Modellvorstellung Bugatti Chiron

Trotz aller Diskussionen über CO2-Ausstöße, Diesel-Skandale und der lahmenden Elektromobilität – VW hat es sich nicht nehmen lassen, einen neuen Bugatti zu präsentieren. Einer muss schließlich der Schnellste und Stärkste sein.

Wozu man ein Auto braucht, das 420 km/h schnell ist, in 6,7 Sekunden auf 200 km/h beschleunigt, über 16 Zylinder, acht Liter Hubraum und vier Turbolader verfügt? Falsche Frage. Man braucht es überhaupt nicht, wird es nur in ganz seltenen Fällen voll auskosten können und die 2,4 Millionen Euro Kaufpreis – ohne Steuern wohlgemerkt – schränken die Wahrscheinlichkeit, jemals ein Exemplar in freier Wildbahn auch nur zu sehen, ohnehin Richtung null ein. Aber um solche Fakten geht es beim stärksten und schnellsten Serienauto, das jemals das Licht der Welt erblickte, nicht.

BUGATTI

Es ist vielmehr ein Statement des technisch Machbaren. Ein Gruß aus der Hexenküche der Entwicklungsabteilungen, vor allem aber das glitzerndste Kapitel des großen Erwachens des VW-Konzerns nach dem Diesel-Skandal. Denn in Wolfsburg gibt es derzeit wahrlich wichtigere Themen als vierrädrige Spielzeuge für die Wohlhabenden. Aber als Ende letzten Jahres die Diesel-Katastrophe ihren Lauf nahm, da war die Entwicklung des Chiron schon in der Endphase. Sie jetzt noch zu stoppen und das Auto zu verwerfen, hätte also keinen Sinn ergeben. Und hier ist er also, erstmals in Genf und in voller Pracht.

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Nur minimal größer geworden als sein Vorgänger, der Veyron mit bis zu 1200 PS, geht der Chiron das Thema Supersportwagen deutlich effizienter an: Einfach nur viel Leistung ist zu wenig. Hier wurde gehörig Feinschliff betrieben, in allen Bereichen. Der Motor ist weiterhin ein Sechzehnzylinder in VW-typischer W-Bauform mit acht Litern Hubraum, der von vier Turboladern in Register-Anordnung unter Druck gesetzt wird.

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Mit 1500 PS leistet diese Wuchtbrumme aus Aluminium zwar nur 300 mehr als der Veyron in maximaler Ausbaustufe. Die Techniker schafften es aber, die Euro-6-Norm einzuhalten, was nur mit großen Spezialkatalysatoren gelang, deren gerollte Wabenstruktur die Oberfläche von 31 Fußballfeldern ergäbe, würde man sie aufwickeln.

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Dass die Höchstgeschwindigkeit von 420 km/h nur knapp über jener des Vorgängers liegt, mag manche angesichts der deutlichen Mehrleistung ein wenig enttäuschen. Aber in diesem Tempobereich ist jedes zusätzliche Km/h eine echte Herausforderung, da der Luftwiderstand exponentiell zunimmt. Sicherheitshalber hat man die Skala des Tachometers aber bis 500 ausgelegt, man weiß ja nie, ob nicht doch noch eine Überdrüber-Version des Chiron einmal nachgereicht werden könnte. Das restliche Cockpit trägt überraschend wenig dick auf. Angenehm schlicht die Formgebung, und angenehm übersichtlich die Ergonomie: Viele Funktionen wurden in Schaltern am Lenkrad zusammen gefasst.

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Gut so, denn die Kräfte, die bei dieser Geschwindigkeit wirken, sind schon atemberaubend genug: Bei Volllast pumpen die vier Lader pro Minute 60.000 Liter Luft in die sechzehn Brennräume. Die Benzinpumpe kommt in der gleichen Zeit auf eine Förderleistung von 15 Litern, und man muss kein Mathegenie sein, um sich ausrechnen zu können, dass die Fahrt bei diesem Tempo nach nur acht Minuten vorbei wäre – der Tank fasst leider nur 100 Liter. Nicht so schlimm, denn die Reifen halten ohnehin nicht viel länger durch. Der Begriff der heißen Sohle bekommt beim Chiron also eine ganz neue Bedeutung.

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Damit sich der jüngste Bugatti dennoch so einfach bewegen lässt wie jeder andere Golf auch, wanderte deutlich mehr Hirnschmalz in die Optimierung von Gewicht und Luftwiderstand: Der Unterboden ist nun voll verkleidet und sorgt alleine schon für 60 Prozent des Anpressdrucks. Die verstellbaren Flügel sowie die unübersehbare Abrisskante am Heck kümmern sich um den Rest.

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Auch zeigen die athletischen Formen schön das rigorose Diätprogramm. Kohlefaser findet großzügig Anwendung bei der Karosserie und den Bremsschieben, die Bremssättel bestehen gar aus Titan.

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Und natürlich dürfen auch diverse Innovationen der Großserie nicht im Aushängeschild des Konzerns fehlen. Die Scheinwerfer etwa bestehen aus acht eckigen LED-Ringen. Vor ganz andere Probleme stellte die Entwickler aber ausgerechnet das Markenemblem. War es nicht schon schwer genug, sich zu einem neuen Design durchzuringen, ist das aus reinem Silber gegossene Logo zudem das einzige Bauteil, das im Vergleich zum Veyron schwerer wurde. Für die Moral der Mannschaft sicher ein herber Tiefschlag.

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Ja und der Name, der stammt übrigens von einem monegassischen Rennfahrer, was für Bugatti eine perfekte Kombination darstellt. Schließlich fuhr Louis Chiron, geboren 1899, nicht nur sein erstes Rennen auf einem Bugatti. Er trat mit Fahrzeugen aus der Schmiede des Ettore Bugatti auch zwei mal in Le Mans an.

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