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Zuletzt aktualisiert: 07.10.2010 um 11:57 UhrKommentare

Sport macht schlau

In einem gesunden Körper steckt nicht nur ein gesunder Geist, sondern auch ein schlauer. Neueste Studien belegen, dass durch sportliche Aktivität sogar neue Gehirnmasse gebildet wird. Fitnessprofi Heini Bergmüller erklärt, warum vernünftiger Sport auch unserem Gehirn gut tut.

Früh trainiert, wer schlau werden will ...

Foto © fotozon - Fotolia.comFrüh trainiert, wer schlau werden will ...

Vom Muskelprotz zum Staatsmann: Arnold Schwarzenegger hat es vorgemacht. Und auch Vitali Klitschko beweist mit seinem Doktortitel, dass Boxer durchaus Hirn haben können. Neueste Studien belegen, dass das Gehirn ähnlich wie ein Muskel auf Sport reagiert: Es passt sich den körperlichen Anforderungen an – und wächst sogar dabei. Für die Wissenschaft ist diese Erkenntnis ein Durchbruch: Lange Zeit war zwar bekannt, dass Sport die Durchblutung und damit auch die Sauerstoffversorgung im Kopf ankurbelt und zudem für eine verbesserte Hormonproduktion sorgt. Dass Sport aber wirklich die Mechanik und auch die Masse des Gehirns beeinflusst - diese Erkenntnis ist neu. Entdeckt anhand von Aufnahmen eines Kernspintomographen, die eindeutig zeigten, dass durch körperliche Aktivität tatsächlich neue Synapsen und Neuronen entstehen, also neue Hirnmasse gebildet wird. Logische Folge: Die Datenautobahnen im Gehirn werden schneller, das Gedächtnis wird besser.

Auch Heini Bergmüller, Proficoach und Geschäftsführer des "Bergmüller Kompetenz- Zentrums für Fitness und Gesundheit", hat bei seinen Forschungen beeindruckende Ergebnisse erhalten: "Wir haben eine umfangreiche Studie mit jungen Pianisten der Musik-Uni Wien gemacht und festgestellt, dass ein präzise gesteuertes moderates Training die konzentrativen Fähigkeiten enorm steigert. Ein Beispiel: Die Gruppe der trainierenden Pianisten hat im Vergleich zur untrainierten KonGruppe ihre Repertoirezeiten (Anm.: das ist die Zeit, die es dauert, um ein Musikstück einzustudieren) um bis zu 90 Prozent verbessern können."

Wachsen oder schrumpfen

Dass Sport nicht nur die Muskel-, sondern auch die Hirnmasse wachsen lässt, ist aber leider nicht die einzige Trainingssymbiose zwischen Kopf und Körper. Denn auch die berühmte Sportlerweisheit "Use or lose" lässt sich vom Muskel auf die graue Masse übertragen. Im muskulären Bereich ist dieses Phänomen "Gebrauch es oder du verlierst es" ja hinlänglich bekannt. Typisches Beispiel: Nach sechs Wochen Gipsverband ist jedes noch so trainierte Bein dünn, schwach und ausgemergelt. Knappe 40 Tage genügen also, um eine muskuläre Nullbilanz anzurichten. Und das Gleiche gilt leider auch fürs Gehirn: Gehirnzellen, die dauerhaft nicht benutzt werden, verkümmern.

