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Volle Kraft voraus

FLAGGSCHIFFE. Schnell sind sie beide, und dennoch völlig unterschiedlich. Doch in Kombination ergeben Sportwagen und Jachten ein unschlagbares Duo. Kein Wunder, dass immer mehr Hersteller darauf abfahren.

Die Boote von Bugatti und AMG gehen völlig andere Wege © KK
 

Diese Formen! Der lang gezogene Bug, die geschwungenen Seitenlinien und erst das knackige Heck. Ganz zu schweigen von dem gewaltigen Motor, der sich unter der sehnigen Außenhaut versteckt – ein einziger Traum. Wenn Vater und Sohn auf einem Parkplatz große Augen bekommen und dermaßen ins Schwärmen geraten, sind zwei Dinge meist klar. Erstens: Das Objekt der Begierde ist für beide unleistbar. Und zweitens: Es handelt sich mit ziemlicher Sicherheit nicht um einen Minivan, sondern um etwas Reinrassiges, Schnelles, Sportliches. Eine luxuriöse Flunder für den gepflegten Ausflug am Wochenende. Doch ob dieses Fahrzeug auf Rädern steht, davon hat keiner was gesagt.

Tatsächlich ist es so, dass Attribute, die auf einen lupenreinen Sportwagen zutreffen, auch bei einer Motorjacht perfekt passen. Beide stehen für die schöneren Seiten des Lebens, und daher war es fast nur logisch, dass sich bestimmte Marken der automobilen und nautischen Fraktion für Kooperationen zusammengeschlossen haben. Heraus kommen beeindruckende Boote, die zeigen, dass ein gelungenes Design nie wässrig wirkt – nicht auf der Straße und erst recht nicht zu Wasser.

Bugatti Niniette 66. Wir reden hier von einem echten Superlativ. Bugattis Chiron hat als schnellster Seriensportwagen der Welt schließlich einen Ruf zu verteidigen. Mit mehr als 1200 PS und 400 km/h Endgeschwindigkeit kommt ihm so schnell zwar kein Boot nach – doch dafür hat Palmer Johnson bei der Niniette 66 auf ganz anderen Gebieten die Messlatte kräftig nach oben gelegt. Mit gut 20 Meter Länge zählt sie zu den opulentesten Motorjachten der Welt. Leder, Wildleder, poliertes Metall und natürlich ultraleichte Kohlefaser geben sich im Innenraum die Ehre, wobei als besonderes Highlight sogar exklusive Morta-Eiche zur Anwendung kommt, wie man sie sonst nur vom Orgelpfeifenbau kennt. Und während der Chiron fast schon ein Flugzeug auf Rädern ist, ist die Niniette fast schon eine Villa zu Wasser. So zählen Oberlichten, ein Jacuzzi und sogar eine Feuerstelle zu den exklusiven Features. Und weil die Frage bestimmt kommen wird – natürlich ist sie bei Weitem nicht so flott wie der vierrädrige Bugatti, mit 44 Knoten Topspeed gilt sie aber trotzdem als äußerst flottes Fortbewegungsmittel. Ein kleiner Trost für uns Normalverdiener: Die Niniette 66 ist gemäß ihrem Namen auf 66 Stück limitiert. Selbst wer die rund vier Millionen Euro Kaufpreis auf der hohen Kante hat, kann also Pech haben und keine mehr bekommen.

Marauder AMG. Es ist nicht das erste Mal, dass das Cigarette Racing Team und die schnelle Mercedes-Tochter gemeinsame Sache machen. AMG-Editionen gibt es seit annähernd zehn Jahren, inklusive eines vollelektrischen Cruisers, doch die erst heuer vorgestellte achte Jacht dieser Partnerschaft stellt alle anderen in den Schatten: Der Marauder AMG ist ein 50 Fuß langes Speedboot, das die gleichen Insignien trägt wie der AMG GT R – und zwar punkto Leistung und Design.

Was natürlich sofort ins Auge sticht, ist die Lackierung. Nicht nur, dass das grundsätzliche Design des Rumpfs vom schnellen Schwaben inspiriert wurde – die Farbe „Green Hell Magno“ stammt direkt vom GT R, die verwendeten Grafikelemente steuerte die Designabteilung aus Untertürkheim bei und die Sitzbezüge aus feinstem Leder stammen aus dem AMG-Performance-Studio. Für standesgemäßen Vortrieb sorgen zwei Mercury-Triebwerke mit acht Zylindern und bis zu 1550 PS – jeweils, wohlgemerkt. Die insgesamt 3100 Pferdestärken sollten für alle Eventualitäten ausreichen. Die Motorabdeckungen bestehen wie jene des GT R natürlich aus Kohlefaser, ebenso wie große Teile des Cockpits. Was der AMG zum Badengehen kostet? Im Vergleich zu den Kollegen von Bugatti lässt einen das Cigarette Racing Team hier komplett im trüben Wasser angeln. Der Preis wird nämlich nur auf Anfrage verraten. Immerhin fiel kein Wort über eine limitierte Auflage.

Porsche Fearless 28. Die Zusammenarbeit von Porsche Design mit Luxusboothersteller Fearless reicht zurück bis in das Jahr 2007 – und wie es für die Sportwagenmarke nicht anders sein konnte, war deren Zugang ähnlich radikal wie bei ihren reinrassigen Rennfahrzeugen. Die Fearless A28 ist somit keine klassische Jacht, sondern fast schon ein lupenreines Speedboot mit 550 PS und Rennsitzen für die etwas flotteren Ausflüge zu Wasser. Der Preis war mit rund 350.000 Dollar sogar einigermaßen attraktiv, doch das reichte den Zuffenhausenern noch nicht. Also entwarfen sie eine Full-Size-Luxusjacht, streng nach dem Vorbild des ewigen 911. Dieses Mal sollte die schwedische Incat Crowther sich um die Umsetzung kümmern, doch bis auf zwei Vorserienmodelle ist noch nicht viel passiert. Wir bleiben gespannt.

Die Aston Martin AM 37 ist bereits erhältlich und mit bis zu 520 PS zu haben. Revolutionär: der tief gezogene Bug Foto © Max Earey

Aston Martin Quintessence AM 37. Es hätte kaum einen schöneren Rahmen geben können als die Monaco Yacht Show. Dort feierte die AM 37 ihre Weltpremiere, wobei Aston Martin nicht einfach nur den Look der neuesten Jacht von Quintessence vorgab. Hier ging es um echte technische Errungenschaften. Das tief gezogene V des von Mulder Desing entworfenen Rumpfes ermöglicht es den Insassen, selbst dann trocken zu bleiben, wenn man komfortabel und ohne großes Aufschaukeln durch hohe Wellen pfeilt. Ganz klassisch nach dem Vorbild aus der Autowelt ist dafür die Modellpalette: Das Basismodell AM 37 verfügt über einen 430 PS starken Mercury-Motor, der für 45 Knoten Höchstgeschwindigkeit ausreicht. Das Topmodell, die AM 37 S, hingegen ist schon mit 520 PS bestückt, womit sogar 50 Knoten erreicht werden können.

Die Lexus Fast Yacht ist eine 43 Knoten schnelle Eigenentwicklung der Japaner, inklusive Küche und Dusche Foto © John Linn

Lexus Fast Yacht. Noch ist die Jacht von Lexus zwar kein Serienmodell, doch dafür unterscheidet sie ein wichtiges Detail von allen anderen Mitbewerbern: Die Toyota-Tochter hat die komplette Konstruktion alleine durchgezogen. Lexus betont, dass es sich um ein klassisches Jachtmodell handelt. Ihre Höchstgeschwindigkeit von 43 Knoten ist daher umso beeindruckender, da die flottesten Superjachten auf diesem Planeten mit 50 Knoten auch nur minimal schneller sind. Geschwindigkeit ist aber nur ein Aspekt der Japaner. Ohne genügend Komfort wäre auch keines ihrer Straßenmodelle je auf die Straße gekommen. Entsprechend finden sich bei ihrem Boot bestimmte Features, von einer Küchenausrüstung bis hin zur Dusche. Ja und mehr verrät man über dieses Projekt derzeit leider noch nicht. Die Linienführung sieht zwar vielversprechend aus, ob, und wenn, wann die Fast Yacht in Serie gehen könnte, steht derzeit noch in den Sternen.

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