WALTER RÖHRL TESTETMit dem Stelvio bleibt Alfa am Gas

Walter Röhrl, Doppel-Rallye-Weltmeister und Kleine-Zeitung-Cheftester, über den Alfa Romeo Stelvio.

Walter Röhrl und der Alfa Stelvio © OLIVER WOLF
 

Die Marke Alfa gehört für mich zu den klingendsten Namen in der Autobranche - auch wenn die Italiener, die zum Fiat-Konzern gehören, lange Zeit nur mit Standgas unterwegs waren. Aber jetzt hat man die Marke aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt, man baut ansehnliche Autos - und an einer Modellstrategie. Wenn man dann tiefer ins Straßenbild dringen will, führt kein Weg am SUV-Segment vorbei. Deshalb gibt es jetzt den Stelvio.

Fahrspaß gehörte zum Markenkern von Alfa, die Italiener haben sich auch redlich bemüht, dieses Credo frisch zu implementieren. Der Stelvio will einfach gefahren werden. Von einem echten Piloten. Das beginnt schon bei der Lenkung: Der Stelvio lenkt wirklich auffallend scharf ein - in dieser Ausprägung erstaunlich für einen SUV, da grenzt man sich schon einmal klar von der Masse ab.

Modellvorstellung: Alfa Romeo Stelvio

Alle tun es – jetzt auch Alfa Romeo: Mit dem Stelvio zeigen die Italiener das erste SUV der Marke. Und zwar das Topmodell Quadrifoglio. Falls Ihnen der Name Stelvio bekannt vorkommt: Er ist eine Hommage an den höchsten asphaltierten Pass in den italienischen Alpen, den zweithöchsten in ganz Europa – das Stilfser Joch.

ALFA ROMEO

Und auch das Design haben wir doch schon einmal wo gesehen: Da orientiert sich das SUV stark an der Mittelklasselimousine Giulia, die auch die technische Basis bildet. Nur eben im ersten Stock. Der Fünftürer ist 468 Zentimeter lang, 165 Zentimeter hoch und 216 Zentimeter breit – und rundum gelungen. Was soll man zu italienischem Design sonst noch sagen.

ALFA ROMEO

Aber nun zurück zum Topmodell Quadrifoglio: Dessen V6-Biturbo-Benziner mit 2,9 Litern Hubraum leistet 510 PS und ist mit einem Achtstufen-Automatikgetriebe kombiniert. Die Abgasanlage mit vier Endrohren verdeutlicht, das es hier zur Sache geht. Ein Auge auf den Verbrauch hat die Zylinderabschaltung.

ALFA ROMEO

Der Allradantrieb Q4 leitet Kraft an die Vorderräder über ein zusätzliches Differenzial sowie ein aktives Verteilergetriebe. Abhängig von Fahrzustand und Haftungsniveau jedes einzelnen Reifens verteilt Q4 das Motordrehmoment stufenlos zwischen Vorder- und Hinterachse.

ALFA ROMEO

Bei normalen Fahrbedingungen arbeitet Q4 im neuen Alfa Romeo Stelvio wie ein herkömmlicher Hinterradantrieb, 100 Prozent der Motorkraft werden an die Hinterachse übertragen. Erreichen die Hinterräder ihre Haftgrenze, wird in Sekundenbruchteilen das Ansprechverhalten des Verteilergetriebes geändert und bis zu 50 Prozent des Drehmoments zur Vorderachse umgeleitet.

ALFA ROMEO

Der Quadrifoglio verfügt serienmäßig über die Fahrdynamikregelung Alfa DNA Pro. Zur Wahl stehen die Stufen „Dynamic", „Natural", „Race“ für höchste Performance sowie „Advanced Efficient" für möglichst ökonomische Fortbewegung.

ALFA ROMEO

Die Hinterachse ist mit einem elektronisch gesteuerten Sperrdifferenzial ausgerüstet, das mit Hilfe einer Doppelkupplung das zur Verfügung stehende Drehmoment aktiv zwischen rechtem und linkem Rad aufteilt (Torque Vectoring).

