Pick-ups

Auf die schräge Tour

Auf allen Vieren. Fiat Fullback, Ford Ranger und Nissan Navara sind allesamt g’standene Allrad-Pick-ups, die ihre Klettertalente im Offroad-Zentrum des ÖAMTC im Kärntner St. Veit unter Beweis stellen.

© Oliver Wolf
 

Wie Sie sehen, sehen Sie: nichts. Gerade einmal den stahl­blauen Himmel über St. Veit, das war’s aber auch schon. Dafür grammelt der grobe Kies unter den vier angetriebenen Stollenreifen, der große Turbodiesel stampft unter Last gen Gipfel, der Antriebsstrang verspannt sich hörbar über die gesperrten Differenziale. Und als der Hügel endlich erklommen ist, verschwindet der schmale Weg langsam, aber sicher unter der langen Motorhaube – genauso wie das Vertrauen in die eigenen Fahrkünste. Autofahren im absoluten Grenzbereich bei 5 km/h. In dieser Situation helfen einem Erfahrungswerte aus dem normalen Straßenverkehr nicht mehr. Was hier zählt, sind Tipps aus kundigem Mund.

„Eine Grundregel gibt es, die gilt beim Geländefahren immer: So langsam wie möglich und nur so schnell wie nötig“, verrät Valentin Steinwender, leitender Instruktor des ÖAMTC-Fahrtechnikzentrums in St. Veit, die wichtigste Zutat, um auf losem Untergrund überall und vor allem sicher voranzukommen. „Man muss ein Gefühl für die Strecke entwickeln, das Gelände lesen. Und wenn man sich nicht sicher ist, dann sollte man den Parcours lieber vorher zu Fuß abgehen.“ Das mag sich jetzt kompliziert anhören, die Grundbegriffe des Geländefahrens sind aber leicht erlernbar. Und genau zu diesem Zweck bietet der ÖAMTC im neuen Offroad-Zentrum entsprechende Kurse an.


Was jetzt noch fehlt, sind passende Fahrzeuge. „Wichtig ist ein ordentliches Allradsystem, das eine hohe Achsverschränkung zulässt und über ein sperrbares Mitteldifferenzial verfügt“, skizziert Steinwender grob die nötigen Voraussetzungen. Und unsere drei großen Pick-ups erfüllen sie mit Bravour. Fiat Fullback, Nissan Navara und Ford Ranger verfügen allesamt über einen stabilen Leiterrahmen, robuste Starrachsen sowie über hubraumstarke Selbstzünder, damit ihnen selbst bei gröberen Steigungen nicht so schnell die Puste ausgeht. Und falls doch, kann immer noch das Untersetzungsgetriebe aktiviert werden oder eben die Sperrung des mittleren Differenzials. Ansonsten sind die drei Kandidaten aber grundverschieden.

Fiat Fullback

Fiat steigt in das Segment der großen Alleskönner-Pick-ups gleich mit einem kompletten Modellprogramm ein: Den Fullback gibt es nämlich als zweitürige und viersitzige Klubkabine oder als vollwertige Doppelkabine, die über vier Türen und fünf Sitzplätze verfügt. Je nach persönlicher Vorliebe kann zwischen Heck- und Allradantrieb gewählt werden, geschaltet wird entweder manuell mit einem Sechsganggetriebe oder einer Fünfgangautomatik. Der kleine Wendekreis von 11,8 Metern liegt beinahe auf Pkw-Niveau und als Antrieb steht ein komplett aus Aluminium gefertigter 2,4-Liter-Turbodiesel zur Verfügung, den es mit 150 oder 180 PS gibt.

Foto © Oliver Wolf

Fiat Fullback

Niedrigster CO2-Wert: 169 g/km
Geringster Verbrauch: 6,4 Liter Diesel
Ladefläche: 1520 x 1470 mm Grundfläche
Abmessungen: 5277/1860/1815 mm L/B/H
Motoren: 2 Diesel, 150 und 180 PS
Allrad serienmäßig


Valentin Steinwender startet den Diesel, schnallt sich an und legt die Hände ans Volant – die Daumen aber nicht auf die Speichen: „Im Gelände können sich die Vorderräder leicht in Furchen fangen und das Lenkrad verreißen. Daher die Finger immer nur außen an den Lenkradkranz legen, um Verletzungen zu vermeiden.“ Gefühl- und schwungvoll steuert er den Fiat den steilen Hügel zielstrebig bergauf. Gibt es hierbei etwas Besonderes zu beachten? „Wichtig ist, bergauf immer mit Kraftschluss zu fahren, also nie die Kupplung zu treten. Sonst bleibt man sofort stehen und fährt sich womöglich fest.“ Endlich ist die Anhöhe überwunden. Man sieht auch wieder etwas, nachdem sich die Schnauze des Fullback nach unten gerichtet hat. „Jetzt ist entscheidend, immer in Falllinie zu fahren, also nie schräg zum Hang.“

Ford Ranger

Weiter geht es mit dem Kölner Offroader. Eine Modellpflege bescherte dem Ranger eine neue Optik, die stark an den großen US-Bruder F-150 erinnert. Der 2,2-Liter-Diesel mit 130 oder 160 PS verfügt nun über mehr Drehmoment, wurde gleichzeitig bis zu 22 Prozent sparsamer. Nach wie vor im Programm: der V6-Selbstzünder mit 200 PS und Automatik. Für welche Variante man sich auch entscheidet – mit einer Wattiefe von 800 Millimetern kommt man mit dem allradgetriebenen Ford praktisch überallhin.

