120 Jahre RenaultMerci, Louis!

Automobilhersteller Renault feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Jubiläum. Alles begann 1898 in einem kleinen Holzschuppen - mit einer Wette des jungen Louis Renault.

Mit dem R5 gelang Renault ein riesiger Erfolg © RENAULT
 

Es liest sich wie ein bekanntes Märchen: Auch der Weltkonzern Renault hat einmal als Ein-Mann-Betrieb angefangen. 21 Jahre jung war Louis Renault, als er 1898 in einem kleinen Holzschuppen in Boulogne-Billancourt seine „Voiturette“, später bekannt als „Type A“, zum Laufen bzw. zum Fahren brachte. Die Voiturette (frei übersetzt „Kleinwagen“) war bereits mit einem technischen Meilenstein ausgestattet. Das Vehikel verfügte über ein 3-Gang-Getriebe mit Direktantrieb, es war das erste Auto mit Kardanwelle. Bislang kannte man die Kraftübertragung nur mittels Gliederkette.

Jetzt galt es nur noch die Menschen von dieser wegweisenden Idee zu überzeugen. Dafür wählte der gute Louis den Heiligen Abend 1898. Voller Tatendrang steuerte er mit seinem Boliden ein nobles Restaurant in der Pariser Innenstadt an, wo er mit den betuchten Gästen eine Wette abschloss: Wenn es ihm gelingt, mit seinem Gefährt die 13-prozentige Steigung der Rue Lepic zum Montmartre zu bezwingen, gewinnt er 60 Goldmünzen. Louis Renault gewann nicht nur die Wette, er erhielt noch am selben Abend zwölf Aufträge für den Bau einer „Voiturette“. Sein Aufstieg war nun nicht mehr aufzuhalten ...

Top 10: 120 Jahre Renault

Dezember 1898: Louis Renault präsentiert den Prototyp der „Voiturette“, den Type A.

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1938: Der Juvaquatre kommt auf den Markt. Der Kleinwagen ist das erste Modell der Franzosen mit Einzelradaufhängung und selbsttragender Karosserie.

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1946: Obwohl das Renault-Werk unter Führung der Nazis stand, entwickleten Fernand Picard und Charles-Edmond ohne Wissen von Louis Renault schon am 4CV vulgo "Cremeschnittchen". So wurde der kleine Hoffnungsträger bereits 1946 auf dem Autosalon in Paris präsentiert. Die Nachfrage war so groß, dass schon 1947 die Lieferfrist über ein Jahr betrug. geheim

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1961: Der R4 war eines der ersten Großserienfahrzeuge mit einer „fünften Tür“, einer weit öffnenden Heckklappe, und der erste Renault-Pkw mit Frontantrieb. Der Pionier wurde während der Produktionszeit von 31 Jahren über acht Millionen Mal verkauft. 

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1965: Wirtschaftswunder und wachsender Wohlstand machen Westeuropa Lust auf Familiengründung, Reisen und Konsum. Aber wie bekommt man all das ins Auto? Renault hatte die Antwort und die hieß R16. Die Schräghecklimousine ließ 1965 mit großer Heckklappe und multifunktionalem Innenraum die Konkurrenz mit einem Schlag alt aussehen. Rennfahrer Stirling Moss nannte ihn "das am intelligentesten konstruierte Automobil", das er je gesehen habe, denn beim R16 spielte es Kofferraumabdeckung genauso wie eine siebenfach umgestaltbare Sitzlandschaft. 

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1972: Als Inbegriff eines moderenen Kleinwagens wird der R5 ein riesiger Erfolg. Das Konzept stammte ursprünglich von Bernard Hanon, einem Professor für Management an der Universität New York, und trug die Bezeichnung Projekt 122.

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1980: Gab der Normalo-Renault-5 Frankreichs liebsten Einkaufswagen, war 1980 Schluss mit dem Image als Frauenversteher. Der Staatskonzern wollte in die mörderische Rallye-Gruppe-B, stellte das R5-Konzept auf den Kopf und einen Renner auf die Räder: den Renault 5 Turbo. Wo zuvor Kinder auf der Rücksitzbank saßen, arbeitete nun ein zorniger 1400er-Vierzylinder, den ein Garrett-Turbolader auf 160 PS aufpumpte.

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1984: Als wäre ein Ufo beim örtlichen Renault-Händler gelandet. Ähnlich argwöhnisch beäugen die Kunden 1984 den ersten europäischen Mini-Van. Espace, Raum, versprach Renault - aber für einige sieht der Wagen mit Kunststoffkarosserie und stark geneigter Windschutzscheibe wie ein Raumschiff aus einem Science-Fiction-Streifen aus. Alleine was man mit dem Gestühl alles anstellen kann: Die Vordersitze lassen sich um 180 Grad drehen, die hinteren zu Tischen falten oder ganz ausbauen. 