ALFA ROMEO

So viel zum Topmodell – aber was tut sich darunter? Alternativ wird der Stelvio mit einem Zweiliter-Turbobenziner erhältlich sein. Dessen Leistung beträgt 280 PS, das maximale Drehmoment 400 Newtonmeter bei 2250 Touren. Von einem Diesel verliert Alfa zu diesem Zeitpunkt kein Wort – ist in Los Angeles schließlich gerade nicht groß in Mode – aber da dürfte wohl auch die Giulia mit ihrem 2,2-Liter-Vierzylinder (150 und 180 PS) Patin stehen. Zu Marktstart und Preis machen die Italiener auch noch keine Angaben.

ALFA ROMEO

Fix ist indes, dass die leicht gebogene Armaturentafel alle Bedienelemente auf den Fahrer ausrichtet. Das Lenkrad trägt die Einstellknöpfe für die elektronischen Fahrassistenzsysteme und den Startknopf für den Motor. Die sicht- und greifbaren Oberflächen bestehen aus Kohlefaser, Holz oder Hightech-Stoffen. Das Entertainment- und Navigationssystem Connect Nav 3D des Stelvio ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Alfa Romeo und Magneti Marelli.

ALFA ROMEO
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Ich favorisiere den 210-PS-Diesel mit wuchtigem Drehmoment und die Kraft ist gut auf die Acht-Stufen-Automatik aufgeteilt. Beim Verbrauch haben meine Kollegen aus der Mobilitätsredaktion von positiven Erfahrungen berichtet, für die Leistungsausbeute und das Gewicht bleibt er genügsam.

Beim Fahrwerk habe ich zwei Rückmeldungen: Einerseits läuft der Stelvio sehr gut über kleine Wellen, da macht er einen feinen Eindruck. Bei größeren Wellen ist er eher sensibel, das spürt man dann schon.

Plus & Minus

+ Fahrspaß. Die Lenkung ist so scharf eingestellt,
dass sie wirklich überrascht. So wirkt der Stelvio sehr agil.
+ Kräftemessen. Der 210-PS-Diesel wäre mein Favorit. Die Acht-Stufen-Automatik ist fein, das Drehmoment exzellent, der Verbrauch passt für ein Auto dieser Größe.

- Kompromiss. Guter Komfort, aber sensibel bei größeren Wellen.

Beim Design überzeugt mich vor allem die Front, die ist Alfa pur. Seitlich und beim Heck hat man einen Schwung gefunden, der Mainstream bleibt.

Das Interieur hat man nicht überkandidelt, es ist eher klassisch gehalten. Platzangebot? Meine Größe ist die maximale Dimension im Fond, Größenordnungen rund um 1,80 haben sogar noch Luft.

Der Stelvio kann also durchaus überzeugen. Man ist zumindest auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Und das auf Anhieb. Wenn die Italiener so weitermachen, hat Alfa eine Zukunft. Aber sie müssen am Gas bleiben.

ALFA ROMEO STELVIO

Preis: 180-PS-Diesel 44.020 Euro; 210-PS-Diesel/Allrad ab 51.230.
Motor: 2,2-l-4-Zylinder; 210 PS bei 3750 U/min; 470Nm/1750U/min.; Allrad; Acht-Stufen-Automatik; 5,5 l/4,4 l/4,8 l auf 100 km städtisch/außerstädtisch/gesamt.
Abmessungen: 4687/1903/1648 mm L/B/H, 525 l Kofferraum.
Serienausstattung: Kollisionswarner; Notfall-Bremssystem/Fußgänger-Erkennung, Spurhalte-Assistent.

Kommentare (1)

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styria777
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1
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Enttäuscht

Leider bin ich nach der vollmundig angekündigten Wiederauferstehung der Marke Alfa Romeo schwer enttäuscht.
Als eingefleischter Fan dieser Marke - besaß bereits mehrere Modelle - wollte ich nach mehrjähriger Abstinenz wieder einen neuen Alfa kaufen. Dies scheiterte einerseits an der mangelnden Qualität im Vergleich zur deutschen Konkurrenz, andererseits aber vor allem an der Inkompetenz und Arroganz des Händlers. Wenn schon Premiumpreise aufgerufen werden, darf ich mir auch einen adäquaten Service erwarten. Hier hinkt man noch weit hinter den deutschen Premiummarken her. Daher habe ich mich schlussendlich auch für ein solches Fahrzeug entschieden.
Alfa sollte seinen Vertrieb überdenken. Leute, die üblicherweise Renault Clios und Fiat 500er verkaufen, sind offensichtlich nicht dazu geeignet, die Ansprüche von Käufern hochpreisiger Fahrzeuge zu erfüllen.

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