Motorraum Polizeiautos

Auf Streife. Bei der Wahl ihrer Dienstfahrzeuge war die Exekutive immer schon erstaunlich kreativ. Und in besonderen Fällen reichte sogar ein Zweitürer, solange er nur genügend PS hatte.

VW Käfer: Es war wohl wenig los auf den Straßen Anfang der 1950er-Jahre, als 24,5 PS für den Polizeidienst ausreichten. Jedenfalls war das Käfer Cabrio damals kein unübliches Vehikel für den Exekutiveinsatz. Für diverse Mopeds und Vorkriegsschnauferln wird die Motorleistung auch gereicht haben, im Laufe der Zeit gab es dann aber nur mehr die geschlossenen Versionen für den harten Alltag. Die fehlenden Fondtüren sorgten aber schnell für ungewollte Naheverhältnisse der Beamten mit der verhafteten Unterwelt, und da die maximal 50 PS selbst für den Dienst in Österreich nicht mehr ausreichten, gab es Anfang der 1970er sogar frisierte Exemplare mit frivolen 70 PS. 

Porsche

Alfa Giulia: Italiens ewiger Klassiker mit dem legendären Doppelnocker-Vierzylinder unter der Haube war nicht nur bei den Romeos der 1960er- und 1970er-Jahre erste Wahl. Auch die Carabinieri vertrauten auf die clevere Mischung aus kräftigem Antrieb, quicklebendiger Straßenlage und genügend Platz auf der Rücksitzbank, um entweder den Commissario zum Tatort oder die Mafiosi ins Gefängnis zu bringen. Die grüne Lackierung ist weit über die Landesgrenzen ­hinaus bekannt. Schließlich spielte die adrette Giulia im Dienstkleid in zahlreichen Polizeifilmen, den sogenannten Poliziotteschi, die automobile Hauptrolle.

Alfa Romeo

Rover SD1: Manchmal zählt einfach nur Leistung – vor allem bei echten Notfällen: Der Rover SD1, für den British Leyland extra ein neues Werk aus dem Boden stampfte, galt mit seinem geräumigen Fond und vor allem dem drehfreudigen 3,5-Liter-V8 als talentierter Streifenwagen, auf den man sich immer verlassen konnte: 1987 etwa musste eine Spenderleber dringend ins Cromwell-Krankenhaus im Herzen von London gebracht werden. Die Operation war schon in vollem Gange, als die wertvolle Fracht gerade erst in den Rover verladen wurde. Eile war also geboten, und tatsächlich absolvierten die tapferen Beamten die 44 Kilometer lange Strecke vom Flughafen in die Metropole in strammen 34 Minuten. Der Patient war gerettet – und der SD1 der stille Held dieser Geschichte.

Rover

BMW 502: Der Barockengel, wie die große BMW-Limousine der 1950er-Jahre aufgrund seiner schwülstigen Formgebung bis heute genannt wird, mag bei der zivilen Kundschaft ein Flop gewesen sein. Vor allem die Münchner Polizei hingegen griff sehr gerne zu diesem Modell, an dem BMW wirtschaftlich beinahe zugrunde gegangen wäre. Viel Platz im Innenraum, eine gute Straßenlage und einen gewaltigen V8 unter der Haube konnte sich in der Nachkriegszeit einfach kaum einer leisten, aber die Exekutive war damit standesgemäß ausgerüstet. Der Ruf dieses stattlichen Gesetzeshüters war mit der Zeit so legendär, dass ihm zu Ehren sogar eine Fernseh­serie mit 35 Folgen gedreht wurde: „Funkstreife Isar 12“.

BMW

Renault Alpine A 110: Auf den Rallyepisten dieser Welt galt die Alpine A 110 Anfang der 70er-Jahre als unschlagbar. Bis zu 138 PS bei gerade einmal 700 Kilogramm Lebendgewicht, das war schon eine ziemlich scharfe Ansage, laut Ansicht der französischen Gendarmerie aber eine dringend benötigte Investition. Weil zu dieser Zeit der Wunsch nach immer stärkeren Autos im Volk größer wurde, musste man schließlich entsprechend aufrüsten und griff begeistert zu. Ein Helm war nicht nur für die Motorradstreifen Pflicht. Ebenso für die Alpine-Besatzungen, damit sich bei Autobahnverfolgungen in der dünnen Plastikkarosse niemand wehtat.

