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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2011 um 20:33 UhrKommentare

Tourengeher wollen nicht zahlen

Eine "Pistengebühr" für Tourengeher in Schigebieten sorgt wieder für Aufregung. Alpenverein fordert Mitglieder jetzt auf, nicht zu zahlen.

Foto © Fotolia (2)

Tourengeher benützen die Lifte nicht, deshalb sollen sie auch nicht zahlen", sagt Karl Selden vom Alpenverein Kärnten. "Tourengeher fahren auf unseren Pisten, also sollen sie auch einen finanziellen Beitrag leisten", entgegnet Seilbahnensprecher Wolfgang Löscher. Die Meinungen von Alpenverein und Liftbetreibern zum Thema Pistengebühr für Tourengeher stehen sich diametral gegenüber.

In drei Kärntner Schigebieten -Dreiländereck, Verditz und Gerlitzen - müssen Tourengeher seit zwei Jahren fünf Euro zahlen, wenn sie die Pisten für Aufstieg oder Abfahrt nutzen. Der Volkssport boomt, viele Anfänger wollen nicht gleich ins freie, oft gefährliche Gelände, sondern sind am Pistenrand unterwegs. Die Zahlen verdeutlichen das: Am Verditz sollen pro Saison 12.000 Tourengeher unterwegs sein.

Dem Alpenverein ist die Pistengebühr ein Dorn im Auge, die Mitglieder werden sogar aufgefordert, diese nicht zu zahlen und Anhaltungen zu ignorieren. "Liftbetreiber sind meist nur Pächter der Grundflächen, die Gebühr widerspricht dem freien Wegerecht am Berg", meint Selden, der sich auch über aggressives Liftpersonal beklagt. Löscher, Geschäftsführer am Verditz und am Dreiländereck, sieht die rechtliche Lage anders: "Pisten sind keine öffentlichen Wege." Tourengeher würden zudem die Infrastruktur in den Schigebieten in Anspruch nehmen, ein Beitrag für Erhaltung, Beschneiung und Präparierung sei nur fair. Der Alpenverein will es jetzt auf einen Musterprozess ankommen lassen, obwohl zwar "immer gedroht, aber noch nie geklagt wurde". In der Praxis zeigen sich die Tourengeher ohnehin kooperativer, meint der Liftbetreiber. "Etwa die Hälfte sieht das ein und zahlt die Gebühr anstandslos."

In einer Sache sind sich die "Kontrahenten" einig. Entscheidend ist, dass sich Tourengeher streng an die Pistenregeln halten. Selden: "Unsere Mitglieder wissen genau, dass sie nur am äußeren Pistenrand aufsteigen dürfen." Ansonsten kann es zu gefährlichen Situationen kommen, laut Löscher gebe es Beschwerden von "normalen" Schifahrern, die sich behindert fühlen. Beide Seiten sind gesprächsbereit, eine Änderung der Situation scheint derzeit unwahrscheinlich. Und: Auf die Tourengeher wartet der nächste Konflikt. Die Jägerschaft sieht den Boom mit gemischten Gefühlen.

WOLFGANG FERCHER

Audio

Antenne Wolfgang Löscher, Obmann der Seilbahnen, über Tourengeher und Gebühren

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