Ein Seil für Körper, Geist und Seele
In den Sommerferien ist ein Ausflug in einen Kletterpark eine willkommene und abenteuerliche Abwechslung für die ganze Familie. Das Beste an diesem speziellen Outdoor-Abenteuer: Es stärkt nicht nur die Muskeln und schärft die Konzentration - Seil und Karabiner berühren tatsächlich auch die Seele ...

Foto © ARochau - Fotolia.comSicherer Abenteuerspaß für alle Altersgruppen
Auf den ersten Blick sieht alles ganz leicht aus. Über eine Hängebrücke gehen, die zwischen zwei Bäumen gespannt ist. In zwei Metern Höhe. Herausforderung? Null. Anstrengung? Gering. Auswirkungen auf den Alltag? Kaum. Wie der erste Eindruck doch täuschen kann. Kletterparks sind alles andere als ein Sonntagsspaziergang im Schneckentempo - Hüftgurt, Karabiner, Seil und Helm lassen schon erahnen, dass die Kraxlerei zwischen den Bäumen nicht ganz so ohne ist.
Denn es bleibt nicht bei der Hängebrücke und der geringen Höhe: 70 verschiedene Hindernisse gibt es zum Beispiel im Kletterpark am Grazer Hilmteich, aufgeteilt auf vier Parcours von "leicht" bis "sehr schwer". "Da kommt jeder an seine Grenzen. Körperlich wie psychisch", sagt Hans-Jürgen Mosbacher, der den Park leitet. Ein Rundgang unterstreicht seine Worte: Per Strickleiter auf ein Podest in sechs Metern Höhe zu steigen, sieht schon nicht mehr ganz so leicht aus. Weiter geht es über einen Zick-Zack-Weg aus runden Holzpfosten, die an Seilen hängen. Alles bewegt sich. Immer und bei jedem Schritt.
Und wer hat's erfunden?
Frankreich und Deutschland waren die Vorreiter bei den Kletterparks in Europa, vor ein paar Jahren hat es dann auch in Österreich einen regelrechten Boom gegeben. Oft waren es Alpinisten und Kletterer, die ihre Erlebnisse mit der Familie teilen wollten und so begonnen haben, einen Kletterpark zu bauen. Als waldreiches Land bietet sich Österreich dafür geradezu an. "Dieser Boom", sagt Mosbacher "ist zwar wieder vorbei. Aber ich kenne auch keinen Park, der in Konkurs gegangen ist."
Kärnten
Hochseilgarten in Obervellach, www.sporterlebnis.at
Hochseilpark Flattach/Club Aktiv, www.cam.at
Waldseilpark Tscheppaschlucht, www.waldseilpark-tscheppaschlucht.at
Waldseilpark Taborhöhe/Faaker See, www.hochhinauf.at
Hochseilgarten Greifenburg, www.hochseilgarten-greifenburg.at
Adventurepark Katschberg, www.katschberg-rennweg.de
Es geht darum, den Besuchern etwas Besonderes zu bieten (am Hilmteich etwa ist es der alte artenreiche Baumbestand), dazu werden immer wieder neue Hindernisse erdacht und gebaut. Aktuell wird gerade der schwerste Parcours erweitert – mit dem "Flying Fox", einer 32 Meter langen Seilrutsche, am Ende. Als Belohnung, denn für die schwerste Runde braucht es im Kletterpark schon eine Menge Kraft. "Hier trainiert man Körperspannung", sagt Mosbacher, "beim Klettern am Berg baust du nur an drei Punkten Spannung gegen den Fels auf. Hier musst du immer den ganzen Körper anspannen, bei jedem Schritt, sonst kommst du nicht weiter."
Gesichert wie am Klettersteig
Passieren kann nichts, auch wenn es einmal wirklich nicht mehr weitergeht. Alle Besucher sind ständig gesichert. "Und zwar gleich wie am Klettersteig, mit zwei Karabinern, die gegengleich ins Seil gehängt werden, damit nicht beide aufgehen können, wenn sie von irgendwoher einen Schlag bekommen." Für den Klettersteig ist der Kletterpark überhaupt das perfekte Trockentraining. Man lernt den Umgang mit Seil, Karabiner und Hüftgurt ohne alpine Gefahren wie Wetterumschwung oder Steinschlag. "Das Wetter beobachten wir natürlich, und sollte es wirklich einmal gefährlich werden, können die Besucher in kurzer Zeit wieder aus der Höhe abgeseilt und ins Trockene gebracht werden."
Steiermark
Adrenalinpark, Unterpremstätten, www.adrenalinpark.at
Hochseilgarten Enzianhof/Ligist, www.enzianhof.at
Hochseilgarten Mariazell, www.gumpi-sports.com
Stuhleck Kletterwald, Spital, www.stuhlecksport.at
Abenteuerpark Gröbming, www.abenteuerpark.at
Abenteuerpark Planai, Schladming; www.abenteuerpark-planai.at
Forest Park Ramsau, www.forestpark.at
Insofern ist der Kletterpark zwar eine Art Einstiegsdroge ins Felsklettern – Griffe oder spezielle Klettertechniken muss man sich aber woanders aneignen. Denn die schwankenden Hindernisse sind mit trittsicherem Gehen auf dem Berg nicht zu vergleichen. Aber an die Höhe kann man sich gewöhnen. Der schwierige Teil ist acht und mehr Meter über Grund. Wie am Hilmteich die "Kübelgalerie": An Seilen hängen Blumentöpfe mit dem Boden nach oben. "Das ist unser schwierigstes Hindernis", erklärt Mosbacher. Wie man da rüberkommt? Ein wissendes Grinsen, mehr ist ihm nicht zu entlocken. "Wir geben im Voraus nicht viele Tipps zu den Hindernissen." Nach einer genauen Einschulung überprüfen die Kletterlehrer auf dem Übungsparcours den Sitz der Gurte und ob jeder mit Seil und Karabinern umgehen kann. Dann geht es für die Gruppen auf die Runde. Allein. "Die Leute sollen die Probleme selbst lösen, einander Tipps geben und sich gegenseitig motivieren und Mut zusprechen."
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