Alles andere als heiße Luft
Bauhof statt Schlosshof und zwei Uraufführungen auf einen Streich: Die Komödienspiele Porcia sorgen neuerdings am Strand und auf dem Friedhof für gute Unterhaltung.

Foto © Riebler/Komödienspiele"Dachauer müsste man sein" schreit der Salzburger und dann wird nicht mehr Sirtaki getanzt, sondern es fliegen die Fäuste: Marcus Thill und Günter Gräfenberg und "Schirokko-Einfluss"
Rissiger Beton, hoch schießendes Unkraut, rohe Trägerelemente, in die Jahre gekommene Mauern - die Spittaler Komödienspiele Porcia haben sich zum Fremdgehen keine gelackte Schönheit ausgesucht, sondern einen pittoresken Winkel. Ein an die Wand gebautes Podest vor blauem Hintergrund - fertig ist die Bühne. Die Zuschauer sitzen auf Sesseln oder Parkbänken, ein Dach gibt es auch - der alte Bauhof am Auenweg, bislang reserviert für Porcia-Fundus und Depot, der hat was.
Neben diesen Äußerlichkeiten hat das Theater am Bauhof zwei Einakter des Salzburgers Walter Müller zu bieten, über die sich ebenfalls nur Positives sagen lässt: "Schirokko" und "Over The Rainbow" sind im besten Sinne unterhaltend, sprachlich anspruchsvoll und haben Tiefgang.
Absurdistan
"Schirokko" könnte auch "Sirtaki" heißen, denn am griechischen Strand ist nicht so eindeutig, was die beiden Urlauber mehr nervt, der heiße Wind oder die laute Musik. Alsbald landen sie in einem skurrilen Streit, wem ob seiner Herkunft mehr Vorurteile entgegen schnalzen: Der Salzburger Wolfgang (Marcus Thill mit grandioser Mimik), weil er völlig bedeutungslos ist und eben kein Genie wie Mozart? Oder der Dachauer Konrad (Günter Gräfenberg in kultivierter Verzweiflung), der die monströse Vergangenheit auch als Nachgeborener nicht loswird?
Mit Cello und hämischer Salzburg-Charakteristik dockt Müller an Thomas Bernhard an, das Instrument dient als Scharnier, erlaubt so eine Verschränkung mit dem zweiten Stück. Statt auf dem Cello, der "molligen Geliebten", spielt Marcus Thill als gemieteter Pomfineberer "Over The Rainbow" auf dem Flügelhorn.
Auch hier strickt Walter Müller eine alltägliche Geschichte behände zu einer absurden um: Die Witwe eines Mistkerls (Ildiko Babos) wartet auf die Urnenbestattung, und trifft dort einen Musiker, der (wie sie vermutet) von einem Flittchen ihres Mannes bestellt wurde, um "Ich hatt' einen Kameraden" zu spielen.
Aus der Taufe gehoben hat die Petitessen Porcia-Intendant Peter Pikl. Er inszeniert punktgenau mit charmantem Augenzwinkern - von der weitverbreiteten Erfahrung, dass die Deutschen am Strand immer früh aufstehen, um die Liegestühle zu besetzen bis zum Funkenflug zwischen Witwe und Musiker.
Features
Fakten
Schirokko/Over The Rainbow. Theater am Bauhof (Auenweg) Spittal/Drau. Aufführungen: 4., 6., 8. und 10. Juli, 20.30 Uhr
Karten/Info: Tel. 0 47 62/42 020-20







