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Zuletzt aktualisiert: 25.04.2012 um 13:50 UhrKommentare

Reizstrom hilft beim Muskelaufbau

Foto © APA

Bei der Elektromyostimulation soll Reizstrom den Aufbau der Muskulatur anregen. Ganz ohne Schweiß gelingt das aber nicht: Wer Muskeln will, die zum Kraftsport taugen, muss immer noch Kraftsport treiben. Reizstrom kann aber ein sinnvolles Zusatzprogramm sein.

In 20 Minuten denselben Effekt erzielen wie beim konventionellen 90-Minuten-Work-Out: Das Wunder vollbringen soll eine Methode namens Elektromuskel- oder Elektromyostimulation (EMS). Profisportler wie Vitali Klitschko nutzen sie, Studien der Sporthochschule Köln bestätigten ihre Wirksamkeit. "Als Elektromyostimulation bezeichnet man die künstliche Aktivierung von Muskeln mit niedrigem Reizstrom", erläutert Sportmediziner Veit Wank. Dabei werden auf die anzuregenden Muskelpartien Elektroden aufgesetzt, von denen elektrische Impulse ausgehen. Diese stimulieren die Fasern und bringen den Muskel dazu, sich zusammenzuziehen. "Und zwar ohne Beteiligung des Gehirns, das den Befehl zum An- und Entspannen der Muskulatur normalerweise gibt."

Den Eingang in Sport und Fitness fand EMS in den 1970ern. Zunächst kam sie vorwiegend als passive leistungsfördernde Methode im Profisport zum Einsatz. In den vergangenen Jahren wurde sie dann zunehmend auch unter aktivem Körpereinsatz genutzt und etablierte sich als eigene Trainingsmethode in Fitnessstudios. Wo anfangs wie in der Physiotherapie einzelne Elektroden auf die Haut aufgeklebt worden seien, die nur einzelne Muskelareale stimulieren, gebe es jetzt Geräte, die den ganzen Körper aktivieren, sagt EMS-Experte Johannes Pommerien. Dabei handele es sich um eine Art Funktionsanzug, in den Elektroden eingearbeitet sind. "Sie sind so platziert, dass sie 80 bis 90 Prozent der Muskulatur stimulieren."

Die Trainingsmöglichkeiten reichen vom nahezu passiven Work-Out, bei dem der Trainierende lediglich verschiedene Haltungen einnimmt, während er unter Strom steht, bis zum Hochbelastungstraining mit Gewichten oder auf dem Laufband. Neben persönlichem Geschmack und der sportlichen Ausrichtung entscheidet der Leistungsstand darüber, wie das Training aussieht: "Durch die intensive Muskelkontraktion, die sie bewirkt, verlangt Elektromyostimulation dem Körper schon ohne viel Bewegung einiges ab", erklärt Pommerien. In Aktion potenzierten sich die körpereigene und die EMS-stimulierte Muskelaktivität - was das Training anstrengend und hocheffektiv mache.

Zu den positiven Effekten, die der Stimulation zugeschrieben werden, gehören neben Muskelaufbau unter anderem mehr Beweglichkeit, Gewichtsverlust und eine Straffung von Bindegewebe und Haut. Eine Wunderwaffe? Lieber etwas differenziert betrachten, rät Sportmediziner Holger Schmitt: "Die Wirkung von EMS auf die Muskulatur steht außer Frage. Von den Anbietern wird aber teils zu viel versprochen." Bahnbrechende Trainingserfolge im Liegen etwa gehören dazu. Das sei gar nicht möglich, weil EMS körpereigene Unterstützung braucht, um richtig zu funktionieren, sagt der Mediziner.

Auch dass man mit der Reizstrommethode das qualitativ gleiche Muskelvolumen aufbauen kann wie mit normalem Krafttraining, darf bezweifelt werden. "Wenn ich willentlich ein Gewicht stemme, aktiviert das Gehirn viele Muskeln gleichzeitig. Neben dem, der die Zug- oder Druckbewegung ausführt, etwa solche, die die Bewegung koordinieren und stabilisieren. Die Aktivierung durch EMS ist eine eher lokal begrenzte", erklärt Wank. Das bedeutet im Klartext: Wer Muskeln will, die zum Kraftsport taugen, muss Kraftsport treiben - mit EMS als Zusatzprogramm ließen sich aber Effekte erzielen.

Auch sonst gilt Reizstrom plus Aktion als erfolgsversprechender - Reizstrom alleine weniger. Wer will, dass die Dellen am Po verschwinden, erreicht trotz des nachweislich durchblutungsfördernden Effekts meist erst durch zusätzliches Fettstoffwechseltraining etwas. Bei korrekter Anwendung ist das EMS-Training ungefährlich. Einige Gegenanzeigen gibt es jedoch: darunter Schwangerschaft, ein Herzschrittmacher oder offene Hautausschläge. Zertifizierte EMS-Trainer und Sportmediziner können dazu Auskunft geben.

Quelle: APA





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