Oldtimer

Faktor Traktor

Wie Blech und Schwefel. Alte Traktoren gehören schon lange nicht mehr zum alten Eisen. Für viele sind sie Hobby und Leidenschaft, für Paul Scherer aber Beruf und Berufung.

Paul Scherer ist bei Gady in Lebring der Steuermann des Ersatzteilhandels für Oldtimer-­Traktoren © Oliver Wolf
 

Logisch, dass die Lichtmaschine nicht daheim eingeht, sondern irgendwo in der französischen Pampa. Der Wohnwagen hängt zwar am Haken, aber das macht die Situation auch nicht wirklich entspannter. Und im nächstbesten Laden braucht man gar nicht erst nach einem Ersatzteil zu suchen, die haben für Exoten garantiert nichts im Regal. Denn was bei seltenen Marken wie Ferrari, Aston Martin und Steyr gleich ist: Sie verlangen alle nach einem ganz besonderen Service: „Dem Kunden haben wir die neue Lichtmaschine einfach mit der Post an den Urlaubsort geschickt. Zwei Tage später war er wieder mobil“, erzählt Paul Scherer über die Aufträge, die tagtäglich auf seinen Schreibtisch flattern. Denn er ist bei Gady in Lebring der Mann für das Ersatzteilgeschäft mit Oldies.

Oldtimertraktoren, um genau zu sein. Was sich nach einer kleinen und verschworenen Fan-­Gemeinde anhört, in Wahrheit aber ein globales Business ist und mittlerweile einen eigenen Geschäftszweig darstellt: „Der eine war mit seinem Schlepper ein paar Monate in Frankreich unterwegs, ein anderer fuhr gleich einmal 8000 Kilometer bis in die Türkei“, gibt Scherer zum Besten. Und dabei fing alles eher zufällig und im kleinen Rahmen an.

„Das Restaurieren von alten Traktoren war ursprünglich nur ein Hobby von mir. Das sprach sich aber herum und mit der Zeit sind die Kunden direkt zu mir gekommen und haben mich gefragt, wo sie diverse Teile bekommen könnten. Ja und das ist dann immer mehr geworden.“ Inzwischen umfasst das Sortiment Ersatzteile für nahezu alle Marken. Aber hauptsächlich von Massey Ferguson, weil es seit Jahrzehnten die Hausmarke von Gady ist. Und natürlich Steyr, weil diese Traktoren aus heimischer Produktion in der Steiermark besonders tief verwurzelt sind.

Foto © Oliver Wolf

„Für Modelle ab den 1950er-Jahren ist eigentlich alles im Sortiment, was man für eine komplette Restauration benötigt. Weit verbreitet ist vor allem der D80, von dem in allen Varianten über 100.000 Stück verkauft worden sind. Und auch der Steyr 280 mit kräftigem Vierzylinder wird derzeit gerne restauriert.“

Ein boomendes Geschäft mit Tausenden Kunden weltweit, eigenem Web-Shop und echter Vorreiterstellung, deren Auslöser ausgerechnet die EDV-Umstellung war: „Als die Computer und die digitalen Ersatzteilprogramme kamen, haben viele Betriebe die alten Handbücher einfach weggeworfen. Und wir haben mit denen einfach weitergearbeitet. Damit waren wir die Ersten, die dieses Geschäft professionell aufgezogen haben.“