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    Zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 um 09:46 UhrKommentare

    Das Leben wieder neu ordnen

    Nicht jedes Fasten ist kulinarischer Verzicht. Auf spiritueller Ebene bedeutet Fasten, sich selbst wieder zu finden – und zu erden.

    Foto © AP (Symbolbild)

    Landläufig wird die Fastenzeit als Phase des freiwilligen Verzichts, des Runterschraubens, bisweilen auch als Zeit der selbst auferlegten Verbote verstanden. Für die meisten, die die Fastenzeit ernst nehmen, heißt die Herausforderung: Eine Zeit lang weniger bis gar nichts essen, den Alkohol weglassen, entschlacken, entgiften. Das wäre der rein körperliche Zugang zum Fasten.

    Spirituelles Fasten. Doch Fasten kann auch anders funktionieren. Spirituell, um genau zu sein. "Ich selbst bin zum Beispiel überhaupt keine Fasten-Jüngerin. Aber ich nutze die Fastenzeit immer gerne, um mein Leben zu ordnen"“ Das erzählt Waltraud Kraus-Gallob, Leiterin des Referates für Spiritualität der Diözese Gurk. Das Ziel der mehrwöchigen Übung lautet also eine neue Qualität der Achtsamkeit – für sich selber, für Mitmenschen und nicht zuletzt auch für die eigene Beziehung zu Gott.

    Exerzitien im Alltag. Einen Weg zum spirituellen Fasten können "Exerzitien im Alltag" darstellen, für die Kraus-Gallob und ihr Team Behelfe bereitstellen. In den Unterlagen orientiert man sich an einem 30-tägigen Übungsweg, der auf Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, zurückgeht. Meditative Textstellen aus den Paulusbriefen stellen den Bezug zum aktuellen Paulusjahr her. Lässt sich dieser Übungsweg – zumindest in Stichworten – beschreiben? Kraus-Gallob: "Am Beginn sollte ein Zwischenstand gezogen werden. Etwa mit Fragen wie: Wo werde ich gelebt und wo kann ich meine Zeit noch selbst gestalten? Gibt es für mich Freiräume, bleibt überhaupt Zeit zu beten? Auch die Beziehungen zu den Mitmenschen sollten einer genauen Betrachtung unterzogen werden. Wo sind da die Knoten, wo kriselt?s? Was läuft gut?"

    Spazieren gehen und Sinne schärfen. Kurzum: Ganz schön happige Fragen für uns, die wir uns gerne vom Alltag treiben lassen. Gültigen Antworten kann man sich nur Schritt für Schritt nähern. Kraus-Gallob meint das wortwörtlich, durch "Aufmerksamkeits-Spaziergänge". "Allein in die Natur zu gehen, schärft die Wahrnehmung nach außen und innen und weckt die Sinne." Dabei ließe sich auch wunderbar über seine Beziehungen – zu Gott und zu Menschen, die einem wichtig sind – nachdenken. Ehrlichkeit mit sich selbst, darum geht?s. "Sich dem stellen, was ist. Und zu hinterfragen, wie man damit umgeht", so drückt es Kraus-Gallob aus.

    Dunkle Kapitel. Zu diesem "Sich-selbst-den-Spiegel-vorhalten" gehört immer auch eine intensive Auseinandersetzung mit dunkleren Kapiteln des Lebens, die eigenen "Kreuzeserfahrungen". Und letztlich auch die Frage nach dem, was einen trotz dieser Ereignisse weiterleben lässt, was Freude bereitet. Das Auferstehungs-Thema, gewissermaßen. Was die einen mit einem großen Reinemachen im Körper erreichen, gelingt den anderen durch derlei "Exerzitien im Alltag" im Denken. Man schärft die Wahrnehmung für sich selbst. Das eigene Verhalten dementsprechend anzupassen, sollte dann ganz automatisch gelingen.

    JOHANNA BAINSCHAB

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