Renault

Porsche 356: Ja, es gab tatsächlich eine Zeit, als ein Porsche im Streifeneinsatz nichts Außergewöhnliches war. Vor allem die Autobahnabteilungen der deutschen Einheiten griffen gern zum luftgekühlten Sportwagen, in der Urzeit allerdings fast ausschließlich zu den offenen Versionen. Der schwere Ledermantel gehörte also nicht nur zur Gardeuniform für Fotozwecke, sondern hatte vor allem im Winter durchaus seine Berechtigung. Und ein offenes Verdeck brachte vor der Erfindung der Leuchtbalken echte Vorteile: So konnte man sich einfach auf den Beifahrersitz stellen und mit der Kelle wacheln.

Porsche

Jaguar Mk 2: Man konnte wohl von einer hohen Güte des Autos sprechen, wenn sowohl die Police Force als auch die Gangstergilde auf seine Dienste vertraute. So zum Beispiel der Fall beim Jaguar Mk 2: Bei Bankräubern hatte die Sportlimousine der 1960er-Jahre schlechthin einen hervorragenden Ruf, da sie nicht nur genügend Platz für jede Menge Beute bot und sensationell ums Eck zu wuchten war, sondern mit bis zu 3,8 Liter großen Reihensechszylindern auch über genügend Power verfügte. Das nutzte natürlich ebenso die Polizei für sich. Man kann also von einem überaus sportlichen Fair Play sprechen, wenn es wieder einmal zu einer Verfolgungsjagd gekommen war – möge der Bessere gewinnen.

Jaguar

BMW Isetta: Natürlich griff die deutsche Polizei nicht unbedingt für Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden zur 2,2 Meter langen und maximal 13 PS starken Isetta. Der kleine Schnuffel mit nur einer Tür (zum Ein- und Aussteigen klappt die ganze Front zur Seite) und Heckmotor eignete sich aber tadellos für den Einsatz in den Innenstädten: Strafzettel verteilen, schnell zum nächsten Verkehrsunfall wuseln oder Eierdiebe ausfindig machen – das ging mit dem kleinsten BMW aller Zeiten am besten. Den Ganoven dann aber abzuführen, war hingegen für so manchen Beamten schon eine recht enge Angelegenheit.

BMW

Daimler SP250: Wenn sich die seriöse Polizei von London nicht für pflichtbewusste Limousinen entscheidet, sondern für leichte Cabrios, dann muss das schon sehr gute Gründe haben. Und davon gab es Ende der 1950er-Jahre genug. Die jungen Wilden machten vermehrt die Straßen der Hauptstadt unsicher. Und um sich eben von den sogenannten Café-Racern nicht mehr abschütteln zu lassen, nahmen rund 30 Daimler SP250 ihren Dienst in der Verkehrsabteilung auf. Die ausschließlich schwarzen Autos waren für ihren Job bestens gerüstet: Unter der leichten Fiberglas-Karosserie steckte ein 2,5-Liter-V8, und die Dreigang-Automatik hielt sogar vor der strengen Buchhaltung von Scotland Yard stand. Ihre Begründung, zur teureren Version mit nur zwei Pedalen zu greifen: Die Kupplung des Schaltgetriebes hätte im harten Streifeneinsatz wohl unter enormem Verschleiß gelitten – und das Polizeibudget somit unnötig belastet.

Daimler

Lamborghini Huayra: Natürlich täte man sich mit einem Supersportler am leichtesten, Temposünder und andere Schwerverbrecher aus dem Verkehr zu ziehen. Aber dass in Italien Lamborghinis auf Streife gehen, ist dennoch nur die Ausnahme. Fast schon traditionell jedoch stattet der Hersteller aus Sant’Agata Bolognese die lokale Polizia mit einem aktuellen Modell aus. Wie gesagt – einem. Die Chance, von der Mittelmotorstreife angehalten zu werden, ist also nahe null.

Lamborghini
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