KULTKISTENDie wilden 68er

Vor 50 Jahren gingen die Studenten auf die Straße. Die Autos von 1968 probten nicht unbedingt den Aufstand, blieben aber dennoch in Erinnerung.

Schmuckstückdes Jahres 1968:der Jaguar XJ © JLR
 

Die Schlagzeilen, die das Jahr 1968 lieferte, waren heftig und das Jahr hallt als magisches Datum bis heute nach. Weltweit eskalierten die Proteste gegen den Vietnamkrieg, Martin Luther King und Robert Kennedy wurden ermordet, die Truppen des Warschauer Paktes marschierten in der Tschechoslowakei ein und schlugen den Prager Frühling nieder, Richard Nixon wurde US-Präsident, Mick Jagger und Jimmy Hendrix wanderten wegen Drogenmissbrauchs in den Knast, Jim Clark verunglückte in Hockenheim und Italien durfte sich als erster Fußball-Europameister feiern lassen.

Der Konflikt der Generationen und die kulturelle, gesellschaftliche und politische Rebellion der „68er“ hatte dagegen auf die Mobilität von damals deutlich weniger Auswirkungen - sieht man davon ab, dass in Berlin nach dem Attentat auf Rudi Dutschke Demonstranten einen Wasserwerfer der Polizei demolierten.

Jahrgang 1968: Die wichtigsten Premieren

Das heißeste Eisen des Jahrgangs 1968: Beim 365 GTB/4 „Daytona“ mit 4,4-Liter-V12 konnte sich Enzo Ferrari ein letztes Mal mit seiner Vorliebe für Frontmotoren durchsetzen. Hinter dem Fahrer eingebaute Triebwerke waren ihm suspekt: „Ein Pferd spannt man vor den Wagen, nicht dahinter!“

FERRARI

Wegen seines charakteristischen Kühlergrills wurde der erste Ford Escort als „Hundeknochen“ bekannt und verdiente sich seine Sporen im Rallyesport.

FORD

In die archaische Technik von 1935 pflanzte Morgan 1968 einen 3,5-Liter-V8 und hievte den Plus 8, der bis 2004 gebaut wurde, damit auf die Fahrleistungen von damaligen Supersportwagen.

MORGAN

Mit dem VW 411, genannt „Nasenbär“, lagen die Wolfsburger voll daneben. Der Versuch von Deutschlands größtem Industriekonzern, mit einer geräumigen und komfortablen Mittelklasselimousine an den Erfolg des Käfers anzuschließen, endete schmachvoll: Nach siebenjähriger Bauzeit, in der gerade einmal 355.200 Menschen einen 411 kauften, rutschte der Kingsize-Käfer über sein Schrägheck ins Abseits.

VOLKSWAGEN

1968 stellte Alfa Romeo der berühmten Giulia die große Schwester 1750 Berlina zur Seite.

ALFA ROMEO

Mit dem Audi 100 wies die Marke mit den vier Ringen den Weg in die Zukunft. Ein Leichtgewicht mit Frontantrieb.

AUDI

Der Jaguar XJ aus der Hand des Firmengründers Sir William Lyons gilt als Jahrhundert-Entwurf und als eine der schönsten Luxuslimousinen, die je gebaut wurden. Das Flaggschiff der Briten markierte zudem den Aufbruch in eine neue Ära und machte Schluss mit den barocken Rundungen.

JLR

Drei Meter Länge, 354 Kubikzentimeter Hubraum. Nein, hier ist nicht die Rede von einem Motorrad, sondern von einem tapferen Automobil japanischen Ursprungs, das in das Korsett der dortigen Bestimmungen für sogenannte Kei-Cars passen musste. Der Honda N360 borgte sich den luftgekühlten Zweizylinder von der hauseigenen Zweiradverwandtschaft CB450.

HONDA

Der erfolgreichste Lamborghini der 60er und 70er muss ein reinrassiger Sportwagen gewesen sein, oder? Denkste. Ausgerechnet Ferruccio Lamborghinis Vision von einem familientauglichen Reisewagen war damals der Bestseller der Stierkämpfer aus Sant'Agata Bolognese. Der Lamborghini Espada (der Degen der Matadore) war ein ultraflacher 2+2 mit riesigem Kofferraum hinter einer gläsernen Heckklappe, unter der Haube trieb ein 4-Liter-V12 mit 325, später 350 PS sein Unwesen. Mit 6,5 s von 0 auf 100 km/h war er der schnellste Viersitzer seiner Zeit - nie zuvor hatten betuchte Familienväter unterwegs mehr Spaß gehabt.

 

LAMBORGHINI

Der Lamborghini Islero wurde benannt nach dem Kampfstier Islero, der 1947 den Stierkämpfer Manolete tödlich verletzt hatte. Als er im März 1968 auf dem Genfer Salon präsentiert wurde, galt er als ein überarbeiteter 400 GT, dessen Motor und Fahrwerk (3,9-Liter-V12 mit vier obenliegenden Nockenwellen, rundum einzeln an zwei Querlenkern aufgehängte Räder und Scheibenbremsen) vom Vorgänger übernommen wurde. Er bekam jedoch im Unterschied zum rundlichen 400 GT eine Karosserie mit ausgeprägten Kanten.

