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Zuletzt aktualisiert: 09.01.2010 um 21:09 UhrKommentare

Mit dem Schnee auf Du und Du

Dieter Gratzl ist einer von rund 250 Kärntner Ratrackfahrern, die Nacht für Nacht die Pisten für die Wintersportler aufbereiten. Auf der Turracher Höhe legt der 43-Jährige dafür bei jeder Schicht 120 Kilometer zurück.

Dieter Gratzl ist seit mehr als 20 Jahren unfallfrei mit seinem "Monster" unterwegs

Foto © PhinoDieter Gratzl ist seit mehr als 20 Jahren unfallfrei mit seinem "Monster" unterwegs

"Everest Power" steht auf dem blaugelben und 430 PS starken Ungetüm der Marke Prinoth, das Dieter Gratzl in der Morgendämmerung die Piste auf den Kornock auf der Turracher Höhe hinauf klettern lässt. Gratzls Arbeitsplatz ist ein rund 350.000 Euro teurer Ratrack. Mit dem ratternden und piepsenden Pistengerät präpariert Gratzl Pisten, die zwischen 1600 und 2200 Metern Seehöhe liegen. Mit seinen Ketten sticht das elf Tonnen schwere Gefährt die Pisten hinauf, ohne dabei den fein präparierten Schneeteppich zu ruinieren. "Der Auftrag ist, den Schnee auf der Piste so zu verteilen, dass keine Löcher und apere Stellen entstehen", sagt Gratzl.

Nächtliche Touren

Er und seine rund 250 Kärntner Berufskollegen sind immer dann unterwegs, wenn die Wintersportler sich dem Apres-Ski hingeben. Von 16 Uhr bis 4 Uhr in der Früh dauert eine Maschinisten-Schicht in der Hochsaison. In seinem Cockpit ist Gratzl alleine mit seinem Pistengerät, dem Berg, der Witterung. Die Beweglichkeit der kraftvollen Maschine suggeriert Sicherheit. Vorsicht ist dennoch geboten. Extreme Steilstufen werden nur an der Seilwinde hängend bewältigt. "Wenn dieses Seil reißt, dann aber holla" beschreibt Gratzl ein Gefahrenmoment in seinem Job. Dieses Windenseil, am dem der elf Tonnen schwere Ratrack hängt, ist für Tourengeher nicht ungefährlich. "Es ist ein Wahnsinn, wie viele Menschen in der Nacht bei Schitouren unterwegs sind. Die ignorieren oft sämtliche Warnlichter und genießen ihre mondbeleuchteten Abfahrten. Wenn da einer in das Seil kracht, an dem der Ratrack hängt, frage nicht, wie das ausgehen kann", bittet Gratzl um mehr Verständnis bei den Bergfexen.

In bis zu zwölf Arbeitsstunden präparieren Gratzl und seine drei Kollegen auf der Turrach täglich 38 Pistenkilometer. Weil Gratzls Ratrack die Pisten in einer Breite von fünf Metern abdeckt, fährt Gratzl breite Streckenabschnitte mehrfach ab und kommt so pro Nacht auf gut 120 Präparierungskilometer. Pistengerätfahrer sind dort unterwegs, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, die Maschinisten treffen die Tiere auch! "Wir hatten vor einigen Jahren unseren Nockfuchs, der ist immer pünktlich seine Tour gegangen. Rehwild und Schneehasen laufen schon lange nicht mehr vor uns davon. Auch das Schneehuhn unterbricht im Frühjahr wegen uns seine Balz nicht", erzählt Gratzl.

Idylle pur? Keineswegs. Im Schnitt einmal pro Monat stoppt ein Patschen die gewohnte Routine. "Die Ketten laufen über Reifen, die Luft verlieren können", erklärt Gratzer. Gut, dass der Mann aus Ebene Reichenau gelernter Landmaschinenmechaniker ist. Reifenwechsel abwickeln, Gefühl für den Motor entwickeln. Hydraulikprobleme lösen oder ganz einfach verirrte Schifahrer nach Liftschluss aufklauben runden das Jobprofil des Ratrackfahrers ab.

Auch bei dichtem Nebel wird planiert. Da tasten sich die Ortskundigen von Markierung zu Markierung. Ein Glück, dass die Ratracklichter den Nebel bei Nacht (im Gegensatz zum Tagesnebel) halbwegs gut durchdringen können. "Wir sind auch beim Beschneien dabei. Wir wissen dadurch, wo viel Schnee liegt, wie er am besten verteilt wird", klärt Gratzl auf. Während Schifahrer den Schnee der Pisten von oben nach unten verfrachten, präpariert Gratzl mit "Everest Power" die Pisten von unten nach oben und von außen nach innen. "Wir schieben den Schnee von außen in die Piste. Wenn wenig Schnee liegt, kennen wir die Mulden, wo wir Schnee holen können." Am sichersten sind die Pistengeräte auf hartem Untergrund und Eis unterwegs. Die Ketten der Ratracks sind zusätzlich mit Spikes ausgerüstet. Neuschnee macht das Pilotieren des Ratracks zum gefährlichen Unterfangen. "Da musst du im steilen Gelände das Gefühl im Hintern haben und auch auf Bergabkurs Vollgas geben, damit du die Kontrolle behältst", beschreibt Gratzl die Hinterhältigkeit der Planiermaschine.

Pause im "Wohnzimmer"

Zur Mitternachtspause trifft sich Gratzl, der den Job seit 23 Jahren macht, mit seinen Kollegen Hubert Ortner, Heimo Brettner und Martin Schmölzer beim Kaffeautomaten im "Wohnzimmer", der Talstation des Kornocklifts. Da entfliehen die Männer kurz der nächtlichen Einsamkeit, um später wieder mit ihren PS-Monstern auf schneeweißen Bahnen in die Dunkelheit zu starten. Die Ratrackfahrer sind "Untergrundbereiter" der Kärntner Schisaison. Männer wie Dieter Gratzl planieren jene Schneeteppiche in Kärntens alpine Landschaft, die auch Grundlage des Wintertourismus sind.

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