Klimaanlagen

Cool bleiben!

Kühle Brise. Klimaanlagen können wesentlich zur Verkehrs­sicherheit beitragen – vorausgesetzt, sie sind gut gewartet und korrekt eingestellt. Wir verraten, wie es geht.

Ein gründliches Klimaservice dauert rund 90 Minuten und umfasst eine Reinigung der Lüftungskanäle © Karin & Uwe Annas
 

Die wichtigste Zutat für eine sorgenfreie Fahrt an den Urlaubsort: kühle Getränke? Spiele für die Kinder? Eine Straßenkarte? Falsch, denn für ein entspanntes Klima im Innenraum sorgt vor allem eine gut funktionierende Klimaanlage.

Klettert die Temperatur im Auto von 22 auf 37 Grad, sinkt die Konzentrationsfähigkeit drastisch und das Unfallrisiko erhöht sich um gut 30 Prozent. Das heißt aber nicht, dass man umso sicherer unterwegs ist, je kälter es im eigenen Auto ist. „Bis sich im Sommer 20 Grad im kompletten Auto verteilt haben, dauert es ewig. So lange bläst viel zu kalte Luft ins Auto“, erklärt Andreas Tomberger, Stützpunktleiter vom ÖAMTC Graz. Auch zum anfänglichen Herunterkühlen nützt es nichts, die Temperatur extra niedrig einzustellen.

Bis die Wunsch­temperatur erreicht ist, pumpt die Anlage mit maximaler Leistung. „Wichtig auch: Die Lüftungsdüsen so einstellen, dass die kalte Luft nie direkt ins Gesicht bläst.“ Doch der richtige Umgang mit der Klimaanlage fängt mit einer Wartung an. Das Kältemittel im System entweicht mit der Zeit, um eine Neubefüllung kommt man alle paar Jahre also nicht herum. Ein Klimaservice ist aber nur dann vollständig, wenn zusätzlich zum Gas ein spezielles Öl eingespeist wird. Tomberger: „Der Klimakompressor an sich gilt als wartungsfrei, seine Ölpumpe ist aber ausschließlich das Kältemittel. Befindet sich zu wenig davon im System, reicht das schon für einen Kompressorschaden.“ Was dazukommt: Läuft der über einen Keilriemen angetriebene Kompressor trocken, muss sich der Motor mehr anstrengen. Das kann bei einer Jahreslaufleistung von 15.000 Kilometern und einem Durchschnittsverbrauch von acht Litern laut ÖAMTC einen Mehrverbrauch von bis zu 60 Liter Sprit ausmachen.

Vor allem Allergiker sollten einige weitere Punkte beachten: „In Zeiten des Pollenflugs leiden viele Fahrzeuginsassen unter Niesanfällen oder einem unguten Gefühl“, erklärt Hans-Peter Auer vom ÖAMTC. „Auch der Innenraumluftfilter muss dahingehend kontrolliert bzw. ausgetauscht werden.“ Besagter Tausch gehört bei praktisch allen Autos zum Umfang des Jahresservices dazu. Das ist aber noch nicht die letzte Quelle für Schadstoffe im System: Riecht es modrig, könnte ein Pilzbefall des Verdampfers schuld sein. Hier hilft nur eine Desinfektion, die im Rahmen eines Klimaservices mitgemacht werden kann: „Dabei werden das gesamte Heizungs- und Lüftungssystem mithilfe von kaltem und trockenem Rauch, der durch Ultraschall erzeugt wird, desinfiziert“, so Auer weiter.

Gleichzeitig werden Mikroben, Pilze und Bakterien abgetötet. Das funktioniert denkbar einfach: Die Dampfmaschine steht im geschlossenen Auto, über die Umluftfunktion saugt die Klimaanlage den Dampf an, nach wenigen Minuten ist die Reinigung abgeschlossen. Das Serviceintervall sollte nicht länger als drei Jahre betragen, fügt Stützpunktleiter Tomberger hinzu, denn „aus dem abgesonderten Wasser und dem Staub, der sich in der angesaugten Luft befindet, entsteht in den Lüftungskanälen mit der Zeit eine schleimige Masse. Je länger man wartet, desto dicker wird diese Schicht. Irgendwann kommt man mit der Dampfreinigung nicht mehr durch, und alles muss zum Säubern zerlegt werden.“ Damit ist eine Klimawartung aber noch nicht abgeschlossen. Tomberger: „In den Trocknerpatronen befindet sich Granulat, das dem Kältemittel die Feuchtigkeit entzieht, bis es gesättigt ist. Mittels Unterdruck und warmer Luft werden diese ­Kugerln wieder trocken.“

Dabei ließe sich viel Ärger ganz einfach vermeiden: „Der häufigste Fehler ist, dass die Klimaanlage ausgeschaltet wird“, meint Andreas Tomberger. „Der Luft, die durch den Kondensator streicht, wird Wasser entzogen. Bei deaktiviertem System bleiben Tropfen stehen, Mikroorganismen bilden sich, und dann fängt beim nächsten Mal Aufdrehen alles zu stinken an.“

Vor dem Losfahren

  • Der Innenraum eines in der prallen Sonne abgestellten Autos kann sich im Sommer auf bis zu 60 Grad aufheizen. Schattenparker sparen zwar bis zu 15 Grad ein, dennoch gilt: Vor Fahrt­antritt das Auto gut lüften, um den Innenraum auf Umgebungstemperatur zu bringen.
  • Die erste Zeit die Klimaanlage auf Umluft stellen, um die relativ geringe Luftmenge im Innenraum effektiv abkühlen zu können.
  • Bei kurzen Strecken die Klimaanlage nicht zu stark aufdrehen, das belastet nur unnötig den Kreislauf.
  • Bei Ledersitzen kurze Hosen vermeiden. Leichtes Gewand aus Baumwolle ist am besten – man schwitzt nicht, die Haut ist gut geschützt.

So funktioniert ein Klimaservice

Schritt 1: Überprüfen des Keilriemens (Kompressorantrieb) sowie Funktion der Magnetkupplung
Schritt 2: Absaugen des alten Kältemittels
Schritt 3: Reinigung des Systems von Kondenswasser
Schritt 4: Überprüfen der Anlage auf Dichtheit und Druck
Schritt 5: Befüllen mit neuem Kältemittel und Spezialöl
Schritt 6: Kontrolle aller Bauteile auf Schäden
Schritt 7: Überprüfen des Innenraumluftfilters, abschließende Funktionskontrolle der Anlage