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1992: Ist das wirklich schon so lange her? Als das Publikum auf dem Pariser Autosalon dem Renault Twingo 1992 zum ersten Mal in die froschartigen Glubschaugen blickte, wurden die Kaufverträge quasi blanko abgeschlossen. Der Kleinwagen mit dem vanartigen Innenraumkonzept traf den Zeitgeist der 1990er, so viele "Ist der aber süß!" bekam wahrscheinlich seit Fiat 500 und dem Mini in dieser Klasse kein Auto mehr zu hören. 

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1994: Mit der ersten Auflage des Clio landeten die Franzosen 1990 den nächsten Welterfolg. Zu Ehren des Formel-1-Teamchefs von Renault, Frank Williams, gab von Mitte 1994 bis Herbst 1997 den Clio Williams. Dieses auf 5000 Stück limitierte Sondermodell war mit einem 16V-Motor mit 2 Litern Hubraum, 147 PS und goldenen Felgen ausgestattet.

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Dazu hat auch das Modell „Type AG 1“ beigetragen. Die Fahrzeuge waren besonders als Taxi gefragt. Von den rund 10.000 Taxis, die 1914 in Paris existierten, stammten rund 8000 von Renault. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs fuhren 1300 dieser Taxis 6000 französische Soldaten an die Front zur Ersten Schlacht an der Marne. So ging der „Type AG1“ als „Taxi de la Marne“ in die Geschichte ein. Auch die Kleine Zeitung durfte dieser Tage bei den ersten Feierlichkeiten zum 120-Jahr-Jubiläum in einem uralten Marne-Taxi Platz nehmen. Völlig entspannt natürlich. Geschossen wurden diesmal im Renault-Werk in Flins nur Bilder. Gestartet wurden 40 Kilometer westlich von Paris aber noch zehn weitere Oldtimer.

120 JAHRE RENAULT - MEILENSTEINE

Dezember 1898: Louis Renault präsentiert den Prototyp der „Voiturette“, den Type A.
1928: Renault triumphiert bei der Rallye Marokko. Der Monasix siegt mit einer sensationellen Durchschnittsgeschwindigkeit von 91 km/h.
1938: Der Juvaquatre kommt auf den Markt. Der Kleinwagen ist das erste Modell der Franzosen mit Einzelradaufhängung und selbsttragender Karosserie.
1958: Guy Monraisse und Jacques Feret gewinnen unter schwierigsten Witterungsbedingungen mit dem kleinen Renault Dauphine die Gesamtwertung der Rallye Monte Carlo.
1961: Der R4 erblickt das Licht der Autowelt. Er ist mit über acht Millionen gebauten Einheiten bis heute das meist produzierte Renault-Modell.
1965: Premiere der Schräghecklimousine R16.
1972: Auch der R5 wird eine Erfolgsgeschichte.
1973: Die Sportwagenschmiede Alpine wird Teil von Renault.
1978: Renault triumphiert mit dem 520 PS starken A442 beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans.
1984: Der Espace ist da, der Urvater aller europäischen Vans.
1993: Der Twingo erobert (bis heute) die Herzen der Kleinwagen-Fans.
1999: Allianz mit Nissan.
2005 und 2006: Fernando Alonso gewinnt die Formel-1-Weltmeisterschaft.
2017: Renault-Nissan-Mitsubishi verkaufen 10,6 Millionen Fahrzeuge.

Einen Geburtstag feiert man in der Automobilbranche mit vielen Zündkerzen. Diese brachten Autos zum Laufen, die in Summe 511 Jahre auf dem Buckel haben. Die Palette reichte von der Vivastella (Baujahr 1933) bis hin zum Espace I (1989). Dazwischen wurden u. a. auch ein Juvaquatre Coupé (1947), Estafette (1980) oder der legendäre R4 (1980) bewegt.

Ja, Letzterer ist der Wagen mit der berühmten „Revolverschaltung“. Mehr als acht Millionen Stück wurden vom R4 bis 1992 gebaut! Was Renault heute bewegt? Die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi beschäftigt in 127 Ländern mehr als 180.000 Mitarbeiter. Im Vorjahr jubelten die Verantwortlichen über ein Rekordjahr: 10,6 Millionen Fahrzeuge wurden an 36 Produktionsstätten weltweit gefertigt.

Der Dank gilt im Jubiläumsjahr aber vor allem einen Mann: Merci, Louis!

 

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