Urlaub vom Laufen?
Nicht, dass wir euch den Spaß am Laufen vermiesen wollen. Aber falls auch bei euch die Laufschuhe ganz oben auf der Urlaubs-Packliste stehen: Seid ihr sicher, dass ihr nicht besser Urlaub vom Laufen machen solltest? Wir haben uns bei ÖSV-Teamarzt Martin Gruber zum Thema "Übertraining" schlau gemacht.

Foto © Maridav - Fotolia.comEs ist ein Traum für Läufer durch spannende Landschaften zu düsen, aber auch der Körper muss bereit dafür sein
Der Wiener Mediziner, Martin Gruber, der seit vielen Jahren das Training, die Regeneration und vor allem auch den körperlichen Zustand der weltbesten Skisportler unter Kontrolle hat, bringt das große Problem vieler Hobbysportler – "und davon kommen wiederum die meisten vom Laufen" – ohne Schönreden auf den Punkt: "Ausgerechnet die, die den Sport betreiben, um ihrer Fitness Gutes zu tun, haben zu wenig Ahnung davon, was sich in ihrem Körper abspielt. Und vor allem: Sie wissen meist überhaupt nicht, wo sie leistungsmäßig stehen."
Die Antwort auf die Kernfrage – Laufurlaub oder Urlaub vom Laufen? – ergibt sich also aus dieser Ahnungslosigkeit. "Wie kann ich ein sinnvolles sportliches Laufprogramm für ein, zwei Urlaubswochen planen", stellt der orthopädische Sportchirurg die Gegenfrage, "wenn ich nicht weiß, was meinem Körper momentan gut tun würde? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich durch diese Unwissenheit mehr Schaden als Nutzen anrichte, ist ziemlich groß. Speziell, wenn im Urlaub zu viel Ehrgeiz im Spiel ist."
Ohne Kontrolle keine Planung
Endlich Freizeit – endlich Sport bis zum Abwinken. Dieser Traum vieler ehrgeiziger Hobbysportler, die im Urlaub von der kurzen Leine des alltäglichen Zeitkorsetts gelassen werden, kann nämlich ganz schnell zum Alptraum werden. Und zum Bumerang für alle Läufer, die in ihren Ferien den Sprung in das nächste Leistungslevel oder vielleicht überhaupt einen Neueinstieg in ein sportliches Leben schaffen wollen.
Geleerte Glykogenspeicher, "verbrannte" Muskeln, Erschöpfung statt Regeneration, Leistungsabsturz statt Leistungssteigerung – Martin Gruber hält sich nicht lange damit auf, all die medizinischen Konsequenzen aufzulisten, die durch Überbelastung hervorgerufen werden, sondern liefert viel lieber gleich den einzig vernünftigen Lösungsansatz, um das Problem "Übertraining" erst gar nicht entstehen zu lassen: ?Es ist doch ganz einfach: Die Hobbysportler müssen nur verstehen, dass sie ihren Ist-Zustand viel öfter hinterfragen müssen! Ohne Kontrolle keine Planung. Ohne Planung kein gezieltes Training. Und ohne gezieltes Training kein Erreichen des Ziels."
Eine lohnende Investition
Aber wie soll dieses Hinterfragen ausschauen? "Es gibt eine einfache Anamnese, mit der jeder für sich bestimmte Alarmzeichen erkennen kann", sagt der Sportarzt. Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Gereiztheit usw. – unser Körper meldet ohnehin, wenn es ihm zu viel wird. Wir müssen nur darauf hören - siehe Dossier. Der sicherste Weg aber, um nicht nur den eigenen Leistungslevel bestimmen, sondern auch eine daraus resultierende vernünftige Trainingsplanung ableiten zu lassen, ist die Inanspruchnahme professioneller, sprich sportmedizinischer Hilfe: Gruber: "Mit einer leistungsdiagnostischen Untersuchung sind sofort alle Unklarheiten beseitigt. Der Sportler weiß endlich genau, wo er steht – und wie er künftig trainieren soll." Zeiteinsatz? Eine knappe Stunde. Kosten? Etwa 200 Euro – für eine Investition, von der man noch viele Monate lang profitiert. Und die blitzartig klar macht, ob's nicht tatsächlich klüger wäre, vorerst einmal Urlaub vom Laufen zu machen ...
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