CITROEN TYP HDie Dauerwelle kehrt zurück

Vor 70 Jahren schuf Citroën mit dem Typ H eine französische Auto-Ikone. Eine italienische Firma legt jetzt den legendären Wellblech-Kasten als Retromobil neu auf.

Der Citroen Typ H © CITROEN
 

Was den Deutschen der VW-Bus, war den Franzosen der Citroën Typ H. Als Held der Nachkriegszeit prägte der Kleintransporter, den die Franzosen wegen seiner markanten Front Schweinenase nannten (,,nez de cochon“), jahrzehntelang das Straßenbild der Grande Nation.

Der mit gewelltem Blech beplankte Kasten, der 1947 auf dem Pariser Automobilsalon Weltpremiere hatte, brachte ab dem Frühjahr 1948 das französische Wirtschaftsleben ins Rollen. Die Werktätigen des Landes liebten den robusten und auf das Wesentliche reduzierten Kasten, weil er vielseitig nutzbar und praktisch war. Obwohl nur 4,2 Meter lang, verbarg sich hinter der dreigeteilten Hecktüre und der seitlichen Schiebetüre ein voluminöser Laderaum, der vor allem durch seine schiere Höhe wesentliche Transportprobleme löste. Dass anfangs nur ein brustschwacher 40 PS-Vierzylinder zur Verfügung stand, der den Wellblechkasten auf maximal 100 km/h Spitze trieb, war eigentlich Nebensache.

Modellvorstellung: Type H 70th Anniversary Van

Designer David Obendorfer und die italienische Firma FC Automobili gemeinsame Sache und entwickelten zum 70. Geburtstag des Citroën Typ H ein Fiberglas-Bodykit für die aktuellen Jumper-Modelle von Citroën.

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Das heißt: Der Rahmen, die Karosseriestruktur, Scheiben, Innenraum und die gesamte Technik inklusive Airbags und ESP bleiben unberührt. Das einzige, was neu kommt, sind die äußeren Paneele bis hin zur Dachhaut.

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Logisch, dass auch das klassische Wellblech-Muster, das seinerzeit aus reiner Notwendigkeit zur Anwendung kam, stilecht von Obendorfer nachempfunden wurde, wobei die wahre Herausforderung eigentlich darin bestand, die Proportionen so gut es geht auf den neuen Wagen zu transferieren.

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Wer seinen Histo-Jumper jetzt auch noch mit hübsch lackierten Stahlfelgen und Weißwandreifen verziert, bekommt ein Vehikel, das auf den ersten Blick erstaunlich nahe dran ist am Original.

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Und auch rein pragmatisch gedacht, hat dieser Umbau durchaus seine Vorzüge. Wer zum Beispiel alte Autos hübsch findet, aber lieber moderne Technik unterm Hintern hat, kann so zwei Fliegen mit einer großen Heckklappe schlagen. Und wer ein Nutzfahrzeug bevorzugt, hat so auch endlich die Möglichkeit, nicht anonym in einer weißen Schuhschachtel unterwegs sein zu müssen.

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Aus neu mach alt – jedenfalls eine clevere Idee, die durchaus sympathische Züge hat, aber noch drei Fragen offen lässt. Erstens: Warum kam man in Italien auf diese Idee? Das ist einfach: Flaminio Bertoni war der Zeichner von der unvergessenen Citroën DS, dem 2 CV und auch des Typ H. Er prägte nicht nur die Citroëns dieser Jahre, sondern auch das Autodesign an sich. Und da sein Heimatland Italien ist, legte FC Automobili also ihm zu Ehren die auf 70 Stück limitierte Sonderserie auf.

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Es gibt aber noch einen zweiten Grund: Firmenchef Fabrizio Caselani ist nicht nur eine große Nummer im Yacht- und Fiberglas-Geschäft. Der Mailänder sammelt zudem alte Citroëns und liebt es, mit seiner Familie in seinem echten Hy auf Urlaub zu fahren. Das ist mit 60 PS natürlich nicht immer lustig, und so kam er auf die Idee, dass er gerne ein Fahrzeug mit moderner Technik und Sicherheit hätte, aber mit der Optik seines geliebten Oldtimers.

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In David Obendorfer fand er für dieses Projekt jedenfalls den perfekten Partner. Geboren in Budapest, arbeitete der promovierte Industriedesigner nicht nur an diversen Yachtprojekten, sondern auch an einem zum Thema "Autokonzepte zwischen Zukunft und Vergangenheit." Die Ähnlichkeiten und Schnittpunkte zu finden, bis hin zu Lösungen, alte Formen zu rekonstruieren, prädestinierten Obendorfer für diesen Job wie keinen anderen.

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Die zweite Frage: Was kostet so ein Jubiläums-Jumper? Die ist schon schwerer zu beantworten, denn Castellani kann uns dazu leider auch noch nichts sagen. Weil es kommt ja drauf an, in welcher Ausführung man sein Exemplar haben möchte. Wie auch das Vorbild gibt es den Nachbau alss Bus, Allradler, Campingmobil, sogar als Abschleppwagen oder Food-Truck. Und je nach Variante variiert natürlich auch der Preis.

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Und die dritte Frage ist zugleich auch die schwierigste: Ja darf man denn das überhaupt? In Italien und Frankreich ja. Was die österreichischen Zulassungsbehörden aber davon halten, wenn nicht nur die Abmessungen sondern etwa auch die Scheinwerfer geändert werden, ist eine ganz andere Geschichte. Um eine Einzelabnahme würde man so oder so nicht umhin kommen.

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Der Typ H geriet jedenfalls zum Verkaufsschlager und machte überall Karriere: im öffentlichen Dienst für die Feuerwehr, Post oder Polizei, als Verkaufswagen für Bäcker oder Fleischhauer, aber auch als Kühlwagen oder Wohnmobil. Dem Einsatzspektrum und der Kreativität der diversen Karosseriebauer waren keine Grenzen gesetzt. Im Dezember 1981 lief das letzte Exemplar vom Band. Heute ist der Typ H Kult und ein begehrtes Sammlerstück.

Wer sich für eine neuzeitliche Interpretation des Klassikers interessiert, wird seit Mai in Italien fündig, wo ein Unternehmen namens Caselani Autmobili die französische Transporter-Ikone in Form eines Umbau-Kits zum Leben erweckt. Unter dem Retrokleid mit Anbauteilen aus Fiberglas steckt ein neuer Citroën Jumper, bei den Preisen geht es bei flockigen 43.000 Euro los. An Varianten mangelt es nicht: Noch heuer werden ein klassischer Lieferwagen, ein Minibus, ein Food-Van, ein Abschleppwagen, ein Camper und ein Wohnmobil bestellbar sein.

 

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