Tischfußball: Ein Sport, der in die Hände geht
Tischfußball, Wuzzeln, Balankan – beinahe jeder hat es in irgendeinem Gasthaus schon versucht. Manche sind besser, manche schlechter. Doch ist das wirklich Sport? "Ja!", wird jeder antworten, der einmal auf einem internationalen Turnier war.
Quelle © wuzzeln_digi0729.jpg | Foto: KLZ Digital Tischfußball-Weltmeisterschaft in Oberwart
Tack-Tack-Tack ...Klesch! Es vergeht kaum eine Sekunde ohne den Ton zu hören, der entsteht, wenn ein Kunststoffball auf eine Metallplatte trifft. Zwischendurch erschallen Aufrufe aus den Lautsprechern: "We need a referee on table eleven." Es ist Ende Juli und in Oberwart trifft sich die Elite der Tischfußball-Spieler. Zum zehnten Mal veranstaltet der österreichische Tischfußballbund hier ein Turnier der World Championship Series für Garlando.
Ob Semi-Pro oder Profi – den Spielern steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben – erster Satz verloren, Seitenwechsel. 60 Sekunden hat man dafür Zeit. Routiniert zücken die Spieler ihre Imbus-Schlüssel, schrauben die Griffe ab und befestigen sie danach auf der gegenüberliegenden Spielhälfte. Kurz noch ein paar Übungsschüsse und der nächste Satz beginnt.
Wer das Wuzzeln nur aus dem Gasthaus kennt, wird wegen des folgenden Rituals verwundert sein. Der Ball wird nicht eingeworfen, sondern jene Mannschaft legt ihn sich in der Mitte auf, die das letzte Tor bekommen hat. Der Ball wird schnell hin und her gespielt – Schuss, Tor. Noch etwas dazu gelernt: Mittetore zählen selbstverständlich.
Patent aus England
Wie der Sport eigentlich entstanden ist, weiß man nicht mehr genau. Fix ist, dass der Engländer Harold S. Thornton das erste Patent für einen Wuzzler eingereicht hat. Im Grunde sind alle heutigen Tische diesem Original nachempfunden. Es gibt nämlich nicht "den Tischfußballtisch", sondern gleich acht davon. Fünf Modelle sind vom Welttischfußballverband ITFS als offiziell anerkannt – auf ihnen findet die World Championship Series statt. Drei weitere werden für kleinere Turniere verwendet.
Der Ball ist auf der Dreier-Reihe (Stürmer), blitzschnell wandert er von der linken Außenfigur zur rechten. Hin, her, hin, her – der Verteidiger versucht so gut es geht, das Tor abzudecken – Tauch! – Tor. Tick-Tack nennt sich diese Form des Spiels und sie ist eine Spezialität des Tisches, der in Österreich, Italien und der Schweiz verwendet wird: der Garlando.
Abseits stehen einige Tische, die anders aussehen. Der Leonhard aus Deutschland wurde gerade erst zum offiziellen Tisch ernannt. Spieler können hier den Tisch testen. Auch das neueste Modell, der Fireball aus China, lockt einige Interessierte. Der chinesische Vertreter hat ein Argusauge auf die Truppe, die sich am Tisch austobt. Schließlich will er Tische verkaufen und nicht mit einem ruinierten Modell wieder abreisen.
Finalarena
Je später es wird, desto spannender die Spiele. Nun kommt auch erstmals die mit Kameras ausgestattete Finalarena zum Einsatz. Ein Viertelfinale im Semi-Pro-Doppel wird gespielt. Die Paarung ist aber so interessant, dass entschieden wurde, sie aufzuzeichnen – für die DVD vom Turnier und für den TV-Sender Eurosport 2.
Vier Tage dauerte die WCS in Oberwart. Vier Tage lang kämpften mehr als 120 Teilnehmer aus rund 20 Nationen um eine Top-Platzierung. Je weiter man kommt, desto mehr Punkte gibt es. Nur so kann man seinen Platz in der Weltrangliste verteidigen. Das Einzel der Herren konnte der Belgier Frederic Collignon für sich entscheiden. Doch bei den Damen holte Verena Rohrer den Titel nach Österreich. Auch das Herrendoppel konnte eine heimische Mannschaft für sich entscheiden – Anton Skok und Kevin Hundstorfer. Das Damen-Doppel ging nach Deutschland. Dennoch: Ein gutes Turnier – aus österreichischer Sicht.
Features
Fakten
Offiziell gibt es fünf unterschiedliche Tische, auf denen Weltmeisterschaften ausgetragen werden:
Garlando
Roberto Sports
Tornado
Bonzini
Leonhard
Drei weitere Tische sind vom Internationalen Tischfußballverband anerkannt:
Rosengart
Sardi Sport
Fireball
Regeln
Die offiziellen Tischfußballregeln unterscheiden sich von jenen, die im Gasthaus angewendet werden.
Die wichtigsten Abweichungen:
Tore aus der Mitte zählen
Von der Mitte darf der Ball nur aus der Bewegung gepasst werden.
Nach einem Tor wird der Ball nicht eingeworfen sondern der Gegner bekommt ihn auf der Mittelreihe.














