Der Schloßberg hat den Blues
Kasematten in der Krise? Das "springfestival" ist abgewandert, der Jazz Sommer gekürzt. Ein neues Bluesfestival soll die Lücke füllen.

Foto © M. KanizajGogo Jersernik und "seinen" Jazzsommer trifft der Sparkurs besonders hart
Auch das Wort "special" kann es nicht beschönigen: Von zwölf geplanten Konzerten sind zwei geblieben - der Jazz Sommer Graz liegt in den letzten Atemzügen. "Übrig sind zehn Prozent des Budgets, damit hat uns der Sparkurs der Landesregierung mit Abstand am härtesten getroffen," so Veranstalter Gottfried "Gogo" Jesernik, der bis zuletzt versuchte, das Beste aus den verbleibenden 50.000 Euro zu machen. Der neue Kulturstadtrat Edmund Müller (SOÖ), auf dessen Unterstützung man bis zuletzt hoffte, stellt zwar die Kasematten kostenlos zur Verfügung, mehr sei über das Kulturressort aber nicht möglich.
Am Freitag musste daher auch das bereits angekündigte Konzert mit der kalifornischen Funk-Band Tower of Power abgesagt werden. Ebenfalls nicht finanzierbar: Omara Portuondo & Buena Vista Social Club oder Al Jarreau, die bereits gebucht waren. Jesernik kann das nicht verstehen: "Der Jazz Sommer ist ein Festival mit internationaler Reputation, wir bekommen Anfragen aus der ganzen Welt".
Regionaler
Wie es nach diesem Rückschlag nächstes Jahr weitergehen soll, ist noch völlig unklar. Landeskulturrat Christian Buchmann (ÖVP) schwebt für 2012 ein neues Konzept unter Einbindung der lokalen Szene, in der der Jazz Sommer ja von Beginn an umstritten war, vor. Und auch Stadtrat Müller will das Festival als Bühne für heimische Künstler sehen: "Gerade für die Grazer Kulturszene wünsche ich mir, dass sich im Jazz Sommer vermehrt auch Grazer Jazzmusiker präsentieren können." Er sei überzeugt, dass "selbstverständlich auch die Grazer Musiker ein internationales Publikum anziehen können."
Dass die Buchungslage der Kasemattenbühne mit dem zusammengestauchten Jazz Sommer und der Abwanderung des "springfestivals" in die List-Halle und die Messe besser sein könnte, weist Spielstätten-Chef Christoph Thoma zurück: "Im Gegenteil, wir haben so viele Buchungen wie noch nie, auch einige private Veranstaltungen." Dennoch: Laut Homepage finden im Mai nur zwei Konzerte statt, im Juni vier. Was für "spring"-Veranstalter Stefan Auer nur am 2009 erfolgten Umbau liegen kann: "Das war stümperhaft und völliger Schwachsinn, die Bedingungen haben sich drastisch verschlechtert. Internationale Konzerte sind wegen der Zulassung für nur 1280 Personen nicht mehr finanzierbar." Vorwürfe, die Thoma nicht gelten lässt: "Der Umbau war eine Rieseninnovation und dringend notwendig. Außerdem ist die Bühne für Veranstalter günstiger, da Teile der Technik zur Verfügung stehen." Für mehr Musik auf der einzigen Open-Air-Bühne der Stadt sorgen im Juli jedenfalls die Spielstätten selbst - da bekommt der Schloßberg den Blues (siehe rechts).
Features
Jazz Sommer "special"
George Benson. 9. Juli
Millions of Dreads & Reinhard Ziegerhofer Group. 15. Juli
Ort: Kasemattenbühne
Beginn jeweils 20 Uhr








