Drei Menschen in unsteten Zeiten
Hell-dunkle Epochen: "Ecce homo - sieh da der Mensch" heißt eine Oper von Bernd Liepold-Mosser und der Gruppe Naked Lunch, die im Rahmen der Landesausstellung uraufgeführt wird.

Foto © KKZwei Schwestern: Nadine Zeintl und die gebürtige Kärntnerin Jutta Fastian
Die Geschichte(n) von damals, als in Kärnten Reformation und Gegenreformation die Menschen erschütterten, zum Leben zu erwecken, ist eine Zielsetzung der Landesausstellung in Fresach. Was 500 Jahre her ist, bekommt durch die Oper "Ecce homo - sieh da der Mensch", die am 22. Juni in der Kirche Fresach uraufgeführt wird, aktuelle Bezüge.
Autor und Ideengeber Bernd Liepold-Mosser wählte für die Oper, für die Naked Lunch die Musik schrieb (und auch spielt), drei Akte, die drei verschiedene Zeiten symbolisieren: das "Dunkel", als Zeitspanne vor der Reformation gedacht, mit der in lateinischer Sprache verfassten Bibel, die den Alltag wesentlich bestimmt, deren Wortlaut aber nur die sprachkundigen Priester verstehen und deuten können. Es folgt im zweiten Akt eine für die Reformation stehende helle, aufklärerische, verständliche Zeit, während im dritten Akt das Pendel wieder in die Ausgangsposition - und damit ist die Gegenreformation gemeint - zurückschlägt.
Allzu menschlich
Zwei Schwestern und ein Mann - er ist mit der einen verheiratet, mit der anderen liiert - sind die allzu menschlichen Protagonisten. Zwei allegorische Figuren kommentieren das Geschehen. "Ecce homo ist kein historisches Drama. Die Übertragung in die heutige Zeit und mit einer Dreiecksbeziehung zeigt, wie sich der von außen ausgeübte moralische Druck auf die Protagonisten ändert", erläutert Autor Liepold-Mosser, der zugleich Existenzielles im Auge hat: "Dass im letzten Akt die zuvor bestehende Öffnung wieder geschlossen wird, evoziert Zweifel und man fragt sich, ob denn ein Gott existieren kann, der so viel Gewalt zulässt."
Superintendent Manfred Sauer erwartet sich von "Ecce homo" eine nachhaltige Zusammenarbeit mit der neuenbuehnevillach, die für die Umsetzung der Oper verantwortlich zeichnet. "Damit wäre auch die Nachnutzung der Landesausstellung-Infrastruktur gegeben", so Sauer. Oliver Welter von Naked Lunch ist, obwohl Agnostiker, voller Vorfreude, im sakralen Raum musizieren zu dürfen. Naked Lunch hat zuletzt mit Liepold-Mosser das erfolgreiche musikalische Schauspiel "Amerika" am Stadttheater Klagenfurt herausgebracht.
50.000 Euro von insgesamt 140.000 Euro Produktionskosten werden von der Stadt Villach und aus dem Landesausstellungsbudget getragen, der Rest soll über den Kartenverkauf lukriert werden.
Features
Ecce Homo
19. Juni: Matinee "Ecce Homo", 11 Uhr, neuebuehnevillach
22. Juni: Premiere "Ecce Homo", in der Kirche Fresach, 20 Uhr
Weitere Termine bis 9. Juli. Bus-shuttle ab Klagenfurt, Villach, Spittal und weiteren Städten. Kombiticket Bus/Eintritt 37 Euro
Infos gibt es unter:
www.neuebuehnevillach.at
www.landesausstellung011.at








