Auch Steuermillionen retten kleine Schigebiete nicht
Wintererschließungskonzept warnt: Selbst massiver öffentlicher Mitteleinsatz verhilft regionalen Schigebieten nicht zu größerer Wertschöpfung. Über hundert Millionen Euro sind zwischen den Jahren 1996 und 2010 in die Kärntner Schigebiete geflossen.

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Wie ein massiver Kälteschock platzt der Bericht des überarbeiteten Wintererschließungskonzeptes aus dem Jahr 2004 in die Hitze des Sommers: Es sind alarmierende Zahlen einer jahrelangen Vernichtung von Steuergeld und einer fehlgesteuerten Förderpolitik ohne den gewünschten Effekt. Über hundert Millionen Euro sind zwischen den Jahren 1996 und 2010 in die Kärntner Schigebiete geflossen. Die Wertschöpfung, die daraus lukriert wurde, ist höchst unterschiedlich. Während öffentlicher Mitteleinsatz in 15 Jahren am Nassfeld von rund 19 Millionen Euro eine Wertschöpfung von 30 Millionen im Jahr 2009 generierte, konnten 7,6 Millionen Euro in der Innerkrems nur eine Wertschöpfung von 3,5 Millionen auslösen.
Auffallend ist: Wo Private professionell ans Werk gegangen sind, hat sich öffentliches Geld gelohnt. Beispielsweise auf der Gerlitzen. Dort betrugen die Förderungen in 15 Jahren 1,4 Millionen Euro, die Wertschöpfung im Jahr 2009 hingegen 12,6 Millionen. Umgekehrt auf der Petzen, die dem Land Kärnten gehört: Dort wurden 6,2 Millionen von der öffentlichen Hand gesetzt mit einem Wertschöpfungseffekt von 3,2 Millionen.
Insgesamt sind die regionalen Liftbetriebe Geldvernichtungsmaschinen: Nur 20 Prozent der Seilbahnunternehmungen kamen mit öffentlichen Finanzierungsanteilen unter 20 Prozent aus. Zwölf Seilbahn- und Liftunternehmen haben einen öffentlichen Finanzierungsanteil von über 40 Prozent ihrer Investitionen beansprucht. Der Maximalwert betrug 500 Prozent in Kötschach-Mauthen. Bei vier Betrieben gab es eine reine Abgangsdeckung. Wirtschaftsreferent Josef Martinz, der die Überarbeitung des Wintererschließungskonzeptes in Auftrag gegeben hat, hat bereits anklingen lassen, dass das Füllhorn nicht mehr so großzügig über die Lifte ausgeschüttet werden kann. "Eine reine Abgangsdeckung wird es nicht mehr geben." Auch sollen die Kapazitäten der unwirtschaftlichen Schigebiete zurückgefahren werden.
Rechnungshof rügt
Mit der tristen Lage der Seilbahnunternehmungen - binnen Kurzem sind eine Reihe von ihnen pleitegegangen, die Innerkrems ist der nächste Pleitekandidat - befasst sich auch der Landesrechnungshof. Er bemängelt, dass die Vorgaben des letzten Wintererschließungskonzeptes 2004 in keiner Weise beachtet worden sind. "Was man definitiv sagen kann, ist, dass sich die öffentlichen Fördersummen zum Vorteil der regionalen Schigebiete verändert haben. Das widerspricht eindeutig dem Wintererschließungskonzept 2004", kritisiert der Rechnungshof.
EU-Kommission prüft
Nicht nur der Landesrechnungshof hat ein Auge auf die ungehemmte Förderpolitik, auch die Europäische Kommission interessiert sich für Kärntner Förder-usancen. Aufgrund von anonymen Anzeigen prüft die Wettbewerbskommission derzeit die Zulässigkeit von gewährten Beihilfen an Seilbahn und Liftunternehmen. Angezeigt wurde, dass 254 Millionen investiert worden sind, die öffentliche Mittel von 47 Millionen beansprucht haben. Offensichtlich EU-widrig.
Features
Die Erfolgreichen
Öffentlicher Mitteleinsatz zwischen 1996 und 2010 generierte bei den Seilbahnen im Jahr 2009 folgende Wertschöpfung:
Nassfeld: 19,9 Millionen Förderung, 30,6 Millionen Wertschöpfung
Bad Kleinkirchheim: 11,2 Millionen Förderung, 24,6 Millionen Euro Wertschöpfung
Mölltaler Gletscher: 8,05 Millionen Förderung, 14,3 Millionen Euro Wertschöpfung
Katschbergbahnen: 10,9 Millionen Förderung, 13,3 Millionen Wertschöpfung
Gerlitzen: 1,4 Millionen Förderung, 12,6 Millionen Euro Wertschöpfung
Turrach: 7,2 Millionen Förderung, 7,1 Millionen Wertschöpfung
Die Verlierer
Innerkrems: 7,6 Millionen Förderung, 3,5 Millionen Wertschöpfung
Petzen: 6,2 Millionen Euro Förderung, 3,2 Millionen Wertschöpfung
Sirnitz-Hochrindl: 2,5 Millionen Euro Förderung, 1,4 Millionen Euro Wertschöpfung
Koralpe: 3,8 Millionen Euro Förderung, 1,3 Mio. Euro Wertschöpfung
Simonhöhe: 3,5 Millionen Euro Förderung, 1,3 Millionen Euro Wertschöpfung
Kötschach Mauthen: 534.000 Euro Förderung, 866.000 Wertschöpfung
Flattnitz: 4,2 Mio. Euro Förderung, 350.000 Euro Wertschöpfung











