G'scheite Wege
Themenwege sind lehrreich, wollen zum Nachdenken anregen oder vermitteln einfach Spaß. Wir gehen dem Boom der "G'scheiten Wege" auf den Grund – und haben aus Hunderten Angeboten 40 Exemplare herausgesucht.

Foto © Fotolia.com/Amir KaljikovicWandern mit Futter fürs Hirn und für die Seele
Neu ist die Idee, einen Weg mit Information aufzurüsten und den Wanderern unterwegs Futter fürs Hirn (oder einfach Unterhaltung) zu bieten, keineswegs. Schließlich gab es schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts "Lehrpfade". Neu ist aber die Intensität, mit der vor allem die Touristiker diese sogenannten "Themenwanderwege" bewerben. Und laut Günther Steininger, Wanderexperte bei Steiermark Tourismus, ist das so, "weil sich die Qualität der Themenwege und Erlebnispfade in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Ein paar in die Landschaft gestellte Schautafeln reichen heute nicht mehr aus, der Anspruch der Wanderer und Urlaubsgäste ist längst ein anderer. Wem es allerdings gelingt, ein Thema originell, mit Geist und Witz aufzuarbeiten, der kann mit großem Zuspruch von Gästen rechnen."
Was "Qualität" allerdings in diesem Zusammenhang ganz genau bedeutet, da gibt es doch erhebliche Auffassungsunterschiede. Für Tourismusprofi Steininger kommt es jedenfalls nicht auf den betriebenen Aufwand an, ob ein Themenweg bei der Masse ankommt oder nicht. Obwohl dieser Aufwand oft beträchtlich ist: Investitionsvolumen im sechsstelligen Bereich sind keine Seltenheit. Bei Projekten dieser Größenordnung sind in der Regel der Tourismus und die regionale Wirtschaft mit an Bord, um solche Summen aufzustellen – und dazu gibt's oft auch Förderungen von Land, Bund und sogar EU. Umgesetzt wird ein Projekt dann meist von einem örtlichen Verein oder Verband, der den Weg später auch erhält. Aber noch einmal: "Entscheidend ist", sagt Günther Steininger "oftmals gar nicht so sehr der finanzielle Aufwand. Das Thema, das gespielt wird, muss einfach in die jeweilige Landschaft passen. Bestes Beispiel: Künstliche Erlebniswelten, die mit der Region nichts zu tun hatten, wurden in der Vergangenheit zwar teilweise versucht, aber waren nicht erfolgreich."
Von der Natur bis zur Kultur
Deshalb werden nach wie vor klassische Themen wie "Natur", "Umwelt" oder "Geologie" gern für die Themenwege gewählt; im Zunehmen begriffen ist das auch das Eingliedern von Kunst und Kultur in den Naturraum. Und vielfach wird natürlich auch danach gestrebt, speziell den Familien Abwechslung am Wegesrand zu bieten, damit den Kindern das Marschieren schmackhaft zu machen. Ebenfalls am Puls der Zeit: "Im Unterschied zu früher darf und soll man sich heute auch aktiv einbringen – das erwarten die Menschen sogar." Simple Schautafeln mit Informationstexten allein reichen da nur mehr für verhaltenen Applaus – geworben wird oft mit den Schlagworten "Erlebnisstation", "interaktiv" oder "Mit allen Sinnen erlebbar". Ein derzeit beliebtes Beispiel sind "Barfußwege" zum Erspüren unterschiedlicher Untergründe.
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