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Zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 um 11:06 UhrKommentare

Stock oder nicht Stock

Immer mehr Bergsportler schwören auf Wanderstöcke. Wie viel der Stockeinsatz auf der Bergtour wirklich bringt, darüber streiten die Experten allerdings. Unser Vorschlag: Bilde dir bei den Pros und Contras dein eigenes Urteil.

Wanderstöcke können die Gelenke belasten - oder das Gleichgewichtsgefühl stören

Foto © Jens Ottoson - Fotolia.comWanderstöcke können die Gelenke belasten - oder das Gleichgewichtsgefühl stören

Damit das Wandern mit Stöcken zum Vergnügen wird, und die Bewegungsabläufe optimal unterstützt, müssen die Stöcke richtig auf den Wanderer eingestellt sein. Die leicht zu merkende Faustregel lautet: Der Ellbogen soll in jeder Situation einen 90-Grad-Winkel bilden. Ein Wanderstock sollte immer so lang sein, dass der Ellbogen bei aufgesetztem Stock ungefähr einen rechten Winkel bildet. Also wird der Teleskopstock bergauf verkürzt und bergab entsprechend verlängert. Achtung: Die Stöcke bergab nah am Körper aufsetzen – wer sie zu lang einstellt, neigt dann auch dazu, sie zu weit vorne aufzusetzen. Verstellbare Nordic-Walking-Stöcke sind übrigens wegen anderer gewünschter Effekte (Kräftigung beim Walking, Stöße abfedern beim Wandern) anders konstruiert als Wanderstöcke (z. B. Griffe) und daher auf dem Berg nicht ideal. Nicht verstellbare Stöcke (NW, Ski ...) sind zum Trekking sowieso ungeeignet.

"Gelenke sagen Danke“

Auf einer 3-Stunden-Bergtour müssen die Knie dank Wanderstöcken eine Tonne weniger Gewicht abfedern, sagen Befürworter. Schmerzende, abgenutzte Knie- und Hüftgelenke, chronische Rückenprobleme – da hieß es früher für viele oft in viel zu jungem Alter: "Schluss mit Bergtouren.“ Dass richtig eingesetzte Wanderstöcke die Stoßbelastung beim Gehen besser verteilen, leuchtet ein – und das wiederum minimiert kurzfristig Schmerzen und langfristig Schäden an den Gelenken. Laut einer deutschen Studie ersparen sich die Knie auf einer 3-Stunden- Tour bis zu einer Tonne an Gewichtsbelastung. Logisch auch: Je schwerer der Rucksack (oder wenn man vielleicht selbst ein paar Kilos zu viel mit sich herumschleppt), je schwieriger und steiler das Gelände, desto größer ist der Nutzen der stützenden Stecken.

Auch ein Plus: Bergauf kann man sich an den Stöcken hochziehen und den Beinen einen Teil des Krafteinsatzes abnehmen, wodurch man nicht so schnell ermüdet. Auch nicht schlecht: Nebenbei trainiert man bei bewusstem, kraftvollem Einsatz auch den Oberkörper! Und schließlich fühlen sich viele Stockbenützer einfach sicherer, weil sie leichter – auch auf rutschigen Stellen – das Gleichgewicht halten können.

"Man verlernt das Gehen"

Der Gleichgewichtssinn leide unter dem Stockeinsatz, und die Gelenkentlastung sei nur theoretischer Natur, meinen Gegner. Wanderstöcke verleiten ihre Benutzer oft zu wesentlich größeren Schritten und damit (weil vergrößerter Kniewinkel) wird der eigentliche gelenkschonende Effekt nicht nur aufgehoben, sondern mitunter sogar ins Gegenteil verkehrt. Auch wird gerade durch die geringere Stoßbelastung verhindert, dass sich Muskeln und Gelenkstrukturen an die Belastung anpassen. Stockgegner sagen vor allem, dass der ständige Einsatz der Stöcke den Gleichgewichtssinn stört – normales Gehen wird quasi verlernt. Daher raten zahlreiche Kritiker, Stöcke, wenn überhaupt, dann zumindest nicht permanent zu verwenden – auch nicht in steilem Gelände.

Wanderstöcke verleiten außerdem dazu, sich zu sehr auf sie zu verlassen und sich unbedacht in gefährlichen Situationen darauf zu stützen. Stattdessen, sagen die Gegner, sollte man sein Balancegefühl schulen. Ein gut geschulter Gleichgewichtssinn ist insgesamt ein besseres Sicherheitsnetz als die Unterstützung durch die Stöcke. Beanstandet wird auch: Mit falscher Technik eingesetzt, können Stöcke zu echten Stolperfallen werden.


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