Einmal lachen über Treter und Kriecher
Witziges aus dem Büroalltag: "Bandscheibenvorfall" an der neuenbühnevillach.
Hufschmidt raucht als Büro-Alphatier Zigarillos, hat Verspannungen im Nacken und trägt nachts eine Knirscheschiene für die Zähne. Anselm Lipgens verleiht dieser markanten Figur Leiden und Leben. Kollege Kretzky (Nicolaus Hagg), ebenfalls ein Siegertyp, rechnet dringend mit der nächsten Beförderung.
Vor der Türe. Vor der "Türzumchef" stehen fünf Angestellte - an der Schwelle ins Unbekannte, Ersehnte, aber mehr noch Befürchtete. Wer im Stück "Bandscheibenvorfall" von Ingrid Lausund mit Licht- und Tonsignal zum Eintritt aufgefordert wird, kommt schon mal mit einem Beil in der Frisur zurück. Monika Pallua spielt diese opferbereite Kollegin Kristensen, die im Laufe des Stücks endlich zu Widerständen bereit ist.
Vorherrschaft. Ihre Gegenspielerin ist die ehrgeizige Schmitt (Claudia Marold), deren Bücken vor dem Kaffeeautomaten bei den männlichen Kollegen zu ungenierter Lüsternheit führt. Man spielt und ringt um die Vorherrschaft, um die Gunst des Chefs, der nie erscheint, gemeinsamer Fußabtreter ist der gutmütige Kruse (Clemens Matzka): Ihm wird jeden Morgen per Aktenkoffer eine Stolperfalle gestellt, über die er auch purzelt, wenn der Koffer gar nicht da ist.
Figuren. Lausund hat ihre Figuren so gezeichnet, wie sie sich im tatsächlichen Konkurrenzkampf in Büros und Betrieben entwickeln könnten. Es erstaunt, dass ihr am Ende die Utopie von Versöhnung und Solidarisierung einfällt. Von der Ausstattung her karg, inszeniert Christine Wipplinger mit Akzent auf Körper-, Symbol- und gesprochener Sprache, und reizt oft zum Lachen. Jeder Protagonist begegnet nicht nur den anderen sondern auch seinen Ängsten: Etwa Hufschmidt seinen Eltern, die, auf ihn herabschimpfen und ihn noch mit ihren Entwertungen verunsichern.
Kritik. Ein heiterer Abend, der mit konzentriertem Spiel und intensiven Schauspielern schon im Wiener Theater Drachengasse ein Erfolg war. Sehr empfehlenswert.
Features
Wiederholungen
24., 26., 27., 30. 9., weitere bis 18. 10., 20 Uhr, neuebühnevillach.
Karten: Tel. 0 42 42/27 3 41