Das gilt natürlich nicht nur für Steigungen, sondern auch für schräge Hänge. Der Instruktor denkt den großen Ford kräftig gegen den extra für diese Zwecke aufgeschütteten Erdwall. Beifahrer und andere Gegenstände im Innenraum folgen der Schwerkraft Richtung rechter Seitenscheibe. Wirkt dieses Manöver nur für den eigenen Körper so extrem? „Nein, nein, das ist schon etwas heikel. Grundsätzlich gilt es, Schräglagen so gut es geht, zu vermeiden.“ Die angegebenen Kippwinkel sind zwar ein guter Richtwert, sie sind aber allesamt statische Daten: Ist das Auto also in Bewegung und der Boden nicht eben, kann es für Anfänger schnell brenzlig werden. „Wenn das Auto zu kippen droht, auf keinen Fall nach oben lenken und bremsen. Sondern sofort die Räder nach unten einschlagen und Gas geben!“

Foto © Oliver Wolf

Ford Ranger

Niedrigster CO2-Wert: 173 g/km
Geringster Verbrauch: 6,6 Liter Diesel
Ladefläche: 1549 x 1560 mm Grundfläche
Abmessungen: 5277/1860/1815 mm L/B/H
Motoren: 3 Diesel, 130 bis 200 PS
Allrad serienmäßig

Nissan Navara

Nächste Übung, nächstes Fahrzeug: Was der neue Navara alles kann, hängt ganz von seinem Einsatzzweck ab. Denn es gibt ihn entweder als reine Nutzversion „King Cab“ mit einer kräftigen hinteren Starrachse, soliden Blattfedern und einer Nutzlast von einer Tonne und ganzen 3,5 Tonnen Anhängelast. Oder aber er mutiert als „Doublecab“ zum zivilen Vertreter seiner Gattung und verfügt über Schraubenfedern und eine Mehrlenkerachse, die deutlich souveräner abrollt – und somit auf der Straße mehr Komfort bietet. Sehr praktisch: Über einen Drehschalter lässt sich die Vorderachse zuschalten, und wer den Drehregler noch eine Raste weiterdreht, aktiviert zudem eine Untersetzung für den wirklich schweren Geländeeinsatz.

Steinwender steuert den Navara zielsicher in einen ziemlich tiefen Graben. Das rechte Vorderrad taucht tief ein. So tief, dass der Nissan das linke Hinterrad hochhebt – und zwar gleich knapp 20 Zentimeter. Langsam tasten wir uns weiter, bis auch besagtes Vorderrad am Ende seines Ausfederwegs angekommen ist – und der Nissan auf den verbliebenen zwei Pneus leicht hin und her wippt. „Hier ist der Rampenwinkel entscheidend“, erklärt Valentin Steinwender. „Man muss sich in diesen Situationen Meter für Meter herantasten, sonst sitzt man noch wo auf.“ Dank des schlauen Allradantriebs geht auch in diesen Extremsituationen kein Grip verloren. Die Elektronik erkennt frei drehende Räder und leitet die ihnen zugeteilte Antriebskraft über gezielte Bremseingriffe an die verbliebenen weiter. Und langsam wühlt sich der Nippon-Pick-up zurück in die Zivilisation.

Foto © Oliver Wolf

Nissan Navarra

Niedrigster CO2-Wert: 167 g/km
Geringster Verbrauch: 6,3 Liter Diesel
Ladefläche: 1537 x 1560 mm Grundfläche
Abmessungen: 5225/1850/1805 mm L/B/H
Motoren: 2 Diesel, 160 und 190 PS
Allrad optional



Wie gut, dass die drei Off­road-Haudegen sich genau hier von ihrer streichelweichen Seite zeigen. Auf Asphalt lassen sie sich von ihren robusten Talenten nichts anmerken und verwöhnen mit Fahrkomfort auf Pkw-Niveau. Und man würde sich wünschen, das eigene Rückgrat nach dieser Berg- und Talfahrt genauso auf Knopfdruck entspannen zu können wie Fiat, Ford und Nissan ihre Antriebsstränge.

Motorraum: Pick-ups

Trittbretter zum Entern der Pick-ups

Oliver Wolf

Allrad und Untersetzung werden über Regler aktiviert

Oliver Wolf

Stollenreifen sorgen für gute Traktion

Oliver Wolf

Praktisch: große Ladefläche

Oliver Wolf
1/4




Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.