Nette Unterhaltung mit nostalgischem Charme
Als temperamentvolle Titelheldin, die sich vom ungebärdigen Fratz zur jungen Dame entwickelt, die nicht Reichtum, sondern Liebe sucht, bezaubert Sieglinde Feldhofer in der "Gigi"-Neuproduktion der Grazer Oper.
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Trotz des leicht anrüchigen Themas zeigt die Grazer Oper das Musical "Gigi" in einer Version, die auf familientaugliches Unterhaltungstheater abzielt. Lässt auch Mathias Fischer-Dieskau riesige Corsagen als mobile Elemente über die Bühne gleiten, so meidet doch die Inszenierung von Matthias Davids drastische Anzüglichkeiten, obwohl das 1973 am Broadway uraufgeführte Musical von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner von der Ausbildung eines jungen Mädchens zur Kurtisane handelt.
Weil das nur bei Beibehaltung des originalen Schauplatzes und einer bestimmten Epoche funktionieren kann, belässt die Grazer Neuproduktion das Geschehen im Paris des Jahres 1901. Das rasche Szenenwechsel ermöglichende Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau, der mit Hintergrundprojektionen die Örtlichkeit lokalisiert, und die prachtvollen Kostüme von Judith Peter garantieren die nötige Atmosphäre.
Erreichen die Inszenierung von Matthias Davids und die Choreografie von Simon Eichenberger auch nicht ganz das Niveau der Musical-Produktionen von Josef Ernst Köpplinger und Ricarda Regina Ludigkeit, so wird doch die Entwicklung Gigis vom Wildfang zur angehenden Dame routiniert und mit nostalgischem Charme erzählt.
Sieglinde Feldhofer, die mit ihrem klaren Sopran exzellent singt, mimt diese Verwandlung des ungebärdigen und unbefangenen Mädchens zur jungen Frau, die sich nicht verkaufen will, weil ihr Reichtum und Luxusleben weniger bedeuten als ihre Gefühle, mit bezaubernder Überzeugungskraft.
Ihrer "Mamita" genannten Großmutter Inez Alvarez sichert Uschi Plautz, zumal in der Begegnung mit dem ehemaligen Liebhaber, menschliche Größe.
Comeback
Als Tante Alicia, die lieber in der "glorreichen Vergangenheit" lebt, Gigi von ihrem reichen Erfahrungsschatz profitieren lässt und sie mit den gehobenen gesellschaftlichen Regeln vertraut macht, feiert Lotte Marquardt nach langer Pause ihr Comeback auf der Bühne. Vor allem in der Szene, in der sie mit dem Anwalt über die Vertragsbedingungen feilscht, die Gigi als Geliebter Gastons auch nach einem eventuellen Ende der Liaison die Zukunft sichern sollen, läuft sie zu großer Form auf.
Die schwierige Aufgabe, sich als Lebemann Gaston ständig gelangweilt zu geben, ohne das Publikum zu langweilen, meistert Guido Weber mit hübschem Tenor und der nötigen Eleganz.
Der für Maurice Chevalier geschriebenen, hierzulande von Johannes Heesters (Theater an der Wien), Peter Minich (Graz) und Michael Heltau (Wiener Volksoper) geprägten Figur des Honoré verleiht Götz Zemann ein ganz eigenes Profil. Erdiger als seine Vorgänger und männlicher im Vokalen durch seine saftige Baritonstimme, zeichnet er einen gemütlichen und vor allem gütigen, altersweisen Charmeur.
Am Pult der mit Streicherglanz und glitzerndem Blech aufwartenden Grazer Philharmoniker kann Marius Burkert nicht kaschieren, dass Frederick Loewe mit "Gigi" seine "My Fair Lady" nicht zu toppen vermochte. Nachdrücklich verdeutlicht er aber, dass die mit vier zusätzlichen Musiknummern angereicherte Bühnenversion des Musicalfilms von 1958 stärkere Affinität zur Operette besitzt und der Broadwaykomponist nicht verleugnet, dass er als Friedrich Loewe 1901 in Wien zur Welt kam.










