IM TESTDer VW Crafter ist eine Wundertüte, die niemals voll wird

VW Crafter: Fahrerisch ein Quantensprung oder warum die Digitalisierung doch noch klassische Transporter braucht.

Rund sechs Meter lang, watscheneinfach zu bewegen, samt Fassungsvermögen eines Rückhaltebeckens: VW Crafter © Oliver Wolf
 

Seine Wurzeln aus der alten Liaison mit dem Mercedes hat der Crafter ja längst abgelegt: Volkswagen setzte seinen Transporter für 2017 ganz neu auf, sogar ein eigenes Werk wurde dafür aus dem Boden gestampft. Die Hintergründe dafür sind seltsamerweise - weil's eben ein klassischer Transporter ist - auch auf den digitalen Wandel zurückzuführen. Neben den klassischen Einsatzgebieten des Crafter (vom Rettungswagen bis zum Wohnmobil) giert der boomende Onlinehandel und die damit stetig wachsende „Zulieferindustrie“ nach gut fahr-, manövrier- und wandelbaren Konzepten, die online bestellte Weihnachtsgeschenke auch bis in den letzten Winkel eines verlassenen Almtals bringen können. Und sich dabei fahren lassen wie ein ganz normales Auto. Man merkt ja erst beim Einparken des VW Crafter, in was für einem Trumm von Auto man sitzt. Immerhin ist das Raumwunder rund sechs Meter lang.

Neue Modelle: VW Crafter

Volkswagens XL-Transporter scharrt in den Startlöchern: Im Herbst tritt der neue Crafter seinen Job an.

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Bis zu drei Fahrzeuglängen stehen je nach Modell zur Auswahl. Hinzu kommen noch bis zu drei unterschiedliche Dachhöhen bei den geschlossenen Aufbauten.

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Der 2-Liter-TDI ist in vier Leistungsstufen verfügbar: Dem Kunden stehen wahlweise 102, 122 sowie 140 PS – oder als BiTurbo-TDI mit 177 PS zur Verfügung.

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Die Motorisierung sind mit Front-, Heck- oder auch Allradantrieb kombinierbar. Zusätzlich hat der Kunde bei allen Antriebsarten die Wahl zwischen Schalt- und Automatikgetriebe.

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Erstmals kommt im Crafter eine elektromechanische Lenkung zum Einsatz, weshalb aktive Fahrassistenzsysteme wie beispielsweise ESP mit Gespannstabilisierung, automatische Distanzregelung ACC, Multikollisionsbremse, ein optionaler Seitenwind- oder ein Anhängerrangierassistent zu haben sind.

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Auch hinsichtlich passiver Sicherheitssysteme hat der VW aufgerüstet: Neben Front-, Seiten- und Kopfairbags für Fahrer und Passagiere gibt es Rückfahrkamera, Parkdistanzkontrolle und Ausparkassistenten (Rear Traffic Alert). Dazu kommen LED-Scheinwerfer, Abbiegelicht, Fernlichtassistent oder mobile Onlinedienste.

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Fahrerisch ist ein Quantensprung zur letzten Generation gelungen: Erstens läuft der Diesel erstaunlich ruhig für einen Transporter, nur bei den Windgeräuschen auf der Autobahn wird man hellhöriger. Die Federung macht einen guten Eindruck. Freilich ist sie stramm darauf ausgelegt, dass sie sich auch bei hohen Gewichten nicht beeindrucken lässt - aber der Komfort geht okay. Wer sensibel auf eine bisweilen polternde Hinterachse reagiert, kann sich ja einen schwingenden Sitz gönnen. Das Handling? Ein so großes Auto, das sich so simpel selbst mit Beladung bewegen lässt, schindet Eindruck, die Lenkung spielt ihre Stärken in jedem Aggregatzustand (Stadtverkehr, Autobahn) aus. 140 PS reichen, die 177 PS sind dick aufgetragen, markieren jedoch mit Allrad und 8-Gang-Wandlerautomatik die Spitze.

VW Crafter

Preise. Ab 26.748 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) legt der Crafter los. Der Kastenwagen Crafter 35 mit Hochdach (mittlerer Radstand) kommt mit Allrad und 140 PS/6-Gang-Schaltung auf 43.814 Euro. Crafter 35 Pritsche (mittlerer Radstand/Einzelkabine) 102 PS/ 6-Gang 36.196 Euro.
Motoren. 102 sowie 140, 177 und 122 PS stehen bei den TDI-Motoren zur Auswahl. Front und Allradantrieb (Heck nur bei bestimmten Modellen). 6-Gang-Schaltung/8-Gang-AT.
Maße. 5986 bis 7004 mm ist der Crafter lang. Das Fassungsvermögen bewegt sich von 9,3 bis 14,4 Kubikmeter.
Gewichte. 704 bis 2968 kg als Zuladung maximal. Zul. Anhängelast/gebremst/12 Prozent Steigung: 2500-3000 kg.
Versionen. 3 Fahrzeuglängen und drei Dachhöhen sind verfügbar. Mehrere Karosserievarianten (Kastenwagen, Einzelkabine/Doppelkabine Pritschenwagen, Hoch-/Normaldach).

Natürlich sieht man im Crafter Konzern-Anleihen, beim Cockpit kommt uns schon der T6 in Erinnerung, was nicht die schlechteste Referenz ist. Natürlich haben auch die Konzern-Assistenzsysteme (schlaue wie ein Seitenwindassistent, diverse Bremssysteme etc.) in den Crafter gefunden.

Das Beste zum Schluss: Wer viel zu laden hat, sollte gefestigt sein. Wer die mindestens neun Kubikmeter alleine anfüllen muss, fühlt sich anfangs einsam in einem Laderaum, der wirkt wie eine kleine Kathedrale.

 

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