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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2011 um 13:09 UhrKommentare

Yoga mal anders: Abschalten auf der Alm

Heidi lässt grüßen, wenn es raus aus der Stadt weit weg von Lärm, Feinstaub und Stress rauf auf die Alm geht. Steve Pressler bietet an einem Wochenende Yoga, Naturbegegnungen und gemeinsames Zusammensein auf über 1800 Höhenmetern. Kleine Zeitung DIGITAL-Redakteurin Elisabeth Tappauf war dabei.

Yogalehrer Steve Pressler zeigt wie es geht

Foto © privatYogalehrer Steve Pressler zeigt wie es geht

Das Wochenende auf der Alm – ein Bericht:

Tag 1:

Der Countdown läuft. Mit gepacktem Koffer und einer ordentlichen Portion Aufregung im Magen warte ich auf meine Mitfahrgelegenheit auf die Langeralm am Lasaberg in Tamsweg, Salzburg. Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, konnte das Abenteuer "Yoga auf der Alm" losgehen. Der Aufstieg zur Hütte dauert etwa eine Stunde. Für geübte Wanderer ein Kinderspiel, für Wander-Anfänger wie mich ein Wechselspiel aus Anstrengung, Verzweiflung und dann doch wieder Freude an der Natur. Begleitet werden wir – allen Wettervorhersagen zum Trotz – von der Sonne. Endlich bei der Hütte angekommen, sind alle Wehwehchen wie weggeblasen, als wir den traumhaften Ausblick genießen können. Neben der Hütte grasen mehrere Kühe, die sich von den neuen Gästen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vor dem bescheidenen Holzhäuschen wartet auch schon eine gemütliche Holzbank auf uns, auf der wir auch sogleich von den freundlichen Eigentümern der Hütte vom Bauernhof Langer mit einem Gläschen Schnaps empfangen werden.

Nach einer kleinen Stärkung geht die Wanderung über "Stock und Stein" weiter, auf zum Gipfelkreuz des Lasabergs. Selbst ein Wander-Muffel, wie ich einer bin, muss am Gipfel angekommen zugeben, dass sich der Aufstieg gelohnt hat. Die Aussicht über die Region Tamsweg ist einfach unbeschreiblich schön und zur Belohnung darf man sich auch ins Gipfelbuch eintragen. Zurück in der Hütte wartet die erste Yoga-Einheit auf uns. Zuerst werden wir gefragt, was wir selbst mit Yoga verbinden und was wir darüber wissen. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Yoga-Welt geht es in die Praxis über. In dieser ersten Einheit geht es um Entspannung, Körperwahrnehmung, leichte Bewegungsflüsse und die richtige Atmung. "Die Übungen wirken auf körperlicher, organischer und geistiger Ebene", so Yoga-Lehrer Steve Pressler. Auf der Alm kann man die Wege des Yogas gleichzeitig praktizieren und erfahren.

Dabei werden die fünf verschiedenen Yoga-Wege verinnerlicht:

Die fünf Yoga-Wege

  • Hatha-Yoga: der Weg der Körperschulung. Durch körperliche Übungen und dem Wandern wird ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist erreicht.
  • Raja Yoga: der Weg der rechten Selbstkontrolle. Durch das gemeinsame Tun und den Vorträgen wird die stufenweise Entwicklung und Beherrschung des Geistes angestrebt.
  • Jnana Yoga: der Weg des rechten Wissens. Durch Reflexion und Meditation strebt man nach der Erkenntnis der Wahrheit, um Erlösung zu erlangen.
  • Karma Yoga: der Weg des rechten Handelns. Durch den Verzicht des alltäglichen Luxus soll man in sich gehen und einfach nur Freude am Tun haben und auch erwartungslos Handeln.
  • Bhakti Yoga: Yoga des Herzens oder der spirituellen Hingabe. Hier geht es darum, die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur anzuerkennen und zu begreifen, dass man selbst ein Teil davon ist.

