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Zuletzt aktualisiert: 11.11.2008 um 10:15 UhrKommentare

Die staubige Gefahr

Nichts beschäftigt Gesundheitsapostel im Herbst so sehr wie das Schlagwort Feinstaub! Was bedeutet das für Sportler?

Laufen in der "Grünen Lunge" ist gesund!

Foto © APALaufen in der "Grünen Lunge" ist gesund!

Spätestens, wenn die Heizperiode beginnt, wird das Thema Feinstaub in den österreichischen Städten wieder ein unbeliebter "Renner" sein. Da stellt sich für uns Sportler ganz zwangsläufig die Frage, ob es eigentlich noch gesund ist, durch die Städte zu joggen, zu radeln oder auf andere Weise tief durchzuschnaufen. Schließlich hat sich da im Hinterkopf festgesetzt, was Wissenschafter der Northwestern University von Chicago vor etwa einem Jahr in Tierversuchen feststellten: dass Feinstaub die Neigung der Blutplättchen zum Verklumpen drastisch erhöht, was Thrombosen und letztlich sogar Herzinfarkte verursachen kann.

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Foto © APA

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Größere Gefahr für Sportler? Als Nebenaspekt gingen die US-Wissenschafter auch auf das Thema Sport in Städten ein – weil bei sportlicher Betätigung die Lungen wesentlich stärker mit (feinstaubbelasteter) Luft gefüllt würden. Konkret: Beim Stillsitzen gelangten in der Minute fünf bis sechs Liter Luft in die Lunge, beim Laufen dagegen 20 bis 25 Liter. Also über den Daumen gepeilt atmen wir beim Sporteln bis zu fünfmal mehr Gift ein als in Ruhe. Ob die daraus resultierenden Gefahren den bekannten Nutzen von Sport für die Vermeidung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Teil oder zur Gänze zunichte machen oder letztlich sogar übersteigen würden, darauf wollten sich die Experten aber nicht festlegen. "Das müssen weitergehende Studien zeigen", heißt es da kryptisch.

Schlagzeilen. Überlegungen, dass Sport in der Stadt mehr schadet als nützt, wurden daraus aber allemal abgeleitet. Und in manchen Medien plakativ, zum Beispiel unter dem Titel "Ist Sport doch Mord?", verbreitet. Bevor sich jetzt allgemeine Verzweiflung breitmacht: Dr. Stefan Scheidl ist Oberarzt der Abteilung für Lungenkrankheiten der Medizinischen Universität Graz und er ist nach Feierabend selbst regelmäßig auf den Grazer Laufmeilen anzutreffen. Für Scheidl sind solche Schlagzeilen jedenfalls ein absoluter Unfug: "Ohne die Sache verharmlosen zu wollen – aber wer läuft oder radelt üblicherweise schon dreimal die Woche an einer Durchzugsstraße oder neben der Autobahn? Wenn man die Sache mit ein bisschen gesundem Menschenverstand angeht, dann steht für mich der gesundheitsfördernde Aspekt von Sport – auch in der Stadt – eindeutig außer Streit."

Um die ganze Problemtik einfach zu veranschaulichen, beantwortet der Experte für die toptimes-Leser die wichtigsten Fragen zum Thema "Feinstaub".

Frage 1: Warum wirkt Feinstaub gesundheitsgefährdend?

Die eingeatmete Luft ist nie völlig sauber. Grobe Partikel werden durch die Nase gefiltert, mittelgroße Staubpartikel durch die Bronchialschleimhaut und deren Flimmerhaare zurückgehalten. Je kleiner die eingeatmeten Schadstoffe, desto tiefer dringen sie in die Lunge ein. Während PM-10-Teilchen (siehe Info "Das ist Feinstaub") noch in den tieferen Lungenabschnitten hängen bleiben, gelangen PM 2,5-Teilchen sogar weiter in die Blutbahn und damit in andere Organe. Es wird davon ausgegangen, dass diese Teilchen die Thromboseneigung erhöhen und damit Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen können. Vor allem von Rußteilchen (wie sie sich in ungefilterten Dieselabgasen befinden) wird auch angenommen, dass sie bei der Entstehung von Lungenkrebs mit beteiligt sind. Daneben kann Feinstaub die Atemwege reizen und Erkrankungen der Bronchien (z. B. Asthma und COPD) fördern.

Frage 2: Was sagen Studien über die allgemeine Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub in Städten?

Die sogenannte "Nashville-Studie" von 1994 bzw. 1997 bestätigt einen direkten Zusammenhang zwischen Feinstaubgehalt der Luft und der Sterblichkeits- bzw. Erkrankungsziffer der Bevölkerung. Eine weitere, über einen Zeitraum von 16 Jahren angelegte Studie zeigt, dass das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, mit jedem 10 ?m/Kubikmeter Luft um mehrere Prozent ansteigt. Und die europäische "Aphea II"-Studie fand heraus, dass eine Zunahme der PM-10-Konzentration in der Atemluft um 10 ?m/Kubikmeter-Luft die Sterblichkeit um 0,5 Prozent steigert. Generell gilt als erwiesen, dass die Gefährdung durch Feinstaub mit der Konzentration stetig steigt – es gibt keine Grenze, unter der "Entwarnung" gegeben werden kann. Andererseits ist ein gewisser Anteil an verschiedenen Partikeln auch ein natürlicher Bestandteil der Luft.

Was auch erwiesen ist: Je länger und öfter man sich in belasteten Gebieten aufhält, desto höher die Gefährdung. Aber es gibt nicht nur "bad news": Einige dieser Studien, die über einen langen Beobachtungszeitraum gehen, zeigen gleichzeitig, dass die Schadstoffbelastung in den westlichen Ländern in den letzten 20 Jahren tendenziell abgenommen hat.

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Was ist Feinstaub?

Unter Feinstaub versteht man ein Gemisch aus winzigen, teils festen, teils flüssigen oder gasförmigen Teilchen, die kleiner als 10 Tausendstelmillimeter sind. Die Konzentration dieser Teilchen wird üblicherweise in "PM 10" angegeben.

Fakten

In den letzten Jahren gelangte die Wissenschaft zunehmend zur Erkenntnis, dass die größte Gefahr von Teilchen ausgehen, die kleiner als "PM 2,5" sind.

Fakten

Feinstaub ist keine einheitliche Substanz, sondern ein Gemisch aus verschiedensten Komponenten – wie Ruß, Schwermetallen, organischen Stoffen oder Dioxinen.

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