicfiguren und Elementen des Stummfilm-Genres, baut augenzwinkernd und durchaus charmant Täuschungsmanöver des Theaters bzw. des Hörspiels ein und nimmt rasante Anläufe auf das totale Chaos. Dennoch wirkt der Abend im gefälligen und praktikablen Bühnenbild (Flurin Borg Madsen) etwas zu lang, er verliert an Geschmeidigkeit. Die eingestreuten Albtraum-Sequenzen in Slow Motion stören eher den Fluss der Komödie, die manchmal im schrillen Klamauk ermüdet.

Die große Besetzung (14-köpfig) steht auch für großes Theater. Und immer wieder atemlose Leistungen. Hottinger und Claudius Körber sind als spanisches Ehepaar ein Lachschlager. Da brennt die Bühne! Reiß und Stöger schaut man mit Vergnügen zu, sie vereinen Präzision mit Leichtigkeit. Gerhard Balluch glänzt als Hotelbesitzerin mit einer feinen, wohldosierten Darbietung, Freude macht das Wiedersehen mit Erik Göller.

Fazit: Allen Darstellern gebührt großer Applaus.

CHRISTIAN UDE

Zum Stück

Floh im Ohr" von Georges Feydeau. Deutsch von Elfriede Jelinek.

Regie: Cornelia Crombholz.

Musik: Julia Maier.

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