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Zuletzt aktualisiert: 26.04.2008 um 21:40 Uhr

Perfekter Segler und scharfsichtiger Jäger

42 Steinadler-Paare leben im Nationalpark Hohe Tauern. Eine Ausstellung widmet sich dem Großvogel, der vor der Ausrottung stand.

Wenn ein Steinadler mit seinen Fängen - den krallenbewehrten Füßen - sich seine Beute greift, werden ungeheure Energien frei. Mit einer Druckkraft von bis zu 70 Kilogramm pro Quadratzentimeter bohren sich die Krallen in das Beutetier, töten es blitzartig. Dagegen ist der Händedruck eines Menschen eine schwache Angelegenheit - mit gerade einmal 20 Kilogramm pro Quadratzentimeter.

Sonderausstellung. Ausprobieren kann dies jeder Besucher der Sonderausstellung "Im Reich des Steinadlers", die ab heute im Nationalparkzentrum Bios läuft: Bei einem Apparat mit Druckvorrichtung zeigt eine Mess-Skala die Menschen-Adler-Kräfte an. Weit überlegen ist uns der Großvogel auch bei der Schärfe der Augen: Seine Sehkraft ist etwa dreimal so stark, wie jene von Menschen, wobei Steinadler die Welt wie durch ein Fernglas sehen. So entgeht dem Greifvogel bei seinem Segelflug - bei dem er mit seinen die Thermik seines alpinen Lebensraumes perfekt nützt - keiner der köstlichen Leckerbissen, die sich unter ihm auf den weitläufigen alpinen Flächen tummeln: Murmeltiere, Hasen Kitze von Reh, Gams oder Steinbock,Schafe, Vögel, Rauhfußhühner, Füchse, Mäuse. Mit diesen Tieren ist der Tisch in der warmen Jahreszeit reich gedeckt. Im Winter sattelt der Steinadler auf Aasfresser um: Wild, das unter Lawinen verendet, sorgt dafür, dass der Steinadler auf seine täglich benötigte Mindestration von etwa 200 Gramm Fleisch kommt.

Schutzprogramme. Unter diesen Bedingungen konnten die Steinadler gut existieren, bis ihnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Mensch den Garaus machte: Damals brach eine Welle der Raubtier-Verfolgung los. Die Steinadler wurde von Jägern und Bergbauern als Konkurrent angesehen und mit dem Gewehr, mit Giftködern und Fangeisen unerbittlich gejagt, bis sie beinahe ausgerottet waren. Etwa ab 1920 begann ein Umdenken, Schutzprogramme wurden gestartet.

Gute Bedingungen. "Dank der Schutzprojekte sind die Lebensbedingungen für Steinadler in den Alpen wieder bestens", erklärt Klaus Eisank, Leiter der Nationalpark Zweigstelle Mallnitz bei einer Vorab-Führung durch das Bios. "Allein im Nationalpark Hohe Tauern wurden 42 Paare festgestellt. Im gesamten Alpenbogen sind es etwa 1500 Paare." Sie sind treue Partner, gehen - wenn sie mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif geworden sind - eine Einehe ein, bauen sich zwecks Familiengründung einen Horst. Aus zwei Eiern, die im März gelegt und etwa eineinhalb Monate lang bebrütet werden, kommt meist nur ein Junges durch. "Wir haben aber bei uns im Tauerntal einen Horst unter Beobachtung, wo in den vergangenen Jahren dank des guten Nahrungsangebotes immer zwei Junge aufgezogen werden konnten", erzählt Eisank. Etwa 30Tage lang werden die Jungen gefüttert, danach sind sie selber in der Lage, die Beute zu zerlegen und zu fressen. Nach etwa 70 Tagen im Nest geht es dann hinaus ins Gelände: Ende Juli, Anfang August beginnt die Lehrzeit, die Eltern zeigen den Jungen die hohe Kunst der Beute-Jagd.

Kolkraben-Feinde. Attackiert werden Steinadler als Fress-Feinde von Kolkraben, auch mit Bartgeiern kann es zu Revierkämpfen kommen. Wirklich zu kämpfen hat der Steinadler aber mit "mensch-gemachten" Schwierigkeiten: So führt die bleihaltige Munition in angeschossenem, verendetem Wild, das der Steinadler als Aas verzehrt, zur Vergiftung der Vögel. Ein großer Störfaktor sind Bergsportler und Paragleiter, die zu nahe an Adlerhorste herankommen: Das kann bei den extrem störungsempfindlichen Vögeln sogar zu einem Brut-Abbruch kommen.

Kabel-Gefahr. Eine weitere, meist tödliche Gefahr droht den eleganten Seglern von Leitungen - wie Seilbahnen, Hochspannungen, etc. - die sie bei Nebel nicht wahrnehmen und in die sie hineinfliegen. Sind Steinadler keinen Unfällen ausgesetzt, werden sie laut wissenschaftlichen Forschungen bis 30 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 50 Jahre alt. Der älteste bekannte Steinadler im Freiland erreichte ein Alter von 32 Jahren.

REGINA ROTHAUER





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