Wie der Radlerpo auch längere Ausritte unbeschadet übersteht
Die Vorfreude auf die lange Radtour - möglicherweise sogar über mehrere Tage - ist riesengroß. Die Enttäuschung nach den ersten gefahrenen Kilometern ist es dann leider auch ... Was tun, wenn das Dreigespann Sattel-Hose-Hinterteil Reibereien macht?

Foto © Lassedesignen - Fotolia.comDie Radlerhose ist die entscheidende Schnittstelle zwischen Sattel und Sitzfleisch
Für viele Hobbyradler wird der Traum vom Radurlaub blitzartig zum schmerzlichen Alptraum – ein permanent brennendes Hinterteil lässt nun mal keinerlei Lustgefühl am Erlebnis Radfahren aufkommen. Und neidvoll, aber vor allem ungläubig blicken die Gepeinigten dann auf die Radsportler, die tagtäglich 150 und mehr Kilometer scheinbar schmerzfrei auf ihren daumenbreiten Sitzbretteln dahinreiten.
Radexperte Paco Wrolich, der selbst viele Jahre im Profizirkus radelte, weiß aber, dass da kein Geheimnis und kein Zaubertrick dahintersteckt – "es geht lediglich darum, dass die drei Komponenten Sattel, Gesäß und Hose optimal und im wahrsten Sinn reibungslos funktionieren." Die folgenden Ratschläge sollten dabei gute Dienste leisten.
Der Sattel
Auch der allerbeste und teuerste Sattel wird nichts nützen, wenn das Gesamtpaket Fahrrad nicht passt. Soll heißen: Grundvoraussetzung für ein schmerzfreies Sitzen ist eine ergonomisch passende Sitzposition auf dem Rad. "Und diese richtige Position", sagt Paco Wrolich, "kann nur gegeben sein, wenn die entscheidenden Kriterien wie Sattelhöhe, Sattelstellung usw. auch wirklich optimal auf den Körper abgestimmt sind." Ist das Rad angepasst, kann man sich um die Wahl des richtigen Sattels kümmern – und dazu beantworten wir gleich die zwei wichtigsten Fragen:
Welche Breite soll der Sattel haben?
"Es ist ein Irrglaube, dass man auf einem breiten Sattel bequemer sitzt", erklärt Paco und verweist auf die extrem schmalen Sättel der Profis. Entscheidend für guten Sitzkomfort ist einzig und allein, dass deine "Sitzbeinhöcker" (die beiden Auswölbungen des Beckenknochens) exakt auf den Sattelpolstern aufliegen. Damit das individuell passt, wird idealerweise beim Kauf eines Sattels der Abstand deiner Sitzhöcker vermessen – und danach die passende Sattelbreite ausgewählt.
Hart oder weich - was ist besser?
"Ein weicher Sattel mag ja bei kurzen Stadtfahrten gemütlich sein – für lange Radtouren sind sie untauglich." Die logische Erklärung: Ist die Polsterung zu weich, sinken die Sitzknochen zu tief ab – und das ganze Gewicht lastet bald auf den empfindlichen Weichteilen. Zudem sind Sättel mit dicker und breiter Polsterung häufig auch die Ursache für schmerzhafte Scheuerungen an den Oberschenkel-Innenseiten. Pacos Tipp: "Vor der Auswahl unbedingt mehrere Sattelmodelle auf längeren Fahrten ausprobieren. So findest du am sichersten das Modell, das dir passt – und bei dem du dann wahrscheinlich auch ein Radlerleben lang bleibst."
Features
Die richtige Einstellung
Sattelhöhe
Die meisten haben ihre Sättel
zu tief eingestellt, weil sie sich
sicherer fühlen, wenn sie mit den
Beinen leicht den Boden erreichen.
Ist aber der Sattel zu niedrig, ermüden
die Beine schneller – und damit
drückt wiederum mehr Körpergewicht
auf Sattel bzw. Gesäß.
So passt die Höhe: Setz dich in den
Sattel und stell eine Kurbel ganz
nach unten. Wenn du nun deine Ferse
auf das Pedal stellst, sollte das Bein
praktisch ganz durchgestreckt sein.
Sattelneigung
Der Sattel sollte nie nach vorn oder
hinten geneigt sein, sondern genau
waagrecht
stehen. Prüf es einfach
mit einer Wasserwaage nach.
Sitzlänge und Lenkerhöhe:
Hier muss jeder seinen Kompromiss
zwischen Aerodynamik und Komfort
finden. Je tiefer (und damit sportlicher)
dein Oberkörper nach vorgebeugt
ist (hoher Sattel/tiefer Lenker),
umso mehr Druck lastet auf Schultern
und Armen. Andererseits drückt
bei einer aufrechten (und damit gemütlicheren)
Sitzposition mehr Gewicht
auf den Sattel und damit auf
das Gesäß.
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