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Zuletzt aktualisiert: 12.02.2007 um 15:13 Uhr

Wenn der gesamte Körper schmerzt

Patienten, die an Fibromyalgie leiden, sind weder neurotisch, noch bilden sie sich ihre Krankheit ein. Das Problem bei dieser Art von Weichteilrheuma: Die verwirrende Vielfalt der Beschwerden.

Wenn der Körper grundlos schmerzt

Foto © APAWenn der Körper grundlos schmerzt

Die Patienten leiden immer wieder an Muskel- und Sehnenschmerzen, sind aber angeblich kerngesund. Sie konsultieren laufend verschiedene Ärzte und werden oft als Hypochonder angesehen.

Fibromyalgie. Wer an Fibromyalgie (nicht entzündliche, weichteilrheumatische Erkrankung) leidet, kommt häufig an Fehldiagnosen nicht vorbei. Zu vielfältig und verwirrend sind die Beschwerden. "Es tritt eine Mischung aus einer Unzahl von Symptomen auf, die ohne jede Systematik zu sein scheint", erklärt Winfried Graninger, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie am LKH Graz.

Vegetative Beschwerden. Zu den massiven Schmerzen der Muskeln und Sehenansätze am ganzen Körper gesellen sich zahlreiche vegetative Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Depressionen, Verdauungsprobleme, Reizblase, Taubheitsgefühle, Zittern an den Händen, Atembeschwerden usw.

Subjektive Empfindung. Das Problem bei der Diagnose bringt Dietmar Geissler, Leiter der Ersten Medizinischen Abteilung im LKH Klagenfurt, auf den Punkt: "Es gibt keine typischen Labor- oder Röntgenbefunde, die eine Fibromyalgie beweisen." Die subjektive Empfindung der Patienten gebe über die Krankheit Aufschluss. Und die so genannten "Tender-Points" (siehe Grafik rechts). Das sind Punkte bzw. Stellen am Körper (Muskel-Sehnen-Übergänge, Nervenaustrittsstellen), die empfindlich auf Druck reagieren.

Kombinierte Therapie. An Fibromyalgie leiden zu 90 Prozent Frauen. Meist im mittleren Alter. Die Krankheit verläuft chronisch über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Geissler: "Trotz der hohen Dauer gibt es jedoch keine Spätschäden an Organen oder Gelenken. Auch Besserungen sind möglich."

Ausgleich im Gesamtenergiehaushalt. Eine Linderung der Erkrankung kann laut Experten nur eine Therapie sein, die aus verschiedenen Ansätzen kombiniert wird. Graninger empfiehlt Patienten physikalische Anwendungen (Wärmeanwendungen mit Packungen, Massagen), Bewegung (Schwimmen), psychosomatische Therapie und Gruppentherapie. "Wissenschaftlich bewiesen ist auch, dass Akupunktur hilft." Im Sinne der Ganzheitsmedizin wird ein Ausgleich im Gesamtenergiehaushalt des Körpers und damit eine Schmerzlinderung bewirkt.

Antidepressiva. Ärzte verschreiben den Betroffenen häufig Antidepressiva, damit sich die Schmerzschwelle verändert und der Schmerz subjektiv nicht mehr so intensiv wahrgenommen wird. Medikamentöse Schmerzmittel werden ausschließlich bei akuten Schüben der Krankheit eingesetzt. Die Experten sind sich einig, "dass die Ärzte die Patienten auf jeden Fall ernst nehmen müssen."

Silvia Maderbacher

Foto

Foto © kk

Bild vergrößernGrafik: Die Druckpunkte (Bild vergrößern!)Foto © kk

Muskelschmerzen

Schmerzen in den Muskeln sind nicht ungewöhnlich, denkt man zum Beispiel an Muskelkater. Bei der Fibromyalgie schmerzen jedoch viele Muskeln: immer und scheinbar ohne Grund.

Reizschwelle

Fibromyalgie-Patienten sind nicht nur schmerzempfindlich, sie leiden auch unter einer Überempfindlichkeit aller Sinnesorgane. Sie sind besonders sensibel gegenüber Licht, Lärm, Geruch, Geschmack und Berührungen.

Seelenschmerz

Es gibt Ärzte, die den Begriff "Fibromyalgie" ablehnen. Sie sprechen dann von einer "somatoformen Störung". Damit ist das gleiche Krankheitsbild gemeint, allerdings werden als Ursache nicht nur körperliche, sondern vor allem seelische Prozesse angesehen.





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