Der Sound der Heimat
Eichelhäher, Akkordeon, Autobahn: Der Nordwesten der 188 km auf dem Grazer Umlandweg ist voller Gegensätze und Geräusche. Unterwegs auf dem Grazer Umland-Weg, Tag 3 und 4.

Foto © Auf zwei Beinen rund um Graz: Nina Müller und Julia Schafferhofer
Zweiundsiebzig Kilometer in vier Tagen, also einmal Graz-Maribor, haben wir bereits intus: in Kopf und Beinen. Wir Naturburschinnen wandern in Frohnleiten los, als hätten wir uns nie anders fortbewegt.
Von Frohnleiten nach Prenning
Etappe 5: Entlang der ruhenden Mur führt uns der Grazer-Umlandweg (GUW) nach Adriach und zu seiner hübschen Katharinenkirche. Zwei Bergmänner, die schon wieder unten im Tal sind, köpfen eine Flasche Bier vor dem Gemischtwarenladen und fragen: "Wo wollt's denn hin?" Auf den Haneggkogel. Am "Panoramaweg" erobern wir bei herrlichem Ausblick durch die Baumwipfel den Berg im Kreis.
Auf einer weitläufigen Lichtung rasten wir und wundern uns über die Namen auf der Karte: Schenkenberg (wie das Model) und Blasenlois, Knoblacher oder Brauni (alles Vulgonamen). Ein mysteriöser Vogel reißt uns aus dem Unterhaltungsprogramm. Er kreist hoch über uns, dabei grunzt er wie ein Schwein und quakt wie ein Frosch. Es ist: ein Eichelhäher, wie Ninas Mama uns später aufklärt, bekannt auch als "Polizist des Waldes".
Erstmals gehen wir absichtlich vom Weg ab und besteigen den Haneggkogel (1088 m), der sich in der Sonne suhlt. Pause mit Jause und Ausblick auf die Gipfel (Rote Wand, Hochlantsch etc.), die uns ein Bergkenner geduldig erklärt. Dann: Schrecksekunde. Ein Abschwung unter einer Absperrung war statt elegant nur schmerzhaft - winzige Wunde am Hinterkopf, viel Blut.
Dennoch kein Hindernis für einen sanften Abstieg durch sanfte Gegenden. Bei der "musikantenfreundlichen Gaststätte" Poldlwirt stoppen und stempeln wir. Irgendwo in der Idylle zwischen Siglkreuz, einsamen Wiesen, Wald- und Asphaltwegen holt uns das Autobahnrauschen ein. Wir hängen uns an Ortskundige und stechen über einen Hohlweg hinunter zum "Feuerlösch". Die Kulturpension Feuerlöscher ist das Etappenziel, abseits vom Weg, in Prenning. Dort: urbane Außenstelle. Die Wandzeitung "ausreißer" hängt aus, Gabriel Hirnthaler und seine Frau tischen uns kalte Gurkensuppe und Lamm mit allerlei Beilagen auf. Wir trinken Rotwein, lesen in der Bibliothek in alten kommunistischen Tageszeitungen und den "manuskripten" und ärgern uns, dass wir die einstige Pappendeckelfabrik, Treffpunkt der heimischen Avantgarde in der Zwischenkriegszeit, nicht schon früher besucht haben.
Von Deutschfeistritz nach Judendorf
Etappe 6: Frühmorgens schummeln wir ein bisschen und starten von Deutschfeistritz aus. Vorbei am Tennisplatz (Stempel für die GUW-Urkunde!) steigen wir zum Schartner-Jagdhaus auf, das Rauschen der Auto- und Eisenbahn stets im Ohr. Über den Haneggsattel (919 m) besteigen wir über ein paar Felsen (endlich!) die zwei Gamskogel-Gipfel (859 m) mit Bärenhöhle. Erholsamer Abstieg nach Kleinstübig. Vorbei am SOS-Kinderdorf und Märchenschloss gehen wir übers Stübingbachtal (die kürzeste von drei Varianten) und lassen das Freilichtmuseum links liegen - obwohl der GUW der einzige Weitwanderweg ist, der durch ein Museumsdorf führt.
Mit Wandergast Christina, Ninas Schwester, wandern wir vorbei an Pferden, Eseln, Ziegen, am LKH Hörgas-Enzenbach. Wir steuern aufs Stift Rein zu, wo wir in der Taverne in Schwammerln und Soßen baden. Auf der Asphaltstraße zwischen Eisbach und Gratwein strecken wir den Finger raus und fahren ein Stück mit einem Feuerwehrmann mit. Dafür klettern wir aber abends noch zur Straßengel-Kirche hinauf. Zum Ausgleich.



















