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Zuletzt aktualisiert: 06.04.2007 um 12:28 Uhr

Guter und schlechter Stress - der Experte weiß Rat!

Dr. Jörg Pavek beantwortet 35 Fragen zum Thema Stress.

Foto © APA

1. Gibt es eigentlich den guten Stress, der beflügelt?
JA !!! Den so genannten Eustress. Wenn die Anforderung/Situation als Herausforderung erlebt wird, der man sich gern stellt und sich für kompetent genug hält, die Situation zu meistern. Man denkt, dass man wahrscheinlich erfolgreich sein wird.

2. Ab wann wirkt sich Stress negativ auf den Körper aus?
Sobald die Anforderung/Situation als unangenehm, belastend oder überfordernd angesehen wird, man möchte sie gern umgehen. Man glaubt, die Aufgabe nicht erfolgreich meistern zu können. Man fühlt sich als Opfer dieser Situation - quasi hilflos.

3. Bei welchen Alarmzeichen ist die Notbremse zu ziehen?
Ich bin müde
Ich fühle mich niedergeschlagen
Ich bin körperlich erschöpft
Ich bin emotional erschöpft
Ich bin "erledigt"
Ich bin "ausgebrannt"
Ich bin unglücklich
Ich fühle mich abgearbeitet
Ich fühle mich wertlos
Ich fühle mich gefangen
Ich bin überdrüssig
Ich bin bekümmert
Ich bin über andere verärgert oder enttäuscht
Ich fühle mich schwach
Ich fühle mich hoffnungslos
Ich fühle mich zurückgewiesen
Ich habe Angst

4. Was ist eigentlich Stress?
Stress ist 1. die Bezeichnung für eine spezifische durch äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Körperreaktion von Tieren und Menschen, die zur Bewältigung besonders gesteigerter Anforderungen befähigt, und 2. die durch diese Faktoren ausgeübte körperliche oder geistige Belastung.

5. Macht es uns krank, wenn wir einmal mit dem Partner streiten oder einmal zu spät zu einem Termin kommen?
Gewiss nicht, denn vielmehr ist es die Anhäufung solcher Stressoren. Der Körper steht dauerhaft in Alarmbereitschaft und schüttet seine Stresshormone aus. Auch nach Feierabend sind wir innerlich noch aufgedreht, reizbar und lustlos. Dauerstress führt zu Burn-Out und Depression, erhöht die Infektanfälligkeit und stellt einen der hauptsächlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen dar. Wie eine schwedische Forschergruppe an mehr als 13000 Menschen zeigen konnte, führt chronischer psychischer Stress zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, auch unabhängig von anderen Risikofaktoren wie hohem Blutdruck und Veranlagung (Ohlin B, Nilsson PM, Nilsson JA, Berglund G

6. Lässt sich Stress eigentlich messen?
Die zunehmende Belastung am Arbeitsplatz verursacht bei vielen Arbeitnehmern Stress und eine gestörte Erholungsfähigkeit. Die kostenintensiven Konsequenzen für den Arbeitgeber sind vermehrte Krankenstände und Arbeitsunfälle. Am Institut werden nichtinvasive Diagnoseverfahren speziell für den betrieblichen Kontext entwickelt und im Rahmen von Betriebsdiagnosen und -beratungen in der Praxis angewandt. Wichtige Arbeitsschwerpunkte dabei sind die Stressmessung direkt am Arbeitsplatz, die Erstellung von Interventionsprogrammen sowie die Motivation der Teilnehmer durch anschauliche Darstellung des eigenen Gesundheitszustands. In der Praxis gibt es unterschiedliche Systeme, die Herzfrequenzvariabilität (HRV) messen können. Beispielsweise gibt es für Sportler Pulsuhren, die die aktuelle Stressbelastung mit berücksichtigen.

7. Leistet der Körper Widerstand gegen den Stress?
Ja, siehe Symptome (wie etwa Müdigkeit, Erschöpftheit, Angst, innerer Rückzug).

8. Zu welchen Krankheiten kann dauerhafter Stress führen?
Stress wirkt sich auf die Psyche genauso aus wie auf die Befindlichkeit des Körpers. Es kommt zu einer erhöhten Konzentration von Adrenalin oder Noradrenalin im Blut, was langfristig Schäden an den Blutgefäßen nach sich zieht. In diesem Zusammenhang ist die Niere besonders betroffen. Anhaltender Stress beeinflusst die Länge der Chromosomenenden (Telomere) negativ, was wiederum zu einer beschleunigten Alterung von Körperzellen führt. Dies könnte eine Ursache dafür sein, warum Menschen mit Stress anfälliger sind für Erkrankungen z.B. des Herz-Kreislaufsystems oder auch des Immunsystems. Die oben aufgezählten Formen des schädlichen, krankmachenden Stresses werden Disstress (Allgemeines Adaptationssyndrom, AAS) genannt mit der Bedeutung von Sorge, Kummer, Bedrängnis..

9. Gibt es eine typische Stress-Symptomatik?
Ja. Diese Alarmsignale waren entwicklungsgeschichtlich betrachtet überlebensnotwendig, denn nur so konnte der Mensch in Notsituationen seine vollständigen Reserven mobilisieren. Das Gefühl, gestresst zu sein, hat sicher jeder schon einmal erlebt: Wir setzen uns am Vormittag ausgeschlafen und entspannt in den Wagen, um vor wichtigen Kunden ein Konzept zu präsentieren. Die Gewissheit, gut in der Zeit zu liegen, lässt uns entspannt fahren. Ein plötzlich einsetzender Schneefall macht die Straßen nahezu unbefahrbar und ein kilometerlanger Stau lässt uns permanent gegen die Uhr fahren. Uns fällt dann ein, dass wir äußerst wichtige Dokumente vergessen haben. "Was soll ich nun machen? Was ist, wenn ich zu spät komme?". Sofort steigen Herzfrequenz und Blutdruck an und wir beginnen zu schwitzen. Das Zwischenhirn veranlasst unwillkürlich die Ausschüttung von Stresshormonen und unser vegetatives Nervensystem schaltet die inneren Organe auf Belastung.

10. Beginnt Stress im Kopf?
Natürlich. In der Stresssituation veranlasst das Zwischenhirn unwillkürlich die Ausschüttung von Stresshormonen und unser vegetatives Nervensystem schaltet die inneren Organe auf Belastung.


Fakten

Dr. Jörg Pavek, ist Allgemeinmediziner und Internist sowie Spezialist zum Thema Burnout-Syndrom in Weiz.

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