Nach dieser ersten beeindruckenden Yoga-Einheit geht es an das gemeinsame Kochen, was für Menschen, die an eine "normale" Küche mit Kühlschrank, Warmwasser, E-Herd, Ofen und sogar Geschirrspüler gewohnt sind, schon einmal zur Herausforderung werden kann. Denn danach – inklusive jedweder Stromquelle – sucht man vergeblich. Hilft nichts, da muss man durch. Statt des "üblichen" Fernsehabends sitzt man bei Kerzenschein gemeinsam am Tisch, spielt Karten und lässt den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 2:

Auch auf der Alm "fängt der frühe Vogel den Wurm". Der Morgen beginnt an der frischen Luft mit einem Spaziergang, um Körper und Geist richtig aufzuwecken. Danach wird zur nächsten Yoga-Einheit gebeten. Als Yoga-Anfänger liegt der Fokus auf der Synchronisation des Atmens und der Erlernung des Entspannens. Pressler meint dazu: "Den Körper kann man abschalten, den Geist jedoch nicht, der arbeitet selbst im Schlaf weiter. Ziel ist es unter anderem auch den Geist etwas "abschalten" zu können, um von den Gedanken rund um den stressigen Tag in der Arbeit oder anderen Problemen wegzukommen."

Das Wetter meint es am zweiten Tag nicht allzu gut mit uns: Statt Sonnenschein gibt es Nieselregen und dunkle Wolken, wovon wir uns natürlich nicht abhalten lassen. Die nächste Wanderung steht an. Wieder geht es auf einem der vielen verschiedenen Wanderwegen in Richtung Gipfel. Mitten im Wald stoßen wir sogar auf frische Eierschwammerl, die sogleich mitgenommen werden, um am Abend in der Pfanne zu landen. Zurück in der Hütte ist die nächste Yoga-Stunde auf dem Programm, bei der die Übungen und Körperstellungen immer intensiver werden. Für Pressler ist Yoga keine Religion, sondern ein ganzheitliches Lebensprinzip. "Yoga hat auch nichts mit Wettbewerb oder "sich vergleichen" zu tun. Es handelt sich um kein Leistungsprinzip. Die Achtsamkeit liegt dabei ganz auf dem Körper. Nicht umsonst bezeichnen viele Menschen Yoga als 'Reise zu sich selbst'. Yoga stellt den Weg in die Freiheit und die Selbstverwirklichung dar. Man findet so wieder zu sich selbst." Der Tag klingt bei einem geselligen und gemeinsam zubereiteten Abendessen aus, wobei über das eigene Leben und die eigenen Erfahrungen diskutiert wird.

Tag 3:

Das Wetter hat es regelrecht auf uns abgesehen: Draußen hat es gerade einmal drei Grad plus, die ganze Nacht hat es durchgeregnet und wir können kaum unseren Augen trauen, als uns Schneeflocken entgegenkommen. Der Spaziergang am Morgen ist somit abgesagt. Was bleibt sind eine Yoga Stunde und ein reichhaltiges Frühstück, bis wir und unser Gepäck von Peter und Maria Fuchsberger vom Familienbauernhof Langer abgeholt und zu unseren Autos gebracht werden. Auf der Heimfahrt lasse ich meine Gedanken rund um das Yoga-Wochenende auf der Alm Revue passieren und fasse zusammen: Am Anfang wehrt sich der "Stadt-Körper" noch gegen den Entzug von Strom, Fernseher, Internet, fließendem Warmwasser und einer Toilette. Nach einer Eingewöhnungsphase von etwa einem Tag kann man sich dann auch ganz auf die Natur und das Leben in einer Almhütte einlassen. Am Ende bin ich sogar darüber erstaunt, wie gut ich das Abenteuer "Yoga auf der Alm" überstanden habe und bin auch auf jeden Fall froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Nahe an der Natur, allen Komfort zurücklassend und sich in der Stille der Harmonie und dem Selbstverständnis des menschlichen Seins hingebend, gefüllt mit kräftigenden Yoga-Einheiten – für denjenigen, der sich dem gewachsen fühlt und dem stressreichen Alltag einmal entfliehen möchte, genau das Richtige.

Elisabeth Tappauf





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