Es ist ja nur ein Plastikball, oder?
Der Golfball ist weit mehr als nur eine simple Kunststoffkugel. In den Bällen steckt viel Entwicklungsarbeit und jede Menge an synthetischen Materialien.

Foto © TitleistBeim Top-Modell von Titleist sind vier Materialien mit unterschiedlichsten Eigenschaften verarbeitet - damit fliegt er weiter und ist kontrollierbarer
"Er hat einen Dual-Hochgeschwindigkeitskern mit weichem Innenkern, eine gefühlvoll reagierende Ionomer-Schicht, eine Urethan-Elastomer-Schale sowie ein neues sphärisches 328-Tetraeder-Dimple-Design." Nein, das ist kein Auszug aus dem Werbetext eines neuen Hybrid-Wagens. Es handelt sich schlichtweg um einen Teil der umschweifenden Produktbeschreibung des Top-Modells Pro V1x von Titleist, dem weltweit größten Golfball-Produzenten. Rund 1,2 Millionen Bälle unterschiedlichster Typen und Preisklassen verlassen jeden Tag die Produktionsanlagen des Weltmarktführers. Die Zeiten, als Bälle nur einfache Kunststoff-Kugeln waren, sind längst vorbei und die Ballproduktion ist zu einer Wissenschaft geworden. Zwischen einfachen Range-Bällen und den Premium-Kugeln liegen mittlerweile Welten.
Die Mischung macht es
Unendlich viele Möglichkeiten der Herstellung gibt es aber nicht. Neben einem minimalen Durchmesser ist auch ein maximales Gewicht festgelegt und daher bewegen sich die Entwickler in einem engen Rahmen. Neben Veränderungen der Balloberfläche (siehe rechts) nehmen die Produzenten mit dem Innenleben Einfluss auf die Balleigenschaften. Von ausgeklügelten Kunstharzmischungen bis hin zu flüssigen Kernen ist alles möglich. Prinzipiell gelten zwei Grundregeln:
- Je fester und kleiner der Kern ist, desto geringer ist seine Deformation beim Kontakt mit dem Schläger. Er fliegt weiter und nimmt weniger Spin an.
- Je weicher die Schale, desto mehr Spin nimmt er an und desto kürzer fliegt er.
Ausschlaggebend für die dynamisch-mechanischen Eigenschaften ist allerdings das Compound - die Zusammensetzung des gesamten Balles. Moderne Golfbälle bestehen aus vier Schichten (Multi-Layer-System), von denen jede die Flugeigenschaften beeinflusst. Natürliche Stoffe werden in den Hightech-Bällen nicht mehr verarbeitet. Die Kunststoffe werden in Labors entwickelt und ihre Eigenschaften ständig verbessert.
Auch wenn die Bälle nun weiter fliegen, mehr oder weniger Spin annehmen, stabiler in der Luft liegen oder länger halten als noch vor ein paar Jahren - von alleine fliegen und ins Loch rollen können sie noch immer nicht. Leider. Oder auch: Gott sei Dank.
Features
Fotoserie
Dellen ohne Ende
Noch sind die Hersteller auf der Suche nach dem optimalen Muster für die Anordnung der Dimples. Teilweise werden mehr als 400 Dellen in die Oberfläche eingearbeitet. Beim Pro V1x sind es 328 mit sieben verschiedenen Durchmessern, die im Tetraeder- Muster (oben) angeordnet sind.

