LAMBORGHINI

1968 mit Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen ausgestattet, robust und zuverlässig, hatte der Peugeot 504 bald den Spitznamen "Gallischer Mercedes". Neben den schöngeistigen Varianten als Coupé und Cabrio gab es ihn als Kombi Break oder Familiale, Pick-up und Transporter Commerciale. 1982 verschwand der 504er bei uns aus den Schauräumen, war aber noch lange nicht am Ende, denn in Afrika, China und Südamerika wurde er weiter gebaut. 2005 lief in Nigeria nach 37 Jahren der Letzte vom Band. Insgesamt entstanden 3.711.556 Stück. 

PEUGEOT

Der Renault 6 richtete sich mit Heckklappe, vier Türen und günstigem Preis an junge Familien.

RENAULT

Die Schweden-Marke gibt es nicht mehr, an den Saab 99 erinnert man sich aber immer noch. Und zwar gerne.

SAAB

Nur Fliegen ist schöner, lautete der Werbeslogan für den Opel GT. Sportwagen-Fans hielten den Atem an.

OPEL

Mit dem 164 ergänzte Volvo sein Programm um eine luxuriöse Limousine der oberen Mittelklasse. Beim Design, zum Beispiel Frontmaske und Grill, orientiere er sich  an älteren Modellen wie dem nicht verwirklichten Luxuswagen P358 und dem Volvo P1900. Volvos Chefdesigner Jan Wilsgaard hatte über viele Jahre den Wunsch gehegt, eine solche repräsentative Front in einem Auto zu verbauen.

VOLVO

Mit dem Capri wollte Ford den Erfolg, den das Unternehmen mit dem Ford Mustang in den USA erzielt hatte, in Europa wiederholen und eine Art europäisches „Pony-Car“ anbieten. Das Fahrwerk wurde vom englischen Ford Cortina übernommen, die Motoren zum Teil vom deutschen Ford Taunus. Der Entwicklungsname des Capri lautete Colt; da der Name aber rechtlich von Mitsubishi geschützt war, konnte Ford ihn für sein Serienmodell nicht verwenden.

FORD

Die 02er-Modelle gelten bei den Bayern als Kultobjekte. Der 100 PS starke BMW 2002 von 1968 war eine schicke Fahrmaschine.

BMW

Der Mercedes 300 SEL 6.3 war das erste Muscle Car der Stuttgarter Sterndeuter: V8, 250 PS, 501 Nm und 200 km/h Spitze.

DAIMLER
1/18

 

Das Autojahr 1968 schrieb nicht unbedingt Geschichte, wenngleich so einige Würfe wegweisend waren und in Erinnerung geblieben sind. Auch im negativen Sinn. So geriet vor 50 Jahren eine Neuheit von Volkswagen zum vielleicht größten Flop in der Historie der Marke. Mit dem 411, genannt „Nasenbär“, lagen die Wolfsburger jedenfalls voll daneben. Der Versuch von Deutschlands größtem Industriekonzern, mit einer geräumigen und komfortablen Mittelklasselimousine an den Erfolg des Käfers anzuschließen, endete schmachvoll: Nach siebenjähriger Bauzeit, in der gerade einmal 355.200 Menschen einen 411 kauften, rutschte der Kingsize-Käfer über sein Schrägheck ins Abseits.

Im Gegensatz dazu betrat im September 1968 auf dem Pariser Salon ein Star von beispielloser Strahlkraft die Bühne: Der Jaguar XJ aus der Hand des Firmengründers Sir William Lyons gilt als Jahrhundert-Entwurf und als eine der schönsten Luxuslimousinen, die je gebaut wurden. Das Flaggschiff der Briten markierte zudem den Aufbruch in eine neue Ära und machte Schluss mit den barocken Rundungen. Lange bevor die deutschen Hersteller mit ihren Dickschiffen auffuhren, pflanzte Jaguar auch einen Zwölfzylinder in den XJ ein und machte ihn über Jahre zur schnellsten Limousine der Welt.

Ein echter 68er und weiterer Pulsbeschleuniger war der Opel GT. Drei Jahre lang hatten die Opel-Fans darauf warten müssen, den Prototypen von 1965 kaufen zu können. Im September 1968 stand das zweisitzige Coupé mit den Schlafaugen endlich bei den Händlern. Opel baute bis 1973 mehr als 100.000 Exemplare. Heute ist der GT ein gefragter Oldtimer, für ein gut erhaltenes Exemplar legt man zumindest 20.000 Euro auf den Tisch. Walter Röhrl hat sich kürzlich einen gekauft.

Zu den auffälligsten Neuheiten des Jahres zählte der Audi 100. Das Mittelklasse-Modell legte den Grundstein für den Erfolg der Marke. Besonderheit: Der große Wagen hatte Frontantrieb und war auch mit einem Gewicht von 1080 Kilogramm ein Vorreiter des Leichtbau-Zeitalters. Als Exote ging der Saab 99 durch, sein eigenwilliges Design und so manche außergewöhnlichen Details machten die teure Limousine zum extravaganten Sonderling.

Mehrheitsfähiger war da schon der Peugeot 504, eine komfortable Limousine, von der die Franzosen immerhin 3,7 Millionen Stück verkauften. Premiere feierte 1968 auch der Ford Escort: Nach einem holprigen Start machte der „Hundeknochen“ doch noch Karriere.

 

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.