Reifenprüfung

Auf der Suche nach Grip

Auch heuer testete der ÖAMTC wieder aktuelle Winterreifen auf Schnee und Asphalt. Zwar hätte das Ergebnis schlechter ausfallen können, wirklich geglänzt hat aber kaum ein Pneu.

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Ganz egal, wie ausgeklügelt elektronische Regelsysteme sein mögen oder wie aufwendig die Fahrwerke konstruiert sind – in letzter Konsequenz kommt es in Notsituationen immer auf die Reifen an. Die vier runden Dinger an jedem Eck des Autos, die die einzige Verbindung zur Straße herstellen und gerade in der kalten Jahreszeit das wichtigste Sicherheitsfeature darstellen.

Und genau deswegen unterzog der ÖAMTC in Kooperation mit seinen Partnerklubs aus Europa 28 Kandidaten in zwei Dimensionen einem groß angelegten Test. Nassbremsverhalten, Traktion auf Schnee, aber auch das Handling auf trockener Bahn – die Prüfungen waren so vielfältig wie die Bedingungen im realen Leben. Da aber nüchterne Zahlen allein einen Pneu nie ausreichend bewerten können, fließen die subjektiven Bewertungen der Fahrer in die aufwendige Bewertung mit ein.

Was durchaus positiv zu sehen ist: Wirklich unbrauchbare Reifen gibt es kaum mehr. Die schlechteste Bewertung „nicht empfehlenswert“ musste heuer nicht ein einziges Mal vergeben werden. Grundsätzlich hat sich ein hohes Niveau als Indus­triestandard festgesetzt. Doch schafft es kaum ein Produkt über dieses gute Mittelmaß hinaus. „In beiden Reifengrößen gibt es ein breites Mittelfeld an 'empfehlenswerten' Produkten mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Für Konsumenten empfiehlt es sich daher, anhand der Detailergebnisse das Modell zu wählen, das am besten zum eigenen Fahrprofil passt“, fasst ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel das Ergebnis zusa­mmen.

Neben Nassbremsverhalten und Trockenhandling sind die Eigenschaften auf Schnee die wichtigsten Kriterien, nach denen der ÖAMTC Winterreifen bewertet Foto © ÖAMTC

So können in der kleinen Dimension 185/65 R 15 nur der Goodyear UltraGrip 9 sowie der Michelin Alpin A4 mit einem „sehr empfehlenswert“ abschließen. Bei der großen Dimension 225/45 R 17 überhaupt nur der Dunlop Winter Sport 5. Das generell gute Mittelfeld sieht Eppel aber auch kritisch, denn wirklich ausgewogen sind die Talente jeweils nicht. So konnten nur die Kandidaten von Pirelli und Dunlop beim wichtigen Nassgriffverhalten überzeugen. Mängel in genau diesem Kapitel sind übrigens auch der Grund, warum zwei Kandidaten (Matador MP92 Sibir Snow und BF Goodrich g-Force Winter) lediglich als „bedingt empfehlenswert“ gelten.

Grenzwertiger Kompromiss

Um für Chancengleichheit zu sorgen und Manipulationsvorwürfen von vornherein aus dem Weg zu gehen, wurden alle Reifen anonym bei unterschiedlichen Händlern besorgt, wobei genau hier auch ein kleiner Schwachpunkt dieser Taktik liegt: die Verfügbarkeit einiger Modelle. Manche Typen fehlen etwa völlig. „Das liegt daran, dass deren aktuelle Produkte zum Zeitpunkt des Einkaufs noch nicht verfügbar waren“, erklärt Eppel.

Dafür kam gleich eine komplette zweite Gattung mit zum Test: die der Ganzjahresreifen. Also jener Reifen, die sowohl im Sommer als auch im Winter für guten Grip sorgen sollen. Eine preiswerte Alternative, da man nur mehr einen Reifensatz benötigt? „Unter der Prämisse, dass das Auto bei Schneefall stehen gelassen wird, erfüllt der Michelin CrossClimate die entsprechenden Kriterien am besten“, fasst Eppel die Ergebnisse zusammen, die ansonsten nicht so rosig aussehen, denn: Da diese Pneus zu jeder Jahreszeit funktionieren müssen, sind sie ein einziger Kompromiss bei Profildesign und Gummimischung und können im Endeffekt nichts wirklich gut. „Damit erfüllen diese Produkte in keiner Weise die üblichen Erwartungen an einen Ganzjahresreifen“, hält der ÖAMTC-Experte fest. Bridgestone A001 und Hankook Kinergy 4S H740 schlossen den Test sogar mit einem „nicht empfehlenswert“ ab: wegen großer Schwächen auf Schnee, mäßiger Bremsleistung und sehr schwacher Seitenführung bei Nässe. Es geht eben nichts über Experten – in dieser Disziplin als Winterreifen.

Die Ergebnisse im Detail

 

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