Renault 5

Der Spatz von Paris

Vor 25 Jahren wagte Renault mit dem Clio ein Experiment in einem für die Marke wichtigen Segment – und traf voll ins Schwarze. Wir blicken zurück.

Mit 150 PS ­heißester Vertreter der ­ersten ­Generation: der Clio Williams © Patrick Sautelet
 

Der Renault 5 war clever, hübsch, herzig. Ein durch und durch sympathischer Kleinwagen zum noch sympathischeren Preis, der zwei Jahrzehnte lang in die Herzen der Kundschaft fuhr. Eine weltweite Fangemeinde hielt ihm stets die Treue, und trotzdem soll der kleine Liebling so einfach von diesem Jüngling abgelöst werden? Was bildet sich dieser freche Spatz denn eigentlich ein? Ganz einfach: nichts. Genau das war von Anfang an das Geheimnis des Clio.

Die Autowelt war Anfang der Neunzigerjahre im großen Umbruch. Der Turbodiesel begann seinen Siegeszug, Kompaktklassler bekamen sogar Sechszylinder unter ihre Motorhauben und die Ansprüche der Kunden wuchsen immer schneller und schneller. Einfach nur ein sympathischer Kleinwagen zu sein, reichte nicht mehr. Klein o. k., aber bitteschön vollwertig, versehen mit allen Insignien eines echten und ausgewachsenen Automobils, mit Platz für vier Erwachsene und deren Gepäck. Da ging dem 5er einfach die Luft aus. 5, danke, setzen. Paris, wir haben ein Problem.

Der Neue ging die Sache schon konsequenter an: Die eher quadratische Form ermöglichte viel Platz bei knackigen Abmessungen, der lange Radstand luftige Verhältnisse selbst auf der Rücksitzbank. Dazu kam ein selbstbewusstes, unaufdringliches Design, das jedem von Anfang an klarmachte, dass hier ein echter Generationssprung bevorsteht. Und dieser neue Anspruch spiegelte sich im Namen wider: Clio! Wie treffend, dass der neue Spatz von Paris nach der Muse der Geschichtsschreibung aus der griechischen Mythologie benannt wurde, denn er veränderte für Renault vieles.

Sicher war die Skepsis in der Pariser Konzernzentrale am Anfang groß. Würden die Kunden mitziehen? Man kann ihnen ja nicht einfach ihren kleinen Freund (wie sogar die Werbeagenturen den 5 titulierten) wegnehmen. Bange Momente vor der Markteinführung, doch das neue Konzept ging voll auf: Man liebte den Clio von Beginn an für seinen frischen Zugang und sein gutes Platzangebot. Zeigte sich beeindruckt von den immer stärkeren Sportversionen, die von anfangs 136 auf nunmehr über 200 PS Leistung anschwollen. Vor allem aber schätzte man ihn für sein bescheidenes Wesen, das ihn immer ein Stückchen sympathischer machte als seine Mitstreiter. Das ließ natürlich auch die Fachpresse nicht unbeeindruckt, die den kleinen Franzosen im Jahre 1991 zum Auto des Jahres kürte, was bei Kleinwagen übrigens nur ganz selten vorkommt.

Natürlich wurde der kleine Renault mit der Zeit immer schneller, stärker, geräumiger, damit unter ihm in der Modellpalette für den quirligen Twingo noch genügend Platz zum Atmen bleibt. Und mittlerweile verfügt er sogar über Hightech-Features wie Rückfahrkamera, Navigationssystem, schlüssellosen Zugang und sogar Doppelkupplungsgetriebe. Aber die wichtigsten von allen Zutaten, sein unbeschwert-jugendliches Wesen und die Gabe, sich selber nicht so wichtig zu nehmen, das hat der neue Clio immer noch. Der gute alte 5er wäre mit Sicherheit stolz auf ihn.

Renault Clio

Das Erfolgsrezept des Clio? Seine große Vielfalt! Es gab ihn mit Ledersitzen, als Saugdiesel, mit bis zu 150 PS, als Drei- und Fünftürer. Der kleine Franzose wuchs stetig, kam 1999 als Limousine, 2000 als formidabler Mittelmotor-V6, 2008 als Kombi und schaffte es sogar, in mehreren Generationen parallel auf dem Markt zu sein. So lief die dritte Generation in Mexiko als Euro-Clio vom Band, während in Teilen Asiens noch die zweite Generation als Clio Classic angeboten wurde.