"Es gibt für alle eine Fülle von Vorschriften"
Die Klagenfurter Polizei startet mit Kooperationspartnern eine Radsicherheitskampagne. Für Radfahrer, die sich nicht an die Regeln halten, kann es teuer werden.

Foto © APARadfahrer in der Stadt - das birgt Konfliktpotenzial
Schönes Wetter und angenehme Temperaturen locken derzeit viele Radfahrer auf die heimischen Straßen. Gerade in Städten und Ballungszentren kommt es durch das vermehrte Aufkommen verschiedener Verkehrsteilnehmer immer häufiger zu Konflikten. Unfälle stehen auf der Tagesordnung. In Klagenfurt startet die Polizei nun ein gemeinsames Projekt mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) und den beiden Autofahrerklubs Arbö und Öamtc.
Nachgeben und Rücksicht nehmen. Thomas Jank, der Leiter des Arbö Kärnten, berichtet: "Kritisch ist die Situation mit Radfahrern nur in den großen Städten wie Klagenfurt, Villach, Spittal und Wolfsberg." Die Klagenfurter Sicherheitskampagne soll nun Abhilfe schaffen und auf das Gefahrenpotenzial im Straßenverkehr hinweisen. Thomas Jank: "Es gibt für alle Verkehrsteilnehmer eine Fülle von Vorschriften, da kann kaum jemand wirklich alle genau kennen. Wichtig ist, auch einmal nachgeben zu können und Rücksicht zu nehmen." Ins selbe Horn stößt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ): "Es geht um das Miteinander. Das Verständnis für andere ist vor allem bei den Verkehrsteilnehmern groß, die selbst verschiedene Transportmittel nutzen. Die können sich besser in die Situation des anderen hineinfühlen."
Kein Polizeischwerpunkt. Die Kärntner Landespolizei will sich beim Thema Radfahrer vorerst zurückhalten. Major Herwig Zimmermann erklärt: "Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf den motorisierten einspurigen Fahrzeugen. Die Stadtpolizeikommanden arbeiten eigene Projekte für Radfahrer aus." Verschärfte Kontrollen wird es in nächster Zeit nicht geben, aber Zimmermann betont: "Wenn sich jemand auffällig benimmt, schaut die Polizei schon genauer hin".
Strafenkatalog.
Fehlende Ausrüstung und falsches Verhalten können durchaus teuer werden. So werden in Kärnten für jedes fehlende Teil am Rad 25 Euro kassiert. Das Einfahren in eine Kreuzung bei einer roten Ampel kostet 36 Euro. Ab einem Promillewert von 0,8 sollte man sich genau überlegen, das Fahrrad zu benutzen, denn ab diesem Wert gelten auch Radler als verkehrsuntüchtig. Je mehr Alkohol im Blut zu finden ist, desto höher wird die Strafe. Die kann jenseits der 5000 Euro liegen und sogar den Führerschein kosten.
Unfallzahlen bleiben gleich. Trotzdem: "Radfahren boomt. Immer mehr Menschen nutzen das Rad für den Weg zur Arbeit oder um alltägliche Besorgungen zu erledigen. Obwohl immer mehr Fahrräder unterwegs sind, gibt es glücklicherweise nicht mehr Unfälle", schildert VCÖ-Mann Christian Gratzer die österreichweite Situation. Auch in Kärnten bleibt die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fahrrad-Beteiligung ungefähr gleich. 2006 wurden 471 Unfälle mit 467 Verletzten gemeldet, 2008 waren es 478 Unfälle mit 483 Verletzten. Während 2006 noch drei Radfahrer in Kärnten ums Leben gekommen sind, war es 2008 nur noch einer.
Features
Gehsteig
Gehsteige sind für Radfahrer absolut tabu.
Fußgängerzone
Sofern keine Zusatztafel angebracht ist, müssen Radfahrer in einer Fußgängerzone absteigen und schieben.
Zebrastreifen 1
Zebrastreifen dürfen Radfahrer nur überqueren, wenn Sie ihr Rad schieben oder es im Schritt-Tempo bewegen.
Zebrastreifen 2
Will ein Fußgänger einen Zebrastreifen überqueren, hat der Radfahrer anzuhalten.
Kolonne
Radfahrer dürfen sich bei stehenden Kolonnen durch- bzw. vorbeischlängeln. Vorraussetzung ist aber, dass genug Platz vorhanden ist, um keine parkenden Autos zu beschädigen.
Straßenverkehrsordnung
Die Straßenverkehrsordnung macht grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Rad- und Autofahrern. Die Schuldfrage bei Unfällen ist deshalb häufig schwer zu klären.





