Ein Preis für den Schweiß
Kukuruz, Kürbis und Brennnesseln: Das glorreiche Finale der Graz-Umrundung im weiten Land des Westens und Südens.

Foto © Jürgen FuchsDie "Wegerfinder" und Wanderführerautoren überreichen Nina Müller und Julia Schafferhofer ihre verdienten Urkunden
Wie viele Liter Schweiß wir in sechs Tagen und 120 Kilometern rund um Graz lassen mussten, ist nicht statistisch erhoben. Doch damit sich unser Wander-Kreis schließt, fehlen immer noch 70 Kilometer durch den flachen Südwesten.
Von Judendorf nach Söding
Wir beginnen frühmorgens bei Marianne. Die sich wundert, dass uns erzählt wurde, ihr wunderbar altmodisches Café gebe es nicht mehr. Also: Chefin und Café sind quietschlebendig. Und wir ebenso vergnügt, als wir den Anstieg des Straßengelbergs angehen – der letzte Berg. Fast wehmütig genießen wir den Waldweg, bewundern an der Kreuzung mit dem Mariazeller Pilgerweg die Bildstöcke und wollen aus Neugier beinahe den Wegweisern folgen: zum "Grab der Generalin Emilie Sarah Engelbronner d'Aubigny de Peché". In Plankenwarth erlauben wir uns bei rekordverdächtiger Hitze angesichts 40 Minuten Asphaltmarsch bis St. Oswald einen kleinen Autostopp.
Wir "erklimmen" (pah!) den Hügel von St. Bartholomä, kühlen uns kurz in einer der Kirchen und im Bank-Foyer ab und wandern weiter Richtung Söding, wo wir auf den Fünf-Schlösser-Weg treffen. Interessant, was Schlösser so beherbergen: Die Rasierapparatefabrik Payer-Lux oder eine Künstlerfamilie, bei der wir Wasser tanken – und erst danach bemerken, dass wir im Schloss waren. Zum Schluss marschieren wir noch quer durch "Österreich". So heißt der Graben vor Berndorf/Söding. "Der Name kommt von einer Weinsorte, die hier einmal angebaut wurde", erklären freundliche Einwohner, die uns auf einen Most einladen.
Von Söding nach Werndorf
Aufgepäppelt von Ninas Eltern, wandern wir am nächsten (leider nicht weniger heißen) Tag weiter: Kläranlage, Baumschule, Friedhof heißen die nächsten Orientierungspunkte. Die Lannacher verwirren wir mit der Frage nach der Stempel-Station "Pizzeria Venezia". Bis wir bemerken: Die Adresse ist mit dem schicken neuen Gemeindezentrum ident. Wir plaudern mit der Sekretärin und bleiben etwas länger als nötig (Klimaanlage!). Von Lannach wandern wir die Eisenbahntrasse entlang, nehmen eine vermeintliche Abkürzung und kämpfen uns durch Brennnesseln nach Muttendorf. Bis zu den Wundschuher Teichen heißt es erneut: Asphalt, pralle Sonne, Blasen-Nachwuchs. Der Weg durch den Kaiserwald ist dafür hart – Landstraße, kein Gehsteig. Wir denken nur noch an eines: A-b-k-ü-h-l-u-n-g!
Von Werndorf nach Fernitz
Finale! 20 Kilometer fast brettl-eben dahin sind es bis zum Start des Umlandweges in Fernitz. Wir marschieren zwischen radelnden Senioren am Murradweg nach Wildon, und amüsieren uns darüber, dass eine Grazer Bäckerei versucht, die Sportler-Moral mit Kuchen-Werbung zu brechen. In Wildon kühlen wir uns unter der Eisenbahnbrücke ab und gehen auf dem Josef-Krainer-Weg weiter. Beim "Harmonika-Hansl" schauen wir der Wirtin beim Fisolen-Schnipsen zu und erklären einem älteren Paar aus Graz, warum wir uns den Marsch eigentlich antun – um in ein uns unbekanntes Land vorzudringen. Wir lassen uns nicht zum Buschenschank verführen, sondern gehen weiter. Zur Gedenkstätte für Landeshauptmann Krainer senior, "wo 1971 aus der Hand des Jägers das Gewehr zur Erde sank" (so der Denkmaltext). Den Weg nach St. Ulrich am Waasen säumen Woazåcker, ein Brennnesseldickicht, eine Rinderbesamungsstation, dann geht es bergab nach Fernitz. Wir schließen den Kreis. Das anfängliche Vorhaben, noch zu Fuß nach Graz zu gehen, setzen wir nicht mehr um.
Graz, Sackstraße 24
Richtig stolz sind wir erst Tage später, als uns Naturfreunde-Obmann Hans Pammer und "Wegerfinder" Werner Höttl feierlich Anstecknadel und Urkunde verleihen: Wir sind die Nummern 99 und 100. Und: "Geh 7" denkt bereits an die nächste Wanderung.
Für GUW-Wanderwütige: Der Wanderführer ist vergriffen, ein Online-Guide laut Naturfreunden verplant.

















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