WALTER RÖHRL TESTETDer Kia Stinger ist ein Stachel im Fleisch

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Kia Stinger.

Aber hallo. Der Kia Stinger ließ auch Walter Röhrl staunen © OLIVER WOLF
 

Daran, dass die Koreaner in vielen Segmenten bei der Musik sind, ist nicht mehr zu zweifeln. Ob Kleinwagen, Kompaktklasse, Limousinen oder SUV - da können sich Hyundai und Kia schon länger mit den Besten messen. Ein weißer Fleck war allerdings die Kategorie Sportwagen - um dieses Thema machten die Asiaten bis dato einen weiten Bogen.

Mit dem Stinger tritt Kia jetzt aber den Beweis an, dass Korea auch sportliche Autos kann. Und zwar ziemlich gut kann. Für mich ist der coupéartige Viertürer nicht bloß der stärkste und schnellste Wagen der Marke, sondern auch der bislang schönste. Da ist dem deutschen Chefdesigner Peter Schreyer ein großes Kompliment zu machen, der Stinger trägt sein Herzblut.

Wie sehr der Stinger geglückt ist, beweist auch die Tatsache, dass er medial ordentlich Wind macht. Dass eine koreanische Sportlimousine auf Anhieb den deutschen Platzhirschen einheizt und seinem Namen als Stachel im Fleisch gerecht wird, ist schon erstaunlich.

Ich gebe zu: Auch mich hat der Stinger beeindruckt - vor allem in der mir zur Verfügung gestellten Topversion mit Allrad und 370 PS. Auch wenn es da und dort vielleicht noch ein wenig an Feinschliff fehlt für einen Premium-Anspruch, gibt sich der Kia kaum eine Blöße. Es gefällt, wie der Stinger den Spagat zwischen Gran Turismo und Sportwagen hinkriegt und souverän zwischen Komfort und krachendem Sport-plus-Modus wandelt.

Modellvorstellung: Kia Stinger GT

Der Kia Stinger GT ist ein 4,8 Meter langes und 1,9 Meter langes viertüriges Coupé im Stile des BMW 4er GT, optisch stark an die Studie Kia GT von 2011 angelehnt. Die lange Schnauze, die geduckte Dachlinie und das kräftige Heck zeigen sofort den Unterschied zu Cee'd und Co.

KIA

Damit der spitzeste Stachel der Koreaner auch das hält, was das Design verspricht, steht der Stinger auf einer völlig neuen Plattform mit Heckantrieb.

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Großteils kam ultrahochfester Stahl zum Einsatz, der eine extrem steife Karosseriestruktur zulässt und den Fahrwerksingenieuren eine optimale Basis für hohe Querdynamik bietet.

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So ist der Stinger der erste Kia mit verstellbarem Fahrwerk, das genauso wie die Lenkung in fünf Modi variiert werden kann. Ehrensache, dass das finale Setup auf der Nürburgring-Nordschleife erarbeitet wurde.

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Weil in vielen Regionen eine angetriebene Achse nicht reicht, gibt es wahlweise auch zu Allradantrieb, der aber natürlich mit hecklastiger Kraftverteilung sowie Torque Vectoring ausgelegt wurde.

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Passend dazu bietet Kia zwei kräftige Benzinmotoren an. Einen Zweiliter-Vierzylinder mit Turboaufladung und 255 PS sowie einen 3,3-Liter-V6, der gleich über zwei Lader verfügt und 365 Pferde stemmt.

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Das reicht für 5,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h sowie 269 km/h Spitze. Serienmäßig ist beim Stinger eine Wandler-Automatik mit acht Gängen verbaut.

KIA

Natürlich verfügt Kias dynamischster Vertreter über alle modernen Assistenz- und Infotainmentsysteme, bis hin zum Head-up-Display, Radartempomat und Verkehrszeichenerkennung.

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Auch wenn es keinen Diesel gibt – der Stinger ist dennoch nicht nur den amerikanischen und asiatischen Märkten vorbehalten. Er kommt auch nach Deutschland und Österreich.

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Wann er aber zu uns kommt und wieviel er kosten wird, das behalten Schreyer und sein Team noch für sich. Vor Dezember 2017 darf mit dem spitzesten Kia aller Zeiten aber nicht gerechnet werden.

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Lässt man wirklich den Stachel raus, geht der Stinger - moderiert von einem adaptiven Fahrwerk und fünf Modi - ab wie die sprichwörtliche Post: Der doppelt aufgeladene 3,3-Liter-V6 ist ein Kraftspender vom Feinsten, hängt dezent knurrend sauber am Gas, der Allradantrieb ist schön heckbetont ausgelegt, die serienmäßigen Brembo-Bremsen stellen die Verzögerung des 1,8 Tonners nicht infrage. Im Grenzbereich kann der Stinger freilich schnell giftig werden, da sollte man vielleicht doch nicht übermütig werden.

Wie wohnt es sich im Stinger? Recht luxuriös. Es gibt feines Nappaleder-Gestühl, das Platzangebot ist dank des beachtlichen Radstands von 2,91 Metern auch im Fond gut - sofern nicht ein Lulatsch wie ich hinten hockt. Cockpit und Armaturen passen, Materialmix und Anmutung sind okay. Doch das Beste kommt zum Schluss: der Preis. Mit 62.790 Euro inklusive der All-inclusive-Ausstattung, aller Assistenten und Sieben-Jahre-Garantie ist der Stinger ein Sonderangebot.

Kia Stinger 3,3 AWD

Preis. 62.790 Euro.
Motor. V6-Turbobenziner, 3342 ccm, 370 PS bei 6000 U/min, max. Drehmoment 510 Nm von 1300 und 4500 U/min.
Kraftübertragung. Allradantrieb, 6-Gang-Automatik.
Fahrleistungen. 0-100 km/h in 4,9 s, Vmax 270 km/h.
Normverbrauch. 10,6 Liter/100 km, 244 g CO2/km.
Abmessungen/Gewichte: 4830/1870/1400 mm L/B/H, 2810 mm Radstand, Gewicht 1750 kg, Gepäckraum 480/ 1300 l, Tankinhalt 60 l.
Ausstattung: Brembo-Bremsen, Head-up-Display, Navi, LED-Scheinwerfer, elektr. Fahrwerkssteuerung, Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat, Knieairbag Fahrer, Nappa-Voll-ledersitze, achtfach elektrisch verstellbare Vordersitze etc.

Kommentare (1)

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Kristianjarnig
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Lesenswert?

Sehr interessanter Preis bei mehr als Vollausstattung.

Fahre derzeit einen 3er BMW der 7 Jahre alt ist(320d Xdrive) und bei weitem keine Vollaustattung hat sondern nur das nötigste mit Österreich PAket und sonstigen Spielereien und der Neupreis lag fast bei dem vom Kia(der wirklich alles hat was man sich wünschen kann).

Ich werde mir den Stinger definitv mal bei einem Kia Händler anschauen und Probefahren. Könnte mein nächster werden.
Bin die Apothekerpreise vor allem für Extras bei den deutschen Herstellern mehr als Leid(obwohl deutsche Fahrzeuge sicher Top sind). 7 Jahre Garantie hat auch kein Deutscher, mehr als 4 Jahre kriegt man bei BMW nicht, weitere Jahre dar man sich "preisgünstig" dazukaufen(wird wohl bei allen so sein).

Das Vergleichvideo überzeugt auch durchaus, der 640i wurde ja in allem deklassiert und das obwohl das Ding mehr als das doppelte kostet. Sehr interessant.

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