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Zuletzt aktualisiert: 29.03.2012 um 12:43 UhrKommentare

Crossfit: Kurz, aber hart

Vergiss lange Trainingseinheiten - in der Kürze liegt die Würze! Mit diesem Rezept wirbelt das neue "Crossfit"-Workout weltweit die Fitness- und Ausdauersportszene durcheinander. Was ist dran an diesem beinharten Blitztraining, das vor allem für Freizeitsportler mit notorischem Zeitmangel die lang gesuchte Fitnesslösung sein könnte. Hat langweiliges Ausdauerschinden tatsächlich ausgedient?

Liegestütz & Co erinnern durchaus nicht unbeabsichtigt an militärisch angehauchte Workouts

Foto © Maridav - Fotolia.comLiegestütz & Co erinnern durchaus nicht unbeabsichtigt an militärisch angehauchte Workouts

Auch Sporteinsteiger ...

... können laut Sebastian Rieder Crossfit betreiben: Diese werden leistungsadäquat aufgebaut, das Hauptaugenmerk in den ersten Stunden gilt dem Erlernen einer sauberen Ausführung der unterschiedlichen Übungen und Techniken. private Gruppen, die sich z. B. per Facebook zum Crossfit-Training verabreden, sind ebenfalls durchaus üblich.

Die Erfolgsformel klingt einfach. "Zeit x Härte = Trainingsnutzen". Wer also wenig Zeit zum Training hat, der powert eben kurz, aber dafür möglichst intensiv – und erntet dafür mehr Erfolge als der eifrige, geduldige Trainierer, der Wert auf eine starke Grundlagenausdauer legt. Das meinen zumindest die Verfechter von Crossfit – einem Workout im Military-Style, das in den USA seinen Ursprung hat und nun auch drauf und dran ist, Europa zu erobern. Dazu sollte schon noch gesagt werden, dass der Hype um Crossfit so richtig startete, als es der US-Sportartikelgigant Reebok entdeckte und weltweit zu vermarkten begann. Nicht nur im Ursprungsland, auch in Deutschland boomt Crossfit schon kräftig – und auch in Österreich hat sich eine (noch) kleine, aber eingeschworene Fangemeinde gebildet – Tendenz stark steigend. Aber nicht missverstehen: Alles nur als geschickten Marketinggag abzutun, würde der Sache Crossfit nicht gerecht.

Schlechtes Zeugnis für lange Ausdauereinheit

Beschäftigt man sich mit den Argumenten der Crossfitter, dann fällt es schwer, sich deren Überzeugungskraft zu verschließen. Und man muss weder besonders gutgläubig, noch sportlich ahnungslos oder ein besonderer Fan des US-Lifestyles sein, um Brian McKenzie, dem Erfinder des Crossfit-Ausdauersportablegers Crossfit Endurance gebannt zu lauschen, wenn er etwa verkündet: "Wer überwiegend lange Ausdauereinheiten trainiert, schränkt seinen Körper in seiner Bewegungsvielfalt ein. Es kommt zu den typischen Haltungsfehlern – und in Folge zu Verletzungen und Problemen an Knien, Schultern oder Rücken." Oder: "Klassische Trainingsmethoden, die Ausdauereinheiten an die erste Stelle setzen und mit Kraft- und Technikelementen ergänzen, beinhalten einen Denkfehler: Mit den langen Einheiten erreicht man schnell ein Plateau, von dem dann keine Verbesserung mehr möglich ist."

Den größten Nutzen hat der Freizeitsportler

Weg von hohen Umfängen, dafür höhere und höchste Intensität – und (auch als Ausdauersportler) viel mehr Wert auf Körperstatik und Muskelkraft legen. So schlussfolgert Brian McKenzie, der im Spitzensport bereits ein Umdenken heraufdämmern sieht. "Den größten Nutzen von Crossfit hat aber der Freizeitsportler", lässt McKenzie aufhorchen. "Profis haben die Zeit, sich zu erholen und lange Trainingsdistanzen wegzustecken. Wer aber acht Stunden am Tag arbeitet und wie ein Profi trainiert, fährt sich gegen die Wand." Freilich: Auch die kurzen Crossfit- Trainingseinheiten haben ihren Preis – nämlich eimerweise Schweiß. Langhanteln, Kettlebells, Reckstange, Ringe oder LKW-Reifen sind des Crossfitters Freunde – neben den Trainingspartnern: "Die Community ist nämlich mitentscheidend dafür, dass jeder das letzte aus seinem Körper herauskitzelt", sagt Sebastian Rieder, der "Crossfit Vienna" vor mehreren Jahren schon nach Österreich brachte, mittlerweile alle österreichischen und viele europäischen Crossfit-Trainer ausbildet. Beim Crossfit gilt daher auch das "Buddy"- Prinzip: Zwei Trainingspartner helfen einander gegenseitig – und sorgen gleichzeitig dafür, dass kein Schlendrian einschleicht.

In den drei bis höchstens zwanzig Minuten langen "Workouts of the Day", dem Herzstück von Crossfit, ist für lange Läufe oder ähnliche Einheiten logischerweise kein Platz – die brauche man aber auch nicht. Sogar im Ausdauerableger Crossfit Endurance wird als oberste Priorität an der Beweglichkeit des Sportlers gearbeitet, dann an dessen Muskelkraft. Ausdauerelemente finden sich praktisch nur in Form von kurzen Intervalltrainings eingestreut. So werde man mit minimalem wöchentlichen Zeitaufwand auch für lange Rennen (wie Marathons oder Bikemarathons) fit.

Der Abschied vom therapeutischen Ansatz

Ein (Ausdauer-)Training ohne lange Einheiten, ohne peniblen Aufbau der Grundlagenausdauer, wie es die klassische Trainingslehre beschreibt – kann das wirklich funktionieren? Und kann das überhaupt gesund sein - vor allem auch für Sporteinsteiger, die angeblich ebenfalls mit dem harten Crossfit-Training beginnen können? Die Frage geben wir gleich weiter an den Sportwissenschafter Michael Mayrhofer – und der sieht Crossfit zwar zwiespältig, kann der Methode aber in mehreren Punkten durchaus eine gewisse Faszination und auch konkreten Nutzen bescheinigen:

  • Man darf und soll sich beim Sport ruhig ein bisschen plagen und quälen – auch im Freizeitsport. "Der therapeutische Ansatz, der gerade im Freizeit- und Gesundheitssport in den letzten zwei Jahrzehnten propagiert wurde, hat sich nicht wirklich als der Weisheit letzter Schluss herausgestellt. Aus Tausenden Untersuchungen weiß man mittlerweile, dass bei den beliebten zwei bis vier Stunden gemütliches Grundlagentraining nicht viel herauskommt."
  • Keine Angst vor Langhanteln und anderen freien Gewichten sowie komplexen Übungen – vorausgesetzt, man ist gut betreut. "Beim Muskeltraining haben weite Teile der Fitnessbranche die Freizeitsportler seit geraumer Zeit nur an Maschinen, die einzelne Muskelgruppen isolieren, arbeiten lassen. Die Erfolge waren dementsprechend mäßig."
  • Den Crossfit-Ansatz, unterschiedlichste Trainingselemente in ein Workout einzubauen und den Körper so vielseitig wie möglich zu belasten, kann Mayrhofer ebenfalls nur begrüßen.
  • Auch die Trainingswissenschaft muss sich selbst die kritische Frage stellen, ob man es mit dem strengen Orientieren an Pulsfrequenzen und Laktatwerten im Spitzen- genauso wie im Hobbysport nicht übertrieben hat. Crossfitter pfeifen, salopp gesagt, einfach auf diese Kontrolle: "Volle Pulle macht stark" – so lässt sich die simple Crossfit-Botschaft übersetzen.

Insgesamt sieht Michael Mayrhofer die Zeit reif für eine Trendwende, auch im Freizeitsport: "Die Trainingslehre, die jetzt in den meisten Büchern kursiert, ist in ihrer Basis 20 Jahre alt. Der Trend geht im Fitnesssport auch seit einiger Zeit wieder in Richtung eines effizienteren, sprich schweißtreibenderen Trainings."


Grundlagen

Crossfit-Workouts vereinen Elemente aus athletischem Training, Gewichtheben, Turnen sowie militärischem Training und sind kurz, aber extrem hart. Um die drei- bis 20-minütigen "Workouts of the Day" (WOD) zu schaffen, sind gewissenhaftes Warm Up und Cool Down Pflicht. Mit Auf- und Abwärmen dauert eine Einheit 45 Minuten bis eine Stunde.

Crossfit Endurance

... ist ein auf Crossfit basierendes Training für Ausdauersportler, vom US-Trainer Brian McKenzie entwickelt. Ees wird ebenfalls in den Crossfit-Boxen als Alternative angeboten.

In Österreich

... gibt es derzeit zwar erst zwei offizielle Crossfit- Boxen (beide in Wien), aber einige Ableger in den Bundesländern, die ähnliche Trainingskonzepte anbieten. Sebastian Rieder brachte das Crossfit-Training nach Österreich und betreibt Crossfit Vienna in der Wiener Josefstädterstraße (Monatsbeitrag ab € 99,-)

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