Fasten: Körperliche und seelische Wohltat
Enthaltsamkeit hat positiven Effekt auf die Psyche. Solange sich die Idee im Alltag nicht verselbstständigt.

Foto © APA/Andreas Gebert (Symbolbild)
40 Tage lang kein Alkohol, nichts Süßes oder weniger
Rauchen: Zur Fastenzeit schießen die guten Vorsätze beinahe wie
Schwammerln aus dem Boden. Welchen Nutzen die selbst gewählte
Abstinenz abseits des religiösen Faktors hat, erläuterte Cornel
Binder-Krieglstein vom Berufsverband Österreichischer Psychologen
(BÖP) im Gespräch mit der APA. Die Hauptsache sei jedenfalls, sich
selbst etwas zu beweisen und so zu stärken. Im Alltag überhandnehmen
sollte der gute Wille aber nicht.
Motivationsgründe.
Prinzipiell gehe es beim Fasten immer um Verhaltensänderungen -
"und die sind das schwerste überhaupt", so Binder-Krieglstein. Aus
psychologischer Sicht könne man zwei Motivationsgründe dafür
unterscheiden: zum einen das Ideal, dem man nachkommen möchte, und
zum anderen den schlichten Willensbeweis. Klar sei jedoch, dass zum
gewählten Thema eine gewisse Affinität vorhanden sei, meist handle es
sich um gesundheitsschädliche Dinge, die mit einem "Das sollte ich
nicht tun"-Gefühl gekoppelt sind, erklärte der Psychologe.
Positiver Effekt.
Der Effekt, den das Fasten mit sich bringt, ist für die Psyche
prinzipiell positiv. "Man weiß dann: Ich kann ein Vorhaben umsetzen
und habe die Befähigung, tiefe Gelüste im Zaum zu halten", sagte
Binder-Krieglstein. So werde das Selbstbewusstsein gestärkt. Die Zeit
des Fastens könne man auch für einen Reflexionsprozess nutzen und
prüfen, wie lange man die Enthaltsamkeit durchhält bzw. ob und wie
man den Verzicht auf das abendliche Glas Wein, die Tafel Schokolade
oder die Zigarettenpause kompensiert.
Kontrolle behalten.
Im Alltag verselbstständigen sollte sich die Idee aber trotz allem
positiven Nutzen nicht: "Wenn das Thema Dominanz im täglichen Leben
bekommt, wenn man zum Beispiel den ganzen Tag darüber nachdenkt, was
man isst und Kalorien zählt, dann beeinträchtigt das den Alltag. Das
Verhalten lässt sich dann nicht mehr abstellen und man misst ihm zu
viel Gewicht bei", warnte der Psychologe. "Man muss selbst die
Kontrolle über das Essen haben und nicht umgekehrt", fügte er hinzu.
Nicht aufgeben.
Hält man seinen Vorsatz nicht durch, ist in Trauer zu verfallen
und zu glauben, dass man es eben nicht schafft, der falsche Weg.
Besser wäre es, das Vorhaben erneut in Angriff zu nehmen und es beim
zweiten Versuch einfach anders anzugehen. Nur weil man einmal
gescheitert sei, bedeute das schließlich nicht, dass etwas
prinzipiell nicht möglich sei, betonte der Experte.














