Mein erstes Mal
Einmal muss es doch sein. Raus aus der Ruhe des joggenden Für-sich-Alleinseins und rein ins turbulente Treiben und Getriebenwerden eines Laufevents. Ein Leitfaden zur gelungenen Startnummernpremiere.

Foto © AP
Mein Herr Franz vom Eckhaus vorn,
der erzählt ständig Gschichtl'n
von New York, von London, von
Wüstenläufen in Afrika oder auch nur von
nebenan, von Peuerbach und Neuhofen
oder so. Jeden Montag gibt's die News
brandaktuell über den Gartenzaun.
Irgendwann, das ist klar, muss ich das
auch probieren. Aber wie, wann, wo?
Gute Wahl. Das Um und Auf eines gelungenen
ersten Mals ist – wie bei anderen netten
Dingen auch – eine gute Wahl. Ein "Erlebnislauf"
durchs Industrieviertel ist ebenso
wenig dazu angetan nach mehr zu verlangen
wie eine ewig verzögerte Siegerehrung
in der verpflegungsfreien Tiefgarage.
Das Verlangen nach mehr setzt eine Wohlfühlpremiere
voraus.
Die erste Entscheidung sollte allerdings
nicht die Veranstaltung selbst betreffen,
sondern sollten Überlegungen zu anderen
wichtigen Kriterien sein.
Die Streckenlänge. Länger ist nicht gleich
besser. Schon ein Halbmarathon ist für
den Einstieg zu lang. Zwischen 3 und 10
Kilometer, je nach Trainingszustand, sollten
gewählt werden. Nicht, dass du längere
Distanzen nicht vielleicht doch schaffen
würdest, aber je länger die Strecke, desto
mehr Erfahrung setzt eine gelungene Umsetzung
voraus. Das Ziel ist – außer dem
Erreichen desselben – eine gleichmäßige
Tempogestaltung. Das heißt, dass man
den letzten Teil nicht völlig erschöpft laufen
sollte. Erstens ist das eine Qual und zweitens besonders ungesund, da die extrem
ermüdete Muskulatur nicht mehr imstande
ist, die Stöße der Schritte abzufangen
und zu dämpfen. Und drittens ist die beste
persönlich erreichbare Zeit auch nur möglich,
wenn man nicht zu schnell beginnt, also
ein Tempo wählt, das man auch durchbringen
kann.
Die Veranstaltung. Vielleicht gibt es schon
ein anvisiertes Rennen, auf das deine Streckenlängenentscheidung
passt. Wunderbar.
Wenn nicht, dann einfach fragen! Kollegen,
andere Hobbyläufer. Am besten
aber, du machst dich im Internet schlau:
Auf www.toptimes.at findest du den kompletten
österreichischen Laufkalender –
vom kleinen Dorfl auf bis zum Megamarathon.
Bei deiner Wahl ist dann noch zu
berücksichtigen, ob du dich beim kleinen
Dorfl auf – bejubelt und angefeuert durch
die halbe Ortschaft – wohler fühlst oder ob
dir die relative Anonymität eines großen
Rennens mehr behagt. Fürs erste Testrennen
sollte jedenfalls keine zu lange Anfahrt
notwendig sein.
Die Anmeldung. Das Rennen ist ausgesucht
– wie geht's weiter? Entweder man lässt
sich eine Ausschreibung schicken oder
man sucht auf der Internetseite der Veranstalter
nach einer solchen. Darin findet
man alle nötigen Details für Planung und
Ablauf. Wichtig: Viele Veranstalter bieten
Rabatte für frühes Anmelden, andererseits
gibt es Meldeschlusstermine, manchmal
ohne Nachmeldemöglichkeit. Den Rest
der Ausschreibung solltest du zumindest ein paar Tage vor dem Rennen nochmals
genau studieren.
Die Vorbereitung. Wer plant, nicht nur im
Alltagstempo mitzujoggen, wer etwas
näher an seine Grenzen laufen möchte,
sollte Körper und Geist auch auf dieses
Ziel einstimmen. Ein paar, zumindest aber
zwei oder drei flottere Trainingseinheiten
sollten in den letzten Wochen vorm Rennen
eingeplant werden. Das kann eine
Intervalltrainingsform sein oder ein Tempolauf.
Aber Vorsicht, das Tempo nicht schneller
ansetzen als das, welches später im
Rennen über die volle Distanz gelaufen
wird. Da man als Rennneuling sein Tempo
nur schwer prognostizieren kann, hilft es,
sich auch bei den kürzeren Trainingsdistanzen
die ganze Renndistanz vorzustellen.
Für "Profis": Wer einen nicht allzu weit
zurückliegenden Laktattest vorweisen
kann: Bis zur individuellen Schwelle, also
etwa 3 mmol Laktat, kann in den schnellen
Trainingseinheiten gelaufen werden.
Die letzte "schnelle" sollte allerspätestens
vier Tage vor dem Rennen passiert sein.
Features
Der Countdown
Material-Checkliste
- Leichte Laufschuhe, eingelaufen
- Sportsocken, nicht frisch gewaschen
- Funktions-T- Shirt (kurz und/oder lang)
- Funktionshose (kurz und/oder lang)
- Geld für Chipmiete (ca. 25 €)
- Ausschreibung
- Sicherheitsnadeln (4 Stück)
- Klopapier
- Überbekleidung zum Aufwärmen: (Sweatshirt, (Regen-)Jacke, Überhose)
Fürs Rennen selbst:
- Startnummer
- Chip
- Wechselkleidung
- ev. Kleidersack, Bons