Hinzu kommt, dass sich dieser Abbauprozess im Alter beschleunigt. Und zwar sowohl bei der Muskel- als auch bei der Hirnmasse. Je mehr Kerzen der Geburtstagskuchen zählt, desto rascher werden Zellen - in Kopf und Körper – abgebaut. Es sei denn, man wirkt dem entgegen: Eine Studie an 5.925 Frauen im Alter von 65 Jahren aufwärts über einen Beobachtungszeitraum von acht Jahren ergab, dass es durch regelmäßiges Walking zu einem stark geminderten (altersbedingten) Abfall von kognitiver Leistungsfähigkeit (Erinnerung, Aufmerksamkeit, Kreativität etc.) kam. Im Gegenteil: Bei den Testpersonen kam es durch das moderate Training teilweise tatsächlich wieder zu einer Zunahme der grauen und weißen Hirnsubstanz. Für den Fitnessexperten Bergmüller ist der Ansporn daher klar: "Auch im Alter sollte es weniger das Ziel sein, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu halten, sondern diese tatsächlich noch zu verbessern. Dass dies in den meisten Fällen auch so ist, sehe ich ja täglich in meiner Arbeit."

Ausdauern statt auspowern

Vor allem "Couchpotatos" werden mit folgender Botschaft ihre Freude haben: Man muss gar nicht viel tun, um dem eigenen Kopf etwas Gutes zu tun! Das Motto "Viel hilft viel" hat in Sachen Brainfitness keine Haltbarkeit – ganz im Gegenteil: "Trainiert man zu intensiv oder in zu großen Umfängen, werden die falschen Energielieferanten (Kohlenhydrate, Proteine) zur Energiebereitstellung herangezogen. Das Hirn und die Psyche brauchen aber eine ausreichende Versorgung mit guten Omega-3-Fettsäuren, um arbeiten zu können. Zu intensiver Sport verschlechtert zudem die Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers auf zellulärer Ebene. Mit einem Wort: Anaerobe Aktivitäten haben eine Reihe schlechter Wirkungen. Wer dem Körper Sauerstoff nimmt, zerstört ihn", bringt es Heini Bergmüller auf den Punkt.

Fotoserie: Wie das Hirn fit bleibt

Moderates Training ist das richtige Mittel, um Kopf und Körper in Form zu bekommen. Und hier belegen ebenfalls Studien, dass vor allem (aerobe) Ausdauersportarten einen deutlich höheren Effekt auf die Hirnleistung haben als Kraftsportarten. "Wann man aber von einem 'moderaten Training' sprechen kann", weiß Bergmüller, "ist pauschal natürlich nicht zu sagen. Die Botschaft kann nur lauten: Wer tatsächlich daran interessiert ist, auf lange Sicht durch sportliches Training körperlich und geistig zu profitieren, muss eben richtig trainieren. Und richtig trainieren heißt Training auf dem eigenen Grundlagenausdauer- Niveau. Dazu braucht es eine seriöse Leistungsdiagnostik, fundierte Trainingspläne und das Verständnis für die Sache. Das Wichtigste ist also, nie zu vergessen, dass ein gesunder Sport nur der ist, der auf die Kapazität des Einzelnen zugeschnitten ist - ansonsten ist es Glücksspiel."

Fitness für Vielbeschäftigte

Im hektischen Alltag wird es für viele leider immer schwieriger, Zeit für sich und ihren Körper zu finden. In Zeiten allgemeiner Rastlosigkeit sind Erkrankungen wie Burnout daher keine Seltenheit mehr. Dabei ist es gerade sinnvoll, dieses Hamsterrad der Hektik mit kleinen Sporteinheiten zu durchbrechen. Denn nicht nur der Körper, sondern vor allem der Geist tankt durch kurze Bewegungseinheiten Energie. Ausreden gibt's da nicht: Wer für richtigen Sport keine Zeit hat, nutzt eben die Mittagspause für einen flotten Spaziergang. Die oben genannten Studien belegen nämlich, dass nicht nur Läufer, sondern auch Walker eine deutlich verbesserte Gehirnleistung aufwiesen und bereits kurze Bewegungsintervalle positive Auswirkungen zeigten. Statt sich den Kopf vor dem Rechner zu zerbrechen, nimmt man also lieber die Beine in die Hand und bewegt sich. Wichtiger als die Intensität des Trainings ist ohnehin seine Regelmäßigkeit